Datum24.07.2026 05:20
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Anteil nichtdeutscher Gefängnisinsassen in Deutschland ist auf 44,8% gestiegen. Mehr als 27.000 ausländische Häftlinge befinden sich in deutschen Gefängnissen. Die Strafvollzugsgewerkschaft warnt vor Problemen bei der Resozialisierung aufgrund von Sprachbarrieren und einem erhöhten Gewaltpotenzial. Es wird mehr Personal gefordert, um die Situation zu verbessern. Starke regionale Unterschiede sind erkennbar, wobei Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg einen besonders hohen Anteil aufweisen.
InhaltDer Anteil an Häftlingen ohne deutsche Staatsbürgerschaft ist erneut gestiegen. Die Strafvollzugsgewerkschaft warnt vor Problemen in der Resozialisierung. In diesem Jahr saßen mehr als 27.000 ausländische Inhaftierte in deutschen Gefängnissen. Das zeigt eine Auswertung der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ), die sich auf Daten aller 16 Landesjustizministerien bezieht. Damit machen ausländische Inhaftierte mittlerweile 44,8 Prozent aller Gefängnisinsassen aus, Untersuchungshaft eingeschlossen. Nach Daten der Bundesländer befanden sich zum Stichtag im März 2026 insgesamt 60.408 Menschen in Haft. Menschen mit doppelter (deutscher und ausländischer) Staatsbürgerschaft werden in der Statistik als Deutsche gezählt. Der Anteil ausländischer und staatenloser Gefangener steigt seit Jahren tendenziell an, wächst jedoch nicht proportional zur Zahl der ausländischen Einwohner. Regional gebe es laut NOZ starke Unterschiede: In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen liegt der Anteil ausländischer Gefangener in den Haftanstalten bei über 50 Prozent. Die meisten Gefangenen ohne deutsche Staatsbürgerschaft in den Stadtstaaten Hamburg (57,95 Prozent) und Berlin (58,9 Prozent) inhaftiert. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringenhat hingegen nur etwa jeder vierte Gefangene keinen deutschen Pass. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten (BSBD) warnt angesichts der Entwicklung vor einer Überforderung der Anstalten: "Die Sprachbarrieren sind ein großes Problem", sagte der Bundesvorsitzende René Müller der Zeitung. "Die Kollegen können kaum noch resozialisieren, dringen immer schlechter zu den Insassen vor", sagte der BSBD-Chef. Auch das Gewaltpotenzial nehme infolge der Verständigungsprobleme zu. Dazu steige das Risiko, dass sich abgeschottete Gruppen bildeten. "Wir brauchen dringend mehr Personal, um Situationen besser im Blick behalten zu können – und Gruppen auch zu separieren", sagte Müller. Es dürfe nicht sein, dass manche Häftlinge nach ihrer Entlassung krimineller seien als bei Haftantritt.