Wisconsin, USA: Polizei erschießt Schwarzen aus nächster Nähe

Datum23.07.2026 16:13

Quellewww.spiegel.de

TLDRIn Madison, Wisconsin, erschoss die Polizei einen Schwarzen Mann nach einer Verfolgungsjagd und einem Handgemenge bei einer Festnahme. Videos zeigen, wie der Mann, der angeblich ein Messer zog, aus nächster Nähe erschossen wird, nachdem ein Taserversuch fehlschlug. Der Vorfall löste Proteste aus. Die Polizei kündigte eine unabhängige Untersuchung an, während Bürgerrechtsgruppen die Polizeipraxis hinterfragen.

InhaltPolizisten haben in den USA einen schwarzen Mann bei einem Einsatz erschossen. Videos des Einsatzes lösten bereits Proteste in Madison aus. Nun folgen Ermittlungen. Ein schwarzer Mann wurde am Mittwoch von einem Polizisten in den USA auf offener Straße erschossen, als es während ​des Versuchs der Festnahme zu einem Handgemenge kam. Nach Angaben der Polizei wurde der Beamte, der geschossen hat, mit einem Messer verletzt, das der Mann während des Gerangels gezückt haben soll. Videoaufnahmen, die den tödlichen Polizeieinsatz in der Stadt Madison (Bundesstaat Wisconsin) aus mehreren Perspektiven zeigen, verbreiteten sich rasch und lösten Proteste aus. Der Polizeichef von Madison, John Patterson, kündigte auf einer Pressekonferenz eine unabhängige Untersuchung an und bat die Öffentlichkeit darum, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Er habe zwei online zirkulierende Videoclips geprüft, aber es gebe weiteres Material, das noch nicht von vielen gesehen worden sei. Auf die Frage, ob er die Schießerei als offensichtlichen Fall von unverhältnismäßiger Gewaltanwendung einstufen würde, antwortete Patterson: "Das kann ich nicht beurteilen." In den USA kommt es immer ​wieder zu Fällen schwerer Polizeigewalt, die sich oft gegen Schwarze richtet und die in der Vergangenheit teils große Proteste ausgelöst hat. Nach Angaben des Polizeichefs reagierten die ⁠Beamten auf einen Notruf, mit dem ⁠eine Person gemeldet wurde, die sich mutmaßlich an geparkten Fahrzeugen zu schaffen machte. Als die Polizei den Mann ausfindig gemacht habe, sei dieser auf einem Fahrrad geflohen. Die Polizisten hätten ihn etwa 30 Minuten später eingeholt, und es sei zu einem Handgemenge gekommen, nachdem der Mann "entweder vom Fahrrad gefallen war oder von den Beamten ‌vom Fahrrad gezogen wurde", so der Polizeichef. Auf dem Videomaterial im Internet ist zu sehen, wie die vier uniformierten Polizisten ​den Mann festhalten, während Rufe ‌wie "Loslassen" und "Er hat ein Messer" zu hören sind. In einem Ausschnitt ist zu hören, wie ein Beamter "Taser" ruft, während die Polizisten den Mann festhalten. Sekunden später wird der Mann zu Boden gedrückt, und ein Beamter tritt ihm auf die Beine, während ein anderer seine Waffe zieht und aus nächster Nähe drei Schüsse in Richtung des Kopfes des Mannes abfeuert. Dieser Beamte scheint die Waffe anschließend wieder in das Holster zu stecken und sich zu dem Mann hinzuknien, der regungslos am Boden liegt. Patterson ‌sagte, auch er habe den Eindruck, dass die drei Schüsse alle von demselben Beamten abgefeuert worden seien, den er als erfahrenen Polizisten beschrieb. Dieser habe Verletzungen durch ein "großes Messer mit feststehender Klinge" erlitten, das der Mann kurz zuvor "herausgezogen oder gezückt" habe, ‌während die Polizei versucht habe, ihn zu überwältigen. Zwischen dem Auftauchen des Messers und den Schüssen habe ein weiterer Beamter ‌versucht, den Mann mit einem Taser außer Gefecht zu setzen, doch das Gerät habe aus unbekannten Gründen ‌nicht gewirkt. Auch die afroamerikanische Bürgerinitiative Urban Triage äußerte sich zu dem Vorfall. "Die Polizei von Madison hat einen weiteren schwarzen Mann erschossen. Wir müssen ⁠die Polizei von Madison genau im Auge behalten. Wir sorgen ​für ​unsere Sicherheit", erklärte die Gruppe in einer in den sozialen Medien veröffentlichten Botschaft. Mehrere Medienportale zeigten Aufnahmen von Menschenmengen, die sich nach Bekanntwerden des Falls in Madison versammelten und aus Protest zum Kapitol des Bundesstaates zogen.