18-Jährige tarnt Hilferuf bei der Polizei als Pizzabestellung

Datum23.07.2026 16:10

Quellewww.spiegel.de

TLDREine 18-Jährige in Gelsenkirchen verschaffte sich durch eine vorgetäuschte Pizzabestellung bei der Polizei Hilfe. Sie wurde zuvor von einem Taxifahrer sexuell belästigt und fürchtete, er könnte ihren offenen Notruf belauschen. Eine Polizistin erkannte die Notlage und sandte einen Streifenwagen. Dieser traf die Frau und den mutmaßlichen Täter an, gegen den nun ermittelt wird. Die Polizei betont, dass auch verschlüsselte Hilferufe über die 110 erkannt werden können.

InhaltEin Taxifahrer soll eine Frau sexuell belästigt haben. Weil die 18-Jährige Sorge hatte, dass der Mann ihren Notruf mithört, tat sie so, als würde sie eine Pizza bestellen. Die Polizistin am Telefon erkannte die Notlage sofort. Eine junge Frau konnte in einer Bedrohungssituation nicht frei den Notruf wählen, also tat sie so, als würde sie eine Pizza bestellen. Am anderen Ende war jedoch die Polizei. Ihr geistesgegenwärtiges Handeln führte zu einem Polizeieinsatz in Gelsenkirchen. Die 18 Jahre alte Frau soll zuvor von einem Taxifahrer sexuell belästigt worden sein. Wie die Polizei mitteilte, rief sie den Notruf an und bestellte bei der Beamtin am Telefon eine Pizza. Die Polizistin erkannte, dass sich die Anruferin offenbar in einer Notsituation befand und nicht frei sprechen konnte. Daraufhin schickte sie gegen vier Uhr nachts einen Streifenwagen zu der Wohnanschrift der 18-Jährigen. Dort trafen die Beamten die junge Frau und den 35 Jahre alten Taxifahrer an. Nach Angaben der 18-Jährigen soll der Mann sie während der Fahrt von Bochum nach Gelsenkirchen sexuell belästigt haben. Weil sie den Notruf nicht offen wählen konnte, tarnte sie ihren Hilferuf als Pizzabestellung. Gegen den 35-Jährigen wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Zu dem Vorfall war es laut Polizei am vergangenen Samstag gekommen. Die Polizei wies wegen des aktuellen Falles darauf hin, dass Betroffene im Notfall immer die 110 wählen sollen, auch wenn sie nicht offen sprechen können. "In solchen Situationen können alltägliche, unauffällige Formulierungen die Beamtinnen und Beamten gezielt auf eine Gefahrenlage hinweisen. Die Mitarbeitenden der Polizei sind für ebenjene auffälligen Gesprächsverläufe sensibilisiert", heißt es in der Mitteilung der Polizei. Betroffene könnten bekannte Hilfesignale nutzen, wie die vermeintliche Bestellung einer Pizza, die Frage "Wo ist Luisa?" oder wenn Beamte in der Nähe sind auch das internationale Handzeichen für einen stillen Hilferuf (Handfläche zeigen, Daumen einklappen und mit restlichen Fingern den Daumen umschließen), erklärt die Polizei weiter.