Datum23.07.2026 12:17
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas Flugangebot deutscher Airports wächst 2024 nur minimal (+1%). Europaweit liegt das Wachstum bei 6%. Deutschland hinkt hinterher, mit nur 93% des Vor-Corona-Niveaus, vor allem wegen stark reduzierter Inlandsflüge (49%). Hohe staatliche Abgaben und Kerosinkosten belasten. Mittelgroße Flughäfen konkurrieren schlecht mit Drehkreuzen, während kleinere Airports zulegen können.
InhaltEuropaweit wird mehr geflogen, doch in Deutschland tun sich viele Flughäfen schwer. Die Branche klagt über hohe Abgaben und steigende Kerosinkosten. Und beobachtet einen Wechsel von mittelgroßen Airports zu kleineren. Das Flugangebot von deutschen Flughäfen wächst in der zweiten Jahreshälfte kaum noch. 137,5 Millionen Sitzplätze von Juli bis Dezember bedeuteten einen Zuwachs von einem Prozent, wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) berichtet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sind neben inländischen Verbindungen insbesondere Flüge in die Krisenregion Mittlerer Osten, aber auch nach Westeuropa gestrichen worden. Zusätzliche Starts gibt es nach Nordafrika und Südeuropa. Im europäischen Vergleich fliegt Deutschland damit weiterhin hinterher: In den übrigen Staaten wuchs das Luftverkehrsangebot um 6 Prozent und erreichte einen Erholungsgrad von 116 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019. Der deutsche Markt hat die Corona-Delle mit einer Erholungsrate von 93 Prozent dagegen weiterhin nicht vollständig ausgeglichen. Das liegt hauptsächlich an den dauerhaft gestrichenen Inlandsverbindungen abseits der Drehkreuze Frankfurt und München. Langstrecken und Europaflüge haben hingegen nahezu das Niveau aus dem Jahr 2019 wieder erreicht. Innerdeutsch wird mit 49 Prozent nicht einmal jeder zweite Sitzplatz des früheren Angebots geflogen. Der BDL nennt vordergründig die hohen staatlichen Steuern und Abgaben als Grund, dass Fluggesellschaften deutsche Flughäfen meiden. Zusätzlich begrenzen die Airlines ihr Angebot wegen der anhaltend hohen Kerosinpreise. Besonders schwach ist die Entwicklung an mittleren Standorten wie Stuttgart, Berlin oder Leipzig. Sie sind zu klein im Wettstreit mit den großen Drehkreuzen. Frankfurt und München kommen auf 91 beziehungsweise 89 Prozent ihres früheren Angebots. Gleichzeitig können einige kleinere Flughäfen wie Memmingen, Weeze oder Karlsruhe/Baden-Baden deutlich mehr Flüge anbieten, weil dort Direktfluggesellschaften ihr Angebot konzentriert haben.