Natur: Trockenheit: Wie sieht es in den Wäldern in Thüringen aus?

Datum23.07.2026 10:51

Quellewww.zeit.de

TLDRTrotz zunehmender Trockenheit leiden Thüringens Wälder bisher selten unter starker Dürre, dank eines regenreichen Frühlings. Obwohl Bodenwasserreserven etwas gesunken sind, besteht keine flächendeckende Stresssituation. Forstleute pflanzen vermehrt im Herbst auf, da junge Bäume im Sommer stärker von Trockenheit gefährdet sind. Die Anpassungsfähigkeit variiert, Eichen kommen besser mit Trockenheit zurecht als Fichten, unter anderem durch Regulierung von Spaltöffnungen und tiefe Wurzeln.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Natur“. Lesen Sie jetzt „Trockenheit: Wie sieht es in den Wäldern in Thüringen aus?“. In Thüringens Wäldern haben die Bäume in diesem Jahr bisher selten unter starker Trockenheit gelitten. Das Frühjahr war mit viel Regen waldfreundlich, wie der Sprecher von Thüringenforst, Horst Sproßmann, erklärte. Der Mai war demnach sehr niederschlagsreich - es regnete 46 Prozent mehr als im langjährigen Mittel.  Deswegen sei das Bodenwasser zu Beginn des Frühsommers noch gut gefüllt gewesen. Diese Vorräte seien durch die heißen Tage etwas abgesenkt worden. Jedoch gebe es derzeit keine "flächige Stresssituation für die Wälder in Thüringen", sagte Sproßmann. Trockenphasen, die länger als vier Wochen dauern, setzen ihm zufolge die Bäume unter Stress. Dass es nun immer mal wieder Niederschläge gebe, helfe den Wäldern.  An 15 Messstationen wird in den Thüringer Wäldern die Bodenfeuchte überprüft. Derzeit gebe es teils geringe Reserven, jedoch sei nirgends ein Wasserspeicher gänzlich geleert, erklärte Sproßmann.  Die zunehmende Trockenheit prägt dennoch das Waldgeschehen. Junge Bäume werden grundsätzlich zweimal im Jahr gepflanzt - im Frühjahr und im Herbst. Baumkulturen, die in der ersten Jahreshälfte gepflanzt werden und in den Sommer hineinwachsen, seien jedoch stärker durch Trockenheit gefährdet. Vor dem Hintergrund des Klimawandels nehmen Sproßmann zufolge deswegen viele Forstleute und Waldbesitzer die Aufforstung vermehrt im Herbst vor, wenn die Wasserversorgung besser ist.  Denn extra bewässert werden die Wälder nicht. "Das heißt, wir sind auf Niederschläge angewiesen", sagte Sproßmann. Dabei ist Wasser für Bäume und ihr Wachstum unverzichtbar - für junge wie für alte. Insgesamt 1,5 Millionen Bäume werden laut dem Sprecher der Landesforstanstalt in diesem Jahr im Staatswald gepflanzt. Wälder im Privat- oder Kommunalbesitz gehören dabei nicht dazu.  Die Bäume haben jedoch auch selbst Mechanismen, um mit der Trockenheit klar zukommen und Wasser zu sparen. Die Strategien variieren demnach von Art zu Art. Die Fichte kann sich Sproßmann zufolge eher schlechter anpassen. Die Eichen hingegen kämen sehr gut mit Trockenstress zurecht.  So können sie die Spaltöffnungen der Blätter und Nadeln regulieren, wie Sproßmann erklärte. "Wenn es trocken wird, dann schließen sie diese Spaltöffnungen". So werde die Verdunstung von Wasser reduziert.  Eine weitere Option ist eine Anpassung durch die Wurzeln. Tiefwurzler wie etwa Eichen können mit ihren tiefen Wurzeln in den unteren Bodenschichten noch intensiver nach Wasser suchen, wie der Experte erläuterte. "Und wenn das alles nichts nutzt, dann gibt es noch den sogenannten Notfallabwurf", sagte er. Das bedeutet, der Baum kann seine Blätter vorzeitig fallen lassen. Bereits im August könne beobachtet werden, dass die Bäume ihre noch grünen Blätter abwerfen. © dpa-infocom, dpa:260723-930-425625/1