Kakerlaken-Bewegung: Indiens Premierminister kündigt harte Strafen für Prüfungsbetrug an

Datum23.07.2026 09:09

Quellewww.zeit.de

TLDRPremierminister Modi hat nach anhaltenden Protesten, bekannt als "Kakerlaken-Bewegung", wegen Prüfungsbetrugs harte Strafen angekündigt. Es ist seine erste Stellungnahme, in der er die Einrichtung von Schnellgerichten für Fälle von bekannt gewordenen Prüfungsaufgaben ankündigt und das Wohlergehen der Jugend betont. Auslöser der Proteste waren wiederholte Prüfungsskandale und Missstände im Bildungssystem, die zu Forderungen nach dem Rücktritt des Bildungsministers führten.

InhaltNarendra Modi hat sich erstmals zu den Demonstrationen der sogenannten Kakerlaken-Bewegung gegen Missstände in Indiens Bildungssystem geäußert. Die Proteste dauern an. Angesichts anhaltender Proteste in Indien gegen Missstände im Bildungssystem hat Regierungschef Narendra Modi harte Strafen für Prüfungsbetrug angekündigt. Es ist die erste direkte Stellungnahme des hindunationalistischen Premierministers zu den Massenprotesten, die seine Regierung seit Tagen unter Druck setzen. Für Fälle, in denen Prüfungsaufgaben vorab bekannt werden, sollen Modi zufolge Schnellgerichte eingerichtet werden. "Nichts ist wichtiger als das Wohlergehen und die Zukunft unserer Jugend", schrieb er in seiner Stellungnahme. Wer versuche, der "Zukunft unserer Jugend zu schaden", dürfe nicht verschont werden. Hintergrund sind die Proteste der sogenannten Kakerlaken-Bewegung. Die überwiegend jungen Demonstranten fordern bereits seit vergangenem Monat wegen wiederholter Prüfungsskandale den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan. Auslöser waren unter anderem vorab bekannt gewordene Aufgaben einer medizinischen Aufnahmeprüfung. Mehr als zwei Millionen Bewerber mussten die Prüfung deshalb wiederholen. Zusätzlich wurden Fehler bei der Onlinebewertung der Prüfungen von fast zwei Millionen Schülerinnen und Schülern bekannt. Die Kakerlaken-Bewegung (CJP) gibt es bereits seit Mai. Entstanden war sie zunächst als satirische Reaktion auf Äußerungen des Obersten Richters Indiens, Surya Kant. Dieser hatte junge Regierungskritiker während einer Anhörung Berichten zufolge mit "Kakerlaken" und "Parasiten" verglichen. Inzwischen fordert die Bewegung auch mehr Arbeitsplätze und Chancen für junge Menschen und kritisiert Modis Regierungsstil als zunehmend autoritär. Die Proteste gelten als eine der größten innenpolitischen Herausforderungen für Modi seit dem Beginn seiner dritten Amtszeit im Jahr 2024. Am Montag waren die Proteste eskaliert, als Zehntausende Menschen zum Auftakt der Monsunsitzungsperiode des Parlaments durch die Hauptstadt Neu-Delhi zogen. Die Polizei setzte Tränengas und Schlagstöcke ein, Demonstranten warfen Steine. Nach Polizeiangaben wurden mindestens 178 Menschen verletzt. Auch in Mumbai, Bengaluru und Goa wurde protestiert. Am Mittwoch demonstrierten erneut mehrere Tausend Menschen in der indischen Hauptstadt, wieder kam es dabei zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.