Selbstständige leisten die meisten Arbeitsstunden

Datum23.07.2026 09:12

Quellewww.spiegel.de

TLDRSelbstständige arbeiten überdurchschnittlich häufig lange. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2023 rund 44,5% der Selbstständigen mit Angestellten und 23% der Soloselbstständigen regelmäßig 49 Stunden oder mehr pro Woche. Bei Vollzeitangestellten lag dieser Anteil bei nur 4,1%. Ältere Arbeitnehmer und Führungskräfte neigen ebenfalls zu längeren Arbeitszeiten. Teilzeit aufgrund ausbleibender Vollzeitstellen ist rückläufig.

InhaltLinke und SPD beklagen regelmäßig die Ausbeutung der Arbeitnehmer. Wenn es um Arbeitszeiten geht, liegt allerdings eine ganz andere Gruppe über dem Eichstrich. Viele Erwerbstätige in Deutschland arbeiten deutlich länger als die verbreitete 40-Stunden-Woche. Im vergangenen Jahr arbeiteten 7,1 Prozent der rund 30 Millionen Vollzeitbeschäftigten in der Regel 49 Stunden und ​mehr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Selbstständige mit Beschäftigten (44,5 Prozent) und Soloselbstständige (23,0 Prozent) stellen dabei mit Abstand die größte Gruppe der Vielarbeiter. Der Anteil bei vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmern lag bei 4,1 Prozent. Im Durchschnitt betrug die Wochenarbeitszeit im vergangenen Jahr 40,2 Stunden. Die Grenzlinie verläuft aber auch quer durch die Generationen. "Generell gilt: je älter die Erwerbstätigen, desto länger die Arbeitszeiten", erklärten die Statistiker. Während 1,4 Prozent der Vollzeiterwerbstätigen im Alter von 15 bis 24 Jahren mindestens 49 Stunden pro Woche arbeiteten, lag dieser ​Anteil bei denjenigen zwischen 55 und 64 Jahren bei 9,6 Prozent. "Einer der Gründe für die deutlichen Unterschiede ist ⁠der hohe ⁠Anteil überlanger Arbeitszeiten bei Führungskräften, die eher in höheren Altersgruppen und bei Männern zu finden sind", hieß es. Selbstständige mit Beschäftigten arbeiten häufiger am Abend als Arbeitnehmer: 30,8 Prozent von ihnen waren regelmäßig zwischen 18 und 23 Uhr tätig. ‌Bei den Arbeitnehmern war es hingegen nur gut jede(r) siebte (13,4 Prozent). Bei der Nachtarbeit von 23 bis sechs Uhr glichen sich die Anteile an: Nur ‌4,2 Prozent der Selbstständigen mit Beschäftigten und ​4,3 Prozent der Arbeitnehmer arbeiteten in diesem ‌Zeitraum. Auch zu geringe Arbeitszeiten können zur Belastung werden – nicht nur, weil ‌sie meist zu ​Gehaltseinbußen führen. "Teilweise wird kürzer gearbeitet, weil gerade keine Tätigkeit mit höherer Stundenzahl zu finden ist", betonten die Statistiker. Für ​4,9 Prozent aller gut 13 Millionen Teilzeiterwerbstätigen war ⁠2025 die Teilzeitarbeit eine Notlösung. Sie gaben ​als ​Grund an, keine Vollzeitstelle gefunden zu haben. Im Vergleich zu 2015 hat sich der Anteil mehr als halbiert (2015: 12,9 Prozent).