Datum23.07.2026 01:49
Quellewww.zeit.de
TLDRDie USA haben mit Saudi-Arabien ein Atomabkommen unterzeichnet, das die Bereitstellung von US-Technologie für saudi-arabische Atomkraftwerke regelt. Berichten zufolge erlaubt das Abkommen auch die Urananreicherung durch Riad, was Bedenken hinsichtlich der Weiterverbreitung von Atomwaffen aufwirft. Trotz Zusicherungen zur Sicherheit wird das Abkommen dem US-Parlament vorgelegt, wo Widerstand droht. Die USA verfolgen wirtschaftliche und strategische Interessen, während Saudi-Arabien seinen Energiebedarf decken möchte.
InhaltUS-Technologie soll dem Königreich helfen, Atomkraftwerke zu bauen. Die US-Regierung veröffentlichte kaum Details. Laut Berichten geht es auch um Urananreicherung. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump will Saudi-Arabien beim Aufbau eines zivilen Atomprogramms helfen. Die Energieminister beider Länder, Chris Wright und Abdulasis bin Salman, unterzeichneten in Washington ein entsprechendes Abkommen. Das teilte das US-Energieministerium mit. Das Abkommen schafft den Rahmen dafür, dass die USA Technologie für den Bau von Atomkraftwerken in dem Königreich zur Verfügung stellen. Die US-Regierung veröffentlichte aber nur wenige Einzelheiten. Mehrere US-Medien, darunter das Wall Street Journal und die New York Times, hatten schon im Vorfeld von Insidern weitere Details erfahren. So berichten etwa die Nachrichtenagenturen AP und Reuters unter Verweis auf gut informierte Personen, Saudi-Arabien solle auch die Möglichkeit erhalten, Uran anzureichern und abgebrannte Brennelemente aufzubereiten. Beides lässt sich zur Entwicklung von Atomwaffen nutzen. US-Energieminister Wright betonte, das Abkommen erfülle höchste nukleare Sicherheitsstandards und beinhalte, dass keine Atomwaffen verbreitet werden. Die Minister beider Länder unterzeichneten demnach flankierend ein Abkommen zu nuklearen Sicherheitskontrollen. Das soll die rechtliche Grundlage für eine jahrzehntelange Partnerschaft legen. Insgesamt wollen die USA wirtschaftlich profitieren und Nukleartechnologie exportieren, um im eigenen Land Arbeitsplätze zu schaffen. Für Saudi-Arabien soll das Abkommen laut der US-Mitteilung dazu beitragen, den Energiebedarf des Königreichs zu decken. Das Abkommen soll eine Laufzeit von 30 Jahren haben. Eine Annäherung an Saudi-Arabien ist für die USA vor dem Hintergrund des Irankriegs auch von strategischer Bedeutung. Saudi-Arabien und der Iran sind seit Jahren Antagonisten im Nahen Osten. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte in der Vergangenheit erklärt, sein Land werde nachziehen, sollte der regionale Konkurrent Iran eine Atombombe entwickeln. Dies schürte bei Rüstungskontrolleuren und einigen US-Abgeordneten die Sorge vor einem Wettrüsten in der Region. Die Vereinbarung wird nun dem US-Parlament zur Prüfung vorgelegt. Dort könnte es Widerstand geben. Viele Abgeordnete lehnen eine Ausweitung atomarer Technologie im politisch instabilen Nahen Osten ab – noch dazu während des laufenden Irankriegs. Gleichzeitig hat Saudi-Arabien schon in der Vergangenheit gesagt, wenn die USA nicht als Partner infrage kämen, könnte es mit China oder Russland einen solchen Atompakt schließen. US-Außenminister Marco Rubio hatte vor der Einigung versucht, aufkommende Kritik an der Entscheidung zu entkräften. "Die Vereinigten Staaten werden mit keinem Land der Welt ein Abkommen schließen, das ein Risiko der Weiterverbreitung von Atomwaffen schafft", sagte er jüngst vor Journalisten. Wie die Nachrichtenagentur AP aus Regierungskreisen erfuhr, enthält das Abkommen allerdings nicht das Zusatzprotokoll der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), das regelmäßige Überwachungs-, Inspektions- und Kontrollmöglichkeiten vorsieht. Saudi-Arabien hat den Atomwaffensperrvertrag (NPT) unterzeichnet, der die Weiterverbreitung von Nuklearwaffen verbietet. Das Land hat auch eine umfassende Vereinbarung mit der Internationale Atomenergiebehörde IAEA geschlossen, die unter anderem mit Inspektionen den Bau von Atomwaffen verhindern soll. Es fehlt aber ein Zusatzprotokoll, wonach IAEA-Überwacher auch nach Spuren geheimer Aktivitäten suchen können. Saudi-Arabien ist neben dem Iran der größte Energiekonsument in der Region. Das Königreich hat kein bekanntes Atomwaffenprogramm, treibt die Nutzung von Atomkraft unter dem Kronprinzen und faktischen Herrscher Mohammed bin Salman aber seit Jahren voran.