Brennelemente-Produktion in Niedersachsen: Niedersachsen genehmigt Fertigung russischer Brennelemente in Lingen

Datum22.07.2026 21:07

Quellewww.zeit.de

TLDRNiedersachsen genehmigt unter Auflagen die Produktion russischer Brennelemente in Lingen. Das Unternehmen ANF darf auf dem Gelände der Anlage, die zum französischen Framatome-Konzern gehört, Brennelemente für russische Atomkraftwerke herstellen. Umweltminister Meyer kritisiert dies politisch, betont aber, dass das Land den Antrag wegen fehlender Hinderungsgründe des Bundes nicht ablehnen konnte. Auflagen umfassen Zutrittsverbote für russische Mitarbeiter und strenge Kontrollen. CDU-Politiker Henrichmann warnt vor russischem Einfluss auf kritische Infrastruktur.

InhaltDas niedersächsische Umweltministerium erlaubt unter Auflagen die Produktion von Brennelementen russischen Typs in Lingen. Gleichzeitig kritisiert es die Zusammenarbeit. In Lingen im Emsland werden künftig Brennelemente russischen Typs hergestellt. Das niedersächsische Umweltministerium teilte mit, dass es eine entsprechende Erweiterung der dortigen Anlage genehmige – unter strengen Auflagen.  Das zum französischen Framatome-Konzern gehörende Kernkraft-Unternehmen Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) will auf dem Gelämde in Lingen sechseckige Brennelemente für Atomkraftwerke russischer Bauart produzieren. Dazu soll Technik des Atomkonzerns TVEL verwendet werden, eine Tochter des russischen Staatskonzerns. Trotz der erteilten Genehmigung kritisierte Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) die Zusammenarbeit deutlich. Das Geschäft halte er politisch für "grundfalsch", da gerade im Nuklearsektor Abhängigkeiten von Russland verringert werden müssten. Das Land habe nach dem Atomgesetz den Antrag des Unternehmens allerdings nicht ablehnen können. Der Grund: Der Bund sei nach einer Prüfung zu dem Ergebnis gekommen, dass keine ausreichenden Risiken durch mögliche Spionage oder Sabotage vorlägen. Daran sei das Land gebunden. Auch der Vorsitzende des Parlamentarischen Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestages (PKGr), Marc Henrichmann (CDU), kritisierte die Zusammenarbeit mit Rosatom. "Der Einfluss des russischen Nuklearsektors in der EU ist nach wie vor ein großes Problem, dem wir uns entschieden entgegenstellen müssen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Henrichmann sieht sehr wohl Sicherheitsrisiken. "Während sich die russische Führung mit dem Beginn des Angriffskrieges aus der friedlichen Staatengemeinschaft entfernt hat, versuchen sie über Umwege weiterhin zentrale Knotenpunkte unserer kritischen Infrastruktur, beispielsweise im Energiesektor, unter ihrer Kontrolle zu halten", sagte Henrichmann. "Diese Entwicklungen müssen wir frühzeitig erkennen und entschieden bekämpfen." Zu den Auflagen, die das Land Niedersachsen mit der Genehmigung für die ANF verbunden hat, gehört ein grundsätzliches Zutrittsverbot für Beschäftigte von TVEL und Rosatom zur Anlage in Lingen. Russische Maschinen und Software müssen demnach extern überprüft und von der übrigen IT der Fabrik getrennt werden. Aus Russland gelieferte Brennstäbe sollen zudem vollständig auf Manipulationen kontrolliert werden.