Datum22.07.2026 18:27
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer DW-Journalist Alican Uludağ wurde in Ankara festgenommen, angeblich wegen der Verbreitung irreführender Informationen und Aufstachelung. Berlin zeigte sich "sehr irritiert" und betonte die Bedeutung der Pressefreiheit. Uludağ, nicht deutscher Staatsbürger, wurde wieder freigelassen, darf aber die Türkei nicht verlassen. Dies ist nicht seine erste Festnahme; ein Prozess gegen ihn wegen ähnlicher Vorwürfe läuft weiter.
InhaltAls Korrespondent der Deutschen Welle berichtet Alican Uludağ kritisch über die türkische Regierung. Seine erneute Festnahme kritisiert Berlin scharf. Jetzt soll er vorerst wieder auf freiem Fuß sein. Der türkische Investigativjournalist Alican Uludağ ist nach seiner Festnahme offenbar wieder auf freiem Fuß. Das berichten unter anderem die türkische Zeitung "Cumhuriyet" und die Menschenrechtsorganisation MLSA. Er dürfe aber nicht das Land verlassen. Uludağ war am Dienstag in Ankara festgenommen worden. Laut der Staatsanwaltschaft werde gegen ihn wegen der Vorwürfe der "Aufstachelung des Volkes zu Feindseligkeit oder Erniedrigung" sowie der "Verbreitung irreführender Informationen" ermittelt. Unter diesem Vorwand geht die türkische Regierung seit Jahren gegen kritische Berichterstatter und Oppositionelle vor. Kritiker sehen insbesondere den Straftatbestand "Verbreitung irreführender Informationen" als Zensurgesetz. Das Auswärtige Amt teilte mit, die Festnahme habe die Bundesregierung "sehr irritiert". Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit seien höchste Güter, an denen sich die Türkei als Mitglied des Europarates messen lassen müsse, sagte ein Sprecher laut der Nachrichtenagentur dpa. Es sei wichtig, dass die Deutsche Welle genauso wie alle anderen Journalistinnen und Journalisten auch frei berichten könne. Die Deutsche Welle leiste in der Türkei und weltweit sehr wichtige Arbeit. Der Ministeriumssprecher stellte klar, dass es sich nicht um einen Konsularfall handele. Der festgenommene Journalist ist kein deutscher Staatsbürger. Uludağ war erst im Mai nach einer dreimonatigen Untersuchungshaft im Istanbuler Gefängnis Silivri entlassen worden. Ein gegen ihn laufender Prozess, in dem der Journalist wegen der Vorwürfe der Präsidentenbeleidigung, Verbreitung irreführender Informationen und der Herabwürdigung der Türkei in wiederholten Fällen angeklagt ist, soll am 18. September fortgesetzt werden. Uludağ bestreitet die Vorwürfe und verteidigt sich mit dem Recht auf Presse- und Informationsfreiheit. Nach seiner Festnahme im Februar hatte der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) die Freilassung Uludağs gefordert. Zuletzt enthob ein türkisches Gericht den Oppositionschef Özgür Özel seines Amtes. Im Gespräch mit dem SPIEGEL sagt er Präsident Erdoğan den Kampf an und fordert Sanktionen gegen die Regierung. Das ganze Interview lesen Sie hier .