Datum22.07.2026 17:02
Quellewww.spiegel.de
TLDRThorsten Frei soll neuer Vorsitzender der Unionsfraktion werden. Diesen Vorschlag lobt die SPD, die ihn als erfahrenen Verhandlungspartner schätzt. Die CDU/CSU-Führung unterstützt den Vorschlag, da Frei die Fraktion und die Regierung gut kenne. Die FDP kritisiert die Personalie, da sie eine Verbesserung für die Union bezweifelt. Frei war bereits nach der letzten Wahl im Gespräch, wurde aber Kanzleramtschef. Seine Nominierung folgt auf den Rücktritt von Jens Spahn.
InhaltKanzleramtschef Thorsten Frei soll Vorsitzender der Unionsfraktion im Bundestag werden. Beim Koalitionspartner SPD hat man ihn in guter Erinnerung, in der außerparlamentarischen Opposition wundert man sich. Der Kanzleramtschef soll es richten: Thorsten Frei (CDU) wird der Unionsfraktion als neuer Vorsitzender vorgeschlagen. Darauf einigten sich die Parteichefs Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU). Und zumindest die Reaktionen aus der schwarz-roten Koalition sind positiv. Außenminister Johann Wadephul (CDU) lobte Frei: "Genau der richtige Mann, den die CDU/CSU-Fraktion jetzt braucht. Er kennt die Fraktion aus dem Effeff." Wadephul habe lange mit dem damaligen Parlamentarischen Geschäftsführer im Fraktionsvorstand zusammen gearbeitet. Frei kenne die Funktionsweise einer Koalition, zudem bringe er jetzt die Regierungserfahrung für die großen Vorhaben mit, die man anpacken wolle. Der Interimsfraktionschef der Union, Alexander Hoffmann (CSU), begrüße den Vorschlag "ausdrücklich", wie er sagte. Frei kenne die Fraktion und "er kennt die Themen, die auf dem Tisch liegen", hob Hoffmann am Mittwochnachmittag nach Beratungen des Fraktionsvorstands in Berlin hervor. Auch der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Dirk Wiese, zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung. Er habe Frei zu Zeiten der letzten Großen Koalition als sehr versierten Kollegen kennengelernt, "mit dem man gut verhandeln kann, der sehr detailliert auch immer in den Themen drin ist". Er freue sich auf die künftige Zusammenarbeit, sobald die Gremien der Union in der kommenden Woche ihre Zustimmung gegeben hätten. In der außerparlamentarischen Opposition zeigt man sich verwundert. FDP-Chef Wolfgang Kubicki kommentierte die Personalie fast schon ironisch. "Der koalitionsinterne Unmut über das Kanzleramt unter Thorsten Frei war in Berlin schon lange unüberhörbar", sagte Kubicki der "Rheinischen Post". "Ihm nun einen noch wichtigeren Posten in der Koalition zu geben, ist eine bemerkenswerte Entscheidung. Das wird kein Befreiungsschlag für Merz." Schon nach der Bundestagswahl 2025 war Frei für den Fraktionsvorsitz im Gespräch, Kanzler Merz holte ihn aber ins Kanzleramt. Dort fasste der Politiker aus dem Schwarzwald nur schwer Fuß. Parteikollegen warfen ihm vor, lieber Interviews zu geben, als die Koalitionsarbeit zu koordinieren. Nach dem Rücktritt Jens Spahns infolge der Debatte über Leihmutterschaften galt Frei erneut als Favorit auf den Posten. Am Mittwoch verkündete die Union in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Merz und Söder, dass Frei dem Fraktionsvorstand vorgeschlagen worden sei. "Thorsten Frei kommt aus der Mitte der Fraktion und wird dort für das perfekte Zusammenspiel zwischen Parlament, Koalitionspartner und Bundesregierung sorgen", sagte Merz demnach. Söder fügte an: "Als CSU-Vorsitzender unterstütze ich den Vorschlag von Friedrich Merz. Thorsten Frei wird ein guter Vorsitzender der gemeinsamen Bundestagsfraktion werden." Spahn und sein Mann hatten vergangene Woche bekannt gegeben, dass sie mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden seien. Damit umgingen die beiden ein in Deutschland geltendes Verbot, das Spahn in der CDU mitgetragen hat. Viele Parteikollegen reagierten empört, daraufhin trat Spahn als Fraktionschef zurück.