Datum22.07.2026 16:59
Quellewww.spiegel.de
TLDREine Tierärztin behauptet, DNA-Analysen eines chinesischen Labors würden zeigen, dass zwei Gewebeproben nicht vom selben Wal stammen könnten. Dies widerspricht anderen Mitgliedern einer Initiative, die den Buckelwal "Timmy" transportierte. Die umstrittenen Analysen könnten durch mangelhafte Lagerung der Proben und Formalin-Behandlung verfälscht worden sein. Die Aussage der Tierärztin wird von anderen Beteiligten angezweifelt, da die Probenanalyse methodisch fehlerhaft erfolgte.
InhaltVielleicht erinnern Sie sich an den Wal namens "Timmy". Nach Tod und Obduktion des Tiers ist die Geschichte offenbar immer noch nicht vorbei: Auf einer Pressekonferenz hat sich eine, nun ja, Expertin zu Gewebeproben und einem chinesischem Labor geäußert. Offenbar lässt Wal "Timmy" einigen Menschen keine Ruhe. Eine erneute Pressekonferenz sollte nun mehr Klarheit in der Causa bringen. Zwei Gewebeproben des Buckelwals sollen einer beteiligten Kleintierärztin zufolge von einem nicht namentlich genannten chinesischen Labor ausgewertet worden sein. Die Abweichungen seien dabei so groß gewesen, dass die DNA nicht von derselben Tierart stammen könne, sagte Kirsten Tönnies, die der Initiative zum Transport des Wals angehört hatte, in Hamburg. Andere Mitglieder der Initiative widersprachen der Vermutung direkt, dass der tote Wal womöglich gar nicht "Timmy" gewesen sein soll. Tierärztin Anne Herrschaft So etwa die Tierärztin Anne Herrschaft, die ebenfalls der Initiative angehört hatte. Sie sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie habe keinen Zweifel daran, dass der tot vor der dänischen Insel Anholt angespülte Wal derjenige war, der zuvor von der Ostsee-Insel Poel aus Richtung Nordsee gebracht wurde. "Auch wenn es traurig ist, es ist leider unser Wal." Der Buckelwal war am 3. März im Hafen von Wismar gesehen worden. Am 23. März wurde er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt, schwamm einige Tage später weg und strandete mehrfach erneut. Spätestens da wurde die Causa zum Medienspektakel , auch der SPIEGEL berichtete über das "deutsche Drama". Ab dem 31. März lag das schwer geschwächte Tier vor der Insel Poel, bis die Initiative am 28. April mit ihm Richtung Nordsee startete. Etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt wurde es am 2. Mai im Skagerrak ausgesetzt. Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde das Buckelwal-Weibchen tot vor Anholt angespült. Warum liefert die DNA-Auswertung nun aber angeblich keine klare Bestätigung, dass beide beim Labor eingereichten Proben vom selben Buckelwal stammen? Eine sei dem Wal auf der Barge entnommen worden, die andere Probe stamme vom Kadaver des Tiers vor Anholt und sei von jemandem mit nach Deutschland gebracht worden. Den Angaben zufolge war eine der Proben in Formalin eingelegt – eine wässrige Lösung von Formaldehyd. Solche Fixiermittel führen bei Raumtemperatur zu einem Abbau von DNA, wie etwa eine Studie im Fachjournal "Pathology, Research and Practice" zeigte. Geschädigte DNA kann Abgleiche stark verfälschen. Je länger das Material in Formalin liegt, desto stärker ist meist die Schädigung. Hinzu kommt, dass die Proben Tönnies zufolge erst spät gekühlt wurden. Für einen DNA-Abgleich ist aber entscheidend, wie die Probe gelagert wurde: Gewebe sollte schnellstmöglich gekühlt, eingefroren oder konserviert werden. Wärme, Feuchtigkeit und Kontamination beschleunigen den Verlust an verwertbarer DNA. Die Geldgeber der Initiative, Karin Walter-Mommert und Walter Gunz , hatten sich schon im Vorfeld von der Pressekonferenz distanziert. Allein Tönnies saß dort, niemand anderes von der Initiative oder aus dem Labor, kein Experte etwa des Meeresmuseums und niemand aus dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns. Auch mit Tierärztin Herrschaft habe sie keinen Austausch mehr, sagte Tönnies. Der Hype um Buckelwal "Timmy" wuchs sich zur Groteske aus, das Hamburger Ernst-Deutsch-Theater macht daraus einen sakralen Ulk. Lesen Sie hier mehr zu "Timmy" im Theater.