Datum22.07.2026 16:19
Quellewww.zeit.de
TLDRGaleria prüft 33 Filialen wegen mangelnder Rentabilität, darunter Wismar. Gespräche mit Vermietern über Mietkonditionen und Flächenanpassungen sind geplant. Der Wismarer Bürgermeister ist optimistisch, da der Standort profitabel sei. Er fordert von der Landesregierung eine Regelung für die Sonntagsöffnungszeiten zur Unterstützung des Einzelhandels. Galeria bemüht sich um Sanierung und neue Finanzierung nach erneuter Insolvenz.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Einzelhandel“. Lesen Sie jetzt „Galeria in Wismar auf Prüfstand - Bürgermeister optimistisch“. 33 Filialen der Warenhauskette Galeria werden auf ihre Rentabilität geprüft und könnten geschlossen werden - darunter der Standort Wismar. Das Unternehmen will mit den Vermietern über Mietkonditionen und Flächenanpassungen verhandeln. Sollten keine tragfähigen Lösungen erarbeitet werden, sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet, teilte der Konzern mit. Bei einigen Häusern liefen die Gespräche bereits, bei anderen sollen sie jetzt beginnen. Wismars Bürgermeister Frank Junge sieht der Überprüfung des Wismarer Galeria-Standortes nach eigenem Bekunden optimistisch entgegen. "Der Standort war immer profitabel und das wird er auch in Zukunft sein, da bin ich mir sicher", erklärte der SPD-Politiker. Er verwies auch auf die Geschichte des Kaufhauses als Karstadt-Stammhaus. Damit sei es der Ursprung der Warenhäuser in Deutschland. "Es hat eine übergeordnete Bedeutung", so Junge. Der Bürgermeister rief die Landesregierung seiner Parteifreundin Manuela Schwesig in Schwerin auf, möglichst bald und vor allem rechtssicher eine Regelung für die Sonntagsöffnungszeiten zu finden. "Damit gerade dann, wenn viele Gäste da sind, dieser Umsatz auch mitgenommen werden kann. Das ist nicht nur wichtig für Galeria, sondern für den gesamten Einzelhandel." Die Sonntagsöffnung in Mecklenburg-Vorpommerns Tourismusorten, zu denen Wismar zählt, ist im Frühjahr vor dem Oberverwaltungsgericht (OVG) in Greifswald erfolgreich von der Gewerkschaft Verdi angegriffen worden. Das Land strebt nun eine Revision beim Bundesverwaltungsgericht an. Das OVG hatte bei seinem Urteil im März keine Revision zugelassen. Dagegen legte die Landesregierung Beschwerde ein. Baden-Württemberg: Freiburg (Europaplatz), Heilbronn, Mannheim, Offenburg, Singen Bayern: Aschaffenburg, Bayreuth, Memmingen, München (Rotkreuzplatz), Würzburg Berlin: Alexanderplatz, Hermannplatz, Kurfürstendamm, Spandau Brandenburg: Potsdam Hamburg: Eimsbüttel Hessen: Bad Homburg, Limburg an der Lahn Mecklenburg-Vorpommern: Wismar Niedersachsen: Braunschweig, Oldenburg Nordrhein-Westfalen: Euskirchen, Kleve, Köln (Breite Straße, Hohe Straße, Nippes), Mülheim (Rhein-Ruhr Zentrum), Münster (Salzstraße) Rheinland-Pfalz: Bad Kreuznach, Koblenz, Mainz, Speyer Sachsen-Anhalt: Magdeburg Kriterien für die Auswahl waren laut Galeria unter anderem die Mietbelastung und Ertragskraft. "Wir werden jeden Standort einzeln und ergebnisoffen betrachten", sagte Geschäftsführer Tilo Hellenbock. Wann Entscheidungen fallen, ließ eine Sprecherin von Galeria offen. Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften, teilte das Unternehmen mit. Da alle Filialen diesbezüglich Optimierungspotenzial hätten, sollen auch an den übrigen 50 Standorten Gespräche mit Vermietern geführt werden. Parallel prüft Galeria auch den Umzug in geeignetere Immobilien und Neueröffnungen. Die angeschlagene Warenhauskette bekam kürzlich eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Die Kreditlinie wird von der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereitgestellt und ist an einen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht. Im Juni wurde bereits bekannt, dass rund 30 der 83 Filialen als gefährdet gelten. Das neue Geld dient unter anderem dazu, einen Kredit des Minderheitsgesellschafters Bain Capital abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen. Mehrere Vermieter beklagten in den vergangenen Monaten, dass Mieten nicht oder nur teilweise gezahlt wurden. Galeria verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, die Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben. Der Konzern, der rund 12.000 Menschen beschäftigt, hatte Anfang 2024 zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz angemeldet. Grund dafür war unter anderem die finanzielle Schieflage des Mutterkonzerns Signa. Im Sommer 2024 wurden neun Standorte geschlossen. Seitdem gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. © dpa-infocom, dpa:260722-930-422811/1