Ostseewal: Kleintierärztin: Abweichungen bei DNA-Proben des Buckelwals

Datum22.07.2026 15:48

Quellewww.zeit.de

TLDRZwei DNA-Proben des Buckelwals "Timmy" zeigen laut Kleintierärztin Kirsten Tönnies auffällige Abweichungen nach Auswertung in einem chinesischen Labor. Dies hat Spekulationen ausgelöst, ob es sich bei den Proben tatsächlich um denselben Wal handelt oder die Proben durch Lagerung in Formalin und verspätete Kühlung beschädigt wurden. Andere Mitglieder der Tierrettungsinitiative widersprechen und identifizieren den tot gestrandeten Wal anhand von Merkmalen und Tracker-Daten eindeutig als "Timmy".

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Ostseewal“. Lesen Sie jetzt „Kleintierärztin: Abweichungen bei DNA-Proben des Buckelwals“. Zwei Gewebeproben des oft Timmy genannten Buckelwals sollen der Kleintierärztin Kirsten Tönnies zufolge von einem chinesischen Labor ausgewertet worden sein. Die Abweichungen seien dabei so groß gewesen, dass die DNA nicht von derselben Tierart stammen könne, sagte Tönnies, die der Initiative zum Transport des Wals angehört hatte, bei einer Pressekonferenz in Hamburg. Den Namen des Labors nenne sie nicht. Andere Mitglieder der Initiative widersprachen der Vermutung direkt, womöglich sei der tote Wal gar nicht Timmy gewesen. Die Tierärztin Anne Herrschaft, die ebenfalls der Initiative angehört hatte, sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie habe keinen Zweifel daran, dass der tot vor der dänischen Insel Anholt angespülte Wal derjenige war, der zuvor von der Ostsee-Insel Poel aus Richtung Nordsee gebracht wurde. "Auch wenn es traurig ist, es ist leider unser Wal." Sie habe das Tier zweieinhalb Wochen jeden Tag gesehen. "Er hat Merkmale, die ich auf Anholt erkannt habe." Zudem sei sie auf Anholt dabeigewesen, als Taucher den Tracker von der Rückenflosse des Wals abnahmen. Hinzu kommt, dass die Daten des von der Initiative angebrachten und ausgewerteten Senders klar zeigten, dass der Wal nach dem Aussetzen wieder Richtung Ostsee schwamm. Kurz vor Anholt erlosch das Signal - ein Tracker sendet nur an der Wasseroberfläche, sinkt das Tier tot auf den Grund, gibt es keine Übertragung mehr. Warum liefert die DNA-Auswertung nun aber angeblich keine klare Bestätigung, dass beide beim Labor eingereichten Proben vom selben Buckelwal stammen? Tönnies gab an, das Labor habe zwei Proben untersucht. Eine sei dem Wal auf der Barge entnommen worden, die andere Probe stamme vom Kadaver des Tiers vor Anholt und sei von jemandem mit nach Deutschland gebracht worden.  Den Angaben zufolge war eine der Proben in Formalin eingelegt - eine wässrige Lösung von Formaldehyd. Solche Fixiermittel führen bei Raumtemperatur zu einem Abbau von DNA, wie unter anderem eine Studie im Fachjournal "Pathology, Research and Practice" zeigte. Geschädigte DNA kann DNA-Abgleiche stark verfälschen. Je länger das Material in Formalin liegt, desto stärker ist meist die Schädigung.  Hinzu kommt, dass die Proben Tönnies zufolge erst spät gekühlt wurden. Für einen DNA-Abgleich ist aber entscheidend, wie die Probe gelagert wurde: Gewebe sollte schnellstmöglich gekühlt, eingefroren oder konserviert werden. Wärme, Feuchtigkeit und Kontamination beschleunigen den Verlust an verwertbarer DNA. Der Buckelwal war am 3. März im Hafen von Wismar gesehen worden. Am 23. März wurde er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt, schwamm einige Tage später weg und strandete mehrfach erneut. Ab dem 31. März lag das schwer geschwächte Tier vor der Insel Poel, bis die Initiative am 28. April mit ihm Richtung Nordsee startete. Etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt wurde es am 2. Mai im Skagerrak ausgesetzt. Knapp zwei Wochen später, am 14. Mai, wurde das Buckelwal-Weibchen tot vor Anholt angespült.  Die Geldgeber der Initiative, Karin Walter-Mommert und Walter Gunz, hatten sich schon im Vorfeld von der Pressekonferenz distanziert. Allein Tönnies saß dort, niemand anderes von der Initiative oder aus dem Labor, kein Experte etwa des Meeresmuseums und niemand aus dem Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns. Auch mit Tierärztin Herrschaft habe sie keinen Austausch mehr, sagte Tönnies. © dpa-infocom, dpa:260722-930-422625/1