Datum22.07.2026 15:29
Quellewww.spiegel.de
TLDREin etwa 150 Jahre alter Grönlandhai wurde in Irland angespült. Dies bietet Forschern eine seltene Gelegenheit, diese tief im arktischen Ozean lebenden Tiere zu untersuchen. Obwohl der 3-Meter-Hai noch jung für seine Art war, sind die genaue Todesursache unklar. Seine Zähne deuten auf eine frisst-was-er-kann-Ernährung hin, aber eine verdrehte Hode und eine ungewöhnliche Milzfärbung lassen Raum für Spekulationen über Krankheit. Weitere Organuntersuchungen sind im Gange.
InhaltGrönlandhaie leben tief in den arktischen Gewässern, Wissenschaftler wissen bis heute kaum etwas über sie. Nun wurde ein totes Tier in Irland angespült. Eine seltene Chance für die Forschung. An Irlands Küsten können Beobachter regelmäßig Riesenhaie entdecken, die Tiere sind in den Gewässern beheimatet. Für die Irish Whale and Dolphin Group muss es also ein Routineeinsatz gewesen sein, als sie im April wegen eines toten Riesenhais an der irischen Küste alarmiert wurde. Dort, am Strand der Grafschaft Sligo, entdeckten die Experten dann allerdings eine Spezies, die nie zuvor in Irland angespült wurde: einen toten Grönlandhai. Das National Museum of Ireland ließ den Hai bergen, um das Tier für die Forschung zu untersuchen. Nun liegen einem Bericht der BBC zufolge erste Erkenntnisse vor, aber eine zentrale Frage bleibt vorerst unbeantwortet. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Gemessen an seiner Körpergröße von drei Metern und seinem Gewicht von 200 Kilogramm sei der Hai um die 150 bis 200 Jahre alt gewesen, heißt es. Er könnte also rund um die Anfänge des Deutschen Kaiserreichs auf die Welt gekommen sein, zur Zeit der britischen Königin Victoria oder von US-Präsident Abraham Lincoln. Für Grönlandhaie sind 150 Jahre ein relativ junges Alter, in der Zeit werden sie nach Expertenangaben gerade geschlechtsreif. Insgesamt können die Tiere 400 bis 500 Jahre alt werden. "Es ist so schade. Dieser Kerl – er hat 150 Jahre gebraucht, um den Punkt zu erreichen, an dem er sich hätte fortpflanzen und dazu beitragen können, den Bestand wieder auf Kurs zu bringen, und vielleicht hatte er gar keine Chance dazu", sagte Emilie De Loose, Meeresbiologin bei der Irish Whale and Dolphin Group, der BBC: "Wir waren alle einfach nur voller Ehrfurcht. Es ist so unfassbar, wenn man bedenkt, wie lange dieses Tier gelebt hat und was es wohl alles gesehen haben mag." Grönlandhaie werden in der Regel vier bis fünf Meter lang und wiegen bis zu 2,5 Tonnen. Sie leben eigentlich Hunderte oder sogar Tausend Meter tief in den kalten arktischen Gewässern des Nordatlantiks. Dadurch sind sie kaum zu beobachten und für Wissenschaftler schwer zu erforschen. In Irland ergibt sich nun die Chance, anhand des angespülten Hais mehr über Grönlandhaie zu lernen. Im Labor untersuchten sie den Hai auf mögliche Wunden oder Schnitte, fanden jedoch keine Verletzungen, die seinen Tod hätten erklären können. Die Forscher entnahmen für weitere Untersuchungen die 50 Kilogramm schwere Leber, das 34 Kilogramm schwere Herz sowie den Magen und Verdauungstrakt des Tieres. Forscherin Jasmine Stavenow Jerremalm erklärte, die Obduktion habe eine Chance geboten, bestimmte Merkmale des Grönlandhais genauer unter die Lupe zu nehmen. So fressen Grönlandhaie etwa Kadaver auf dem Meeresboden. "Er frisst sie, selbst wenn sie verfault sind, ganz gleich in welchem Verwesungsstadium – er nutzt jede Gelegenheit, um zu fressen", sagte die Wissenschaftlerin. Der tote Hai im Labor habe über ideale Werkzeuge für diese Aufgabe verfügt: "Seine Zähne waren ideal dafür geeignet, Stücke von Kadavern abzureißen, denn die oberen Zähne waren gerade und sehr scharf, und die unteren Zähne waren in zwei verschiedene Richtungen gewachsen, fast wie eine Säge. Das ist eine perfekte Anpassung, um Stücke von Kadavern abzubeißen, die er auf dem Meeresboden findet." Unklar bleibt jedoch, woran der angespülte Hai gestorben ist. Einer seiner Hoden sei verdreht gewesen, seine Milz habe eine ungewöhnliche Farbe gehabt, sagte Forscherin De Loose, insgesamt schien das Tier jedoch gesund gewesen zu sein. Womöglich habe der Hai an einer Krankheit gelitten, die nicht offensichtlich zu erkennen sei. Die Untersuchungen der Organe könnten womöglich mehr Erkenntnisse liefern. "Da fragt man sich doch: Was ist passiert?", sagte De Loose: "Es ist traurig, weil er nach unseren Maßstäben alt ist, aber eigentlich hätte er noch einen Großteil seines Lebens vor sich gehabt."