Datum22.07.2026 15:11
Quellewww.spiegel.de
TLDRSamsung hat seine neuen faltbaren Smartphones Flip8, Fold8 und Fold8 Ultra vorgestellt. Die Geräte sind teurer geworden, wobei die Modelle Fold8 und Fold7 zu Preisen ab 1999 bzw. 2199 Euro starten. Das Fold8 bietet ein breiteres Seitenverhältnis für bessere Darstellung von Inhalten. Die Displays beider Fold-Modelle werden durch eine neue Titanfolie stabiler, und die Akkukapazität wurde durch Silizium-Kohlenstoff-Technologie erhöht. Das Flip8 erhält Titanverstärkung und den Exynos 2600 Chip.
InhaltIn Samsungs neuen Klapphandys sollen drei große Neuerungen stecken. Nur eine davon ist von außen erkennbar. Samsung ist Vorreiter im Bereich faltbarer Smartphones. Vor sieben Jahren präsentierte das koreanische Unternehmen mit dem Galaxy Fold das erste sogenannte Foldable. Technische Macken machten die Markteinführung damals zur Stolperpartie für die Firma. Doch von den Schwächen der ersten Generationen ist bei den aktuellen Modellen kaum noch etwas zu spüren (hier unser Test des Fold7). Nur die Preise schmerzten immer. Für das Fold7 etwa musste man bei der Einführung im Sommer 2025 mindestens 2099 Euro investieren. Nun hat der Konzern in London drei neue Modelle seiner Galaxy Z genannten Foldable-Serie präsentiert: das Flip8, das Fold8 und das Fold8 Ultra. Also ein Modell mehr als Samsung bisher im Angebot hatte. Die schlechte Nachricht für Kunden: Die neuen Modelle sind noch teurer. Zwar profitiert Samsung mit seiner Halbleitersparte ordentlich von durch den KI-Hype steigenden Speicherpreisen. Doch arbeiten die verschiedenen Sparten des Konzerns so unabhängig voneinander, dass die Smartphone-Abteilung nun auch höhere Preise an die Speicher-Kollegen zahlen muss. Deshalb werden das Galaxy Z Fold Ultra und das Flip8 jeweils 100 Euro teurer. Sie kosten in der jeweils kleinsten Ausstattung mit 12 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher und 256 GB Speicherplatz 2199 Euro respektive 1299 Euro. Das neue Galaxy Z Fold8 steht ab 1999 Euro auf Samsungs Preisliste. Mehr noch als die Preiserhöhungen fällt Samsungs neue Nomenklatur auf. Das hochkant faltbare Samsung-Smartphone wurde bisher stets als FoldX bezeichnet, wobei das X für die Versionsnummer stand. Das neue Modell jedoch heißt Fold8 Ultra. Seinen bisherigen Namen muss es an das neue, breitere Foldable abgeben, das seinen Einstand als Fold8 gibt. Den Namen Fold8 trägt nun also ein vollkommen neues Modell, das preislich zwischen dem extrateuren Ultra und dem viel günstigeren Flip angesiedelt ist. Ob diese Umbenennung schlau ist, ist fraglich, verwirrend ist sie allemal. Immerhin suggeriert der Zusatz "Ultra", dass die neue Version gegenüber ihrem Vorgänger substanziell aufgewertet worden ist. Dabei ist das Fold8 in mancher Hinsicht das interessanteste Gerät in Samsungs neuem Falt-Portfolio. Mit ihm liefert Samsung ein Format, das mancher Interessent bisher vermisst haben dürfte, denn es ist kürzer und viel breiter als das Fold8 Ultra. Der Innen-Bildschirm hat dadurch das Format 4:3, genau wie alte Fernseher. So kann man darauf Filme im 16:9-Format ohne übermäßig dicke schwarze Balken anschauen, kann Webseiten besser ausnutzen und Texte besser, weil mit weniger Scrollen, lesen. Auch das auf Smartphones nur in Maßen sinnvolle Multitasking mit mehreren Apps gleichzeitig dürfte damit mehr Spaß machen. Der Außenbildschirm hat das Format 16:10, was sich beim Ausprobieren in London etwa beim Lesen von E-Mails als sehr angenehm erwies. Google hat schon vor drei Jahren ein Falt-Smartphone mit einem ähnlichem Format auf den Markt gebracht. Doch das Pixel Fold ist alles andere als sexy (hier unser Testbericht). Aufgeklappt ist das Google 5,8 Millimeter dick, das Fold8 bringt es nur auf schlanke 4,5 Millimeter. Mit 201 Gramm ist es zudem 82 Gramm leichter als das Google-Gerät, was einen deutlich spürbaren Unterschied macht. Samsungs neuer Klappmechanismus soll es zudem leichter aufklappen lassen als seine Vorgänger. Beim Kurztest in London klappte das gut. Die beiden Bildschirme dürften mit einer maximalen Helligkeit von 3000 Nits auch bei Sonne noch gut funktionieren. Beim Ausprobieren machte aber insbesondere die mattierte Oberfläche einen guten Eindruck, weil sie kaum Reflexe zulässt. Was weniger begeistert: Das Fold8 hat nur zwei Kameras, Weitwinkel und Ultraweitwinkel. Das neue Fold8 Ultra wirkt dagegen auf den ersten Blick wie spröde Modellpflege. Wie das Fold7 hat es drei Kameras, nämlich zusätzlich eine Telekamera, so wie es im High-End üblich ist. Und einen fetten 200-Megapixel-Sensor in der Weitwinkelkamera. Wie beim Fold8 dient ihm ein Snapdragon 8 Elite for Galaxy als Antrieb. Und wie beim Fold8 leuchtet der Bildschirm mit maximal 3000 Nits. Dass es ebenfalls ein neues Scharnier hat, erscheint da nur selbstverständlich. Die echten Neuerungen sind laut Samsung unter der Oberfläche verborgen: Unter dem Bildschirm stecken eine Titanplatte sowie eine Titanfolie, die das Falt-Display stabiler machen sollen. Da Titan nicht für Flexibilität, sondern für Stabilität bekannt ist, klingt es erst mal unlogisch, dieses Material in einen biegbaren Bildschirm einzubauen. Doch Samsung hat das spröde Metall gebeugt. Im Gespräch mit Journalisten bezeichnete Samsungs Technologiechef Byung-duk Yang die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem das spröde Metall elastisch gemacht werden kann, als "außerordentlich herausfordernd". Die Lösung: Nach dem Auswalzen des Metalls werden von oben per Laser mikrofeine Löcher in die so entstandenen dünnen Platten "gebohrt". Das Material wird sozusagen perforiert. Von unten werden dagegen etwas größere Löcher in das Material geätzt. Im Ergebnis lässt sich die von Samsung als Platte bezeichnete Folie dadurch biegen. Darüber wird eine Folie geklebt, die aus einer Legierung von Titan mit Chrom, Vanadium und Aluminium besteht. Sie ist laut Samsung nur etwa ein Drittel so dick wie ein menschliches Haar, soll aber eine 20-mal höhere mechanische Steifigkeit aufweisen als der zuvor verwendete Kunststoff. Das Ergebnis: Das Display soll nicht nur unempfindlicher gegen Stöße sein, sondern zudem auch zehn Prozent weniger Raum einnehmen. Raum, den man in einem Smartphone gut für andere Dinge nutzen kann. Etwa eine größere Batterie. Doch zehn Prozent dürften bei dem ohnehin extrem dünnen Bildschirmmodul kaum etwas ausmachen. Dass die Kapazität der Batterie des Fold8 Ultra trotzdem auf stattliche 5000 Milliamperestunden (mAh) angewachsen ist – beim Fold7 waren es 4400 mAh – liegt eher an der veränderten Chemie. Anstelle eines Lithium-Ionen-Akkus baut Samsung in die neuen Foldables Stromspeicher mit Silizium-Kohlenstoff-Technologie ein, die auf demselben Raum mehr Kapazität bieten. Von beiden Neuerungen – Titanfolie und Akkuchemie – profitieren Fold8 und Fold8 Ultra gleichermaßen. So kommt das Fold8 trotz schlanker Abmessungen auf eine Akkukapazität von stattlichen 4800 mAh. Von der verbesserten Batterietechnik profitiert auch das neue Flip8, doch ansonsten bleibt es von einigen Neuerungen ausgespart. So wird sein Bildschirm nicht mit Titan verstärkt und als Antrieb wird statt des Snapdragon-Chips ein Samsung Exynos 2600 eingebaut. Natürlich verspricht Samsung auch für diesen Chip Höchstleistung, doch ob er dieses Versprechen einhalten kann, bleibt abzuwarten. Für Kundinnen und Kunden des Flip8 dürfte die Chip-Leistung ohnehin ein nachrangiges Kriterium sein. Wichtiger dürften bei diesem Modell der Look und der Preis sein. Aufgrund seiner Klapphandy-Form lässt sich das Flip8 auch in kleinen Taschen verstauen, fällt mit Farben wie einem knalligen Pink und Minzgrün gut ins Auge, wenn man es hervorholt. Ein bemerkenswertes Detail, das Stammkunden ärgern könnte: Anders als in früheren Jahren spendiert Samsung Vorbestellern seiner neuen Smartphones keinen doppelten Speicher mehr. Stattdessen gibt es ein Sechsmonats-Abo für Google-KI-Angebot Google AI Pro als Dreingabe.