Verbraucherschützer: Digitales Trinkgeld in Kritik - Verbraucherzentrale reagiert

Datum22.07.2026 14:13

Quellewww.zeit.de

TLDRVerbraucherschützer kritisieren digitale Trinkgeld-Optionen an Bezahlterminals, da diese durch voreingestellte hohe Prozentsätze und das Kaschieren der Null-Prozent-Option manipulativ "Dark Patterns" darstellen. Dieses Vorgehen wurde bereits abgemahnt. Des Weiteren bemängelt die Verbraucherzentrale unnötige Produkte wie zuckerreichen Kinder-Ketchup und unklare Herkunftsangaben bei Wurstprodukten.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Verbraucherschützer“. Lesen Sie jetzt „Digitales Trinkgeld in Kritik - Verbraucherzentrale reagiert“. Wer früher an der Cafétheke ein paar Cent Trinkgeld in einen Becher warf, steht heute oft vor einem kleinen Bildschirm mit voreingestellten Prozentsätzen. Die Null-Prozent-Option, also kein Trinkgeld, ist dabei schwerer oder auch gar nicht zu finden, wie Verbraucherschützer kritisieren.  In Brandenburg hat die Verbraucherzentrale einen Betreiber von Café-Filialen deshalb bereits abgemahnt, wie Vorstand Christian A. Rumpke sagte. Er stellte in Potsdam gemeinsam mit Verbraucherschutzministerin Hanka Mittelstädt (SPD) den Jahresbericht 2025 vor.  Wenn die Warteschlange an der Theke lang sei, entstehe ein gewisser Druck, sagte Rumpke. "Und dann drücken Sie mal schnell auf 15 oder 20 Prozent, weil Sie neigen ja zur Mitte."  Die Auswahlfelder auf Bezahlterminals sind oft bis 30 Prozent gestaffelt. Es sollte aber gleichwertig auch die Option auswählbar sein, kein Trinkgeld zu zahlen, so Rumpke.   "Wir geben alle gerne Trinkgeld, aber es muss freiwillig kommen und darf sozusagen nicht durch solche Muster beeinflusst sein." Er sprach von "Dark Patterns", gemeint sind damit manipulative Designgestaltungen. Automatische Trinkgeld-Aufforderungen per Bezahlterminal tauchen Rumpke zufolge inzwischen aber auch in völlig unerwarteten Branchen auf - etwa beim Schuhkauf. Bei einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gab mehr als die Hälfte der Befragten an, digitale Auswahlfelder fürs Trinkgeld "schlecht" oder "eher schlecht" zu finden. Knapp ein Drittel hält die Auswahloptionen für "gut" beziehungsweise "eher gut".  In Sachen Ernährung stieß die Verbraucherzentrale auf ihrer Ansicht nach unnütze Produkte. Ein Kinder-Ketchup eines brandenburgischen Herstellers etwa enthalte mehr Zucker als die Erwachsenen-Variante. Auch auf spezielles "Babywasser" stießen die Verbraucherschützer - mit dem Zusatz, dass kein Abkochen nötig sei. Rumpke dazu: "Das sind einfach Produkte, die die Welt nicht braucht." Zudem mahnte die Verbraucherzentrale den Hersteller der "Eberswalder Wurst" ab, weil bei Produkten der Herkunftsort unklar bleibe, obwohl "Eberswalder" draufstehe. Die Wurst wird seit der Schließung des Werks in Britz bei Eberswalde nicht mehr in Brandenburg hergestellt. Die weitere Nutzung des Namens "Eberswalder" löste bereits viel Streit aus.  Die Verbraucherzentrale Brandenburg führte im vergangenen Jahr 9.500 individuelle Beratungen für Bürgerinnen und Bürger durch. Ein Schwerpunkt dabei ist der Bereich Energie und Wohnen. Es ging unter anderem um fehlerhafte Strom- und Gasrechnungen oder untergeschobene Verträge. Ministerin Mittelstädt sagte: "Gerade in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten und immer komplexerer Angebote brauchen Verbraucherinnen und Verbraucher eine starke, unabhängige Anlaufstelle." © dpa-infocom, dpa:260722-930-422063/1