Bilanz Landwirtschaft 2026: Ernte mit zwei Gesichtern - «Gute Erträge, niedrige Preise»

Datum22.07.2026 12:45

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Ernte 2026 in Rheinland-Pfalz fällt trotz Trockenheit gut aus, besonders bei Wintergerste, Weizen und Raps. Allerdings leiden Landwirte unter niedrigen Erzeugerpreisen, die im Kontrast zu stark gestiegenen Kosten für Treibstoff, Dünger und Arbeit stehen. Dies führt zu wirtschaftlicher Anspannung trotz guter Erträge und Qualitäten. Die Verbände fordern faire Wettbewerbsbedingungen und politische Stabilität.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Bilanz Landwirtschaft 2026“. Lesen Sie jetzt „Ernte mit zwei Gesichtern - "Gute Erträge, niedrige Preise"“. Trotz eines ungewöhnlich heißen und trockenen Jahres fällt die aktuelle Ernte in Rheinland-Pfalz besser aus als zunächst befürchtet. Vor allem Wintergerste, Winterweizen und Raps erzielten gute bis sehr gute Erträge. Das sagten der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau, Marco Weber, und der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, Eberhard Hartel, in der ersten gemeinsamen Erntepressekonferenz in Badem (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Gleichzeitig gerieten Betriebe unter Druck: Niedrige Erzeugerpreise stünden deutlich gestiegene Kosten für Treibstoff, Dünger und Arbeit gegenüber. Das Frühjahr sei mit durchschnittlich 10,8 Grad rund 2,7 Grad wärmer als im langjährigen Mittel gewesen. Seit Februar blieb der Niederschlag in jedem Monat demnach unterdurchschnittlich. Hitze und Trockenheit beschleunigten den Reifeprozess. Das habe die Erfassung durch den Landhandel erschwert und mit niedrigen Erzeugerpreisen teilweise zu Hoflagerungen geführt. Besonders erfreulich zeigte sich die Wintergerste - sie konnte von der Winterfeuchte profitieren. Dem guten Ertrag stünden jedoch schwache Preise gegenüber, hieß es. Beim Winterweizen, mit rund 106.000 Hektar die wichtigste Marktfrucht des Landes, falle die Bilanz überwiegend positiv aus: Je nach Region würden sieben bis zehn Tonnen je Hektar erwartet. Roggen hingegen werde bei Preisen um 150 Euro je Tonne zunehmend zum Nischenprodukt. Sehr erfreulich entwickele sich der Raps. Die Anbaufläche sei um sieben Prozent auf rund 46.000 Hektar gestiegen. Die trockene Witterung hielt demnach Unkräuter, Pilzkrankheiten und Schädlinge weitgehend zurück. Sorge bereite dagegen der Mais. Seine Entwicklung sei regional extrem unterschiedlich. Auch Kartoffeln litten unter der Hitze. Im Weinbau seien die Reben weit entwickelt, im Obstbau ergebe sich ein gemischtes Bild. Weber und Hartelt zogen eine zwiespältige Bilanz. Auf vielen Flächen stimmten Erträge und Qualitäten, doch die wirtschaftliche Lage bleibe angespannt, sagten die beiden Verbandspräsidenten. "Gute Erträge treffen auf niedrige Preise." Stark gestiegene Betriebsmittel- und Lohnkosten stünden Erzeugerpreise gegenüber, die zum Teil auf dem Niveau von 2020 lägen. Notwendig seien faire Wettbewerbsbedingungen, verlässliche politische Rahmenbedingungen - und eine stärkere Marktposition heimischer Betriebe. © dpa-infocom, dpa:260722-930-421474/1