Datum22.07.2026 09:52
Quellewww.zeit.de
TLDRBrandenburgs Gesundheitsminister René Wilke unterstützt die Schließung von Krankenhausangeboten, wie in Potsdam, als Notwendigkeit zur langfristigen Qualitätssicherung. Er betont, dass die Maßnahmen im Einklang mit der Krankenhausreform stünden. Trotz Protesten hält er weitere Schließungen oder Fusionen für möglich, verspricht jedoch, die Grund- und Notfallversorgung zu erhalten. Kritik äußert er am Bund wegen dessen Sparpolitik.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Krankenhausreform“. Lesen Sie jetzt „Minister hält weitere Schließungen bei Kliniken für möglich“. Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke (SPD) hält die Schließung von Krankenhausangeboten wie in Potsdam für richtig und notwendig. "Auch das, was in Potsdam gerade passiert, ist bei allen individuellen Schmerzen in der Sache richtig. Es wird Qualität langfristig sichern und verbessern", sagte Wilke dem "Nordkurier" (Print/Mittwoch) und dem "Tagesspiegel" (Online/Dienstag). "Und es passiert auch nur, weil mein Ministerium und auch ich selbst es grundsätzlich richtig finden und es in die Kriterien der Umsetzung der Krankenhausreform passt." Die beiden großen Potsdamer Krankenhäuser hatten die Schließung von Angeboten angekündigt. Das Klinikum Ernst von Bergmann will Orthopädie und Gefäßchirurgie ab August nicht mehr anbieten, das Alexianer St. Josefs-Krankenhaus schließt Neurologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Weil Personal fehlte, stellte die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Josefs-Krankenhaus bereits die Arbeit ein. Beide Häuser geben die Krankenhausreform als Grund an, sie wollen die Leistungen nicht mehr parallel anbieten. Mehrere hundert Menschen hatten in Potsdam in der vergangenen Woche gegen Sparmaßnahmen und Schließungen in Krankenhäusern demonstriert. "Als Ministerium sind wir in solche Vorgänge frühzeitig eingebunden", sagte der Minister. Die Versorgung dürfe jedoch nicht gefährdet werden. "Auch Stationen, die geschlossen werden sollen, müssen bis zum Ende funktionieren", sagte Wilke auch mit Blick auf die Geburtshilfe im St. Josefs. Auf die Frage, ob auch künftig Stationsschließungen und Krankenhausfusionen ohne Vorwarnung kommuniziert werden könnten, sagte der Minister: "Das kann ich nicht ausschließen." Seine Erwartung sei, dass geeignete Alternativen der Versorgung vorbereitet und Beschäftigte und ihre Vertretungen einbezogen werden. Wilke sagte zu: "Wir wollen im Land Brandenburg langfristig alle Krankenhausstandorte erhalten. Manche müssen und werden andere Funktionen bekommen. Die Grund- und Notfallversorgung wird es auch weiterhin in guter Erreichbarkeit geben." Die Krankenhausreform soll Kosten senken und die Qualität der Versorgung erhöhen. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow hatte angekündigt, Ende Juli zuzumachen. Das Krankenhaus in Wittstock soll Anfang 2027 schließen, die Rettungswache soll aber bleiben und eine Poliklinik ist geplant. Der Gesundheitsminister kritisierte den Bund wegen des Sparpakets für die gesetzlichen Kassen. "Wenn es vorher keine Konsultation, keine Beteiligung und keinen fachlichen Diskurs mit den Ländern gibt, gibt es natürlich auch keinerlei Bindungskraft, was Absprachen betrifft", sagte er. © dpa-infocom, dpa:260722-930-420348/1