Jugendämter: Kindeswohl: Meldungen steigen, Inobhutnahmen sinken

Datum22.07.2026 06:00

Quellewww.zeit.de

TLDRIn Brandenburg sind die Meldungen über Kindeswohlgefährdung gestiegen, während gleichzeitig die Inobhutnahmen von Kindern gesunken sind. Das Ministerium führt dies auf eine erhöhte Sensibilisierung der Gesellschaft für Kinderschutz zurück. Mehr Meldungen ermöglichen eine frühere Unterstützung. Obwohl die Gesamtzahl der Prüfverfahren zunahm, wurde in den meisten Fällen keine akute Kindeswohlgefährdung festgestellt. Präventive Maßnahmen und die Einrichtung von Kinderschutzambulanzen scheinen zu wirken.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Jugendämter“. Lesen Sie jetzt „Kindeswohl: Meldungen steigen, Inobhutnahmen sinken“. Trotz mehr Prüfungen wegen Kindeswohlgefährdung sind in Brandenburg in den vergangenen zwei Jahren weniger Kinder von ihren Eltern getrennt worden. Das Bildungs- und Jugendministerium sieht eine stärkere Sensibilisierung für den Kinderschutz, so dass Beobachtungen häufiger an Jugendämter gemeldet werden. Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg gab es im vergangenen Jahr 1.753 Inobhutnahmen. Das ist eine vorläufige Schutzmaßnahme der Jugendämter wegen einer Kindeswohlgefährdung. 2024 waren es noch 2.069 Inobhutnahmen. In den Jahren 2000 bis 2023 wurde dagegen ein Anstieg registriert.  Diese Kinder und Jugendlichen leben dann etwa in Jugendhilfe-Einrichtungen und Wohngruppen oder bei einer Pflegefamilie. Die Plätze können knapp werden.  Die Zahl der Kinderschutz-Verfahren insgesamt ist bei den Jugendämtern in Brandenburg gestiegen. Dies sei nicht nur als negativ zu beurteilen, so das Jugendministerium. Es sei zu erkennen, dass Menschen aufmerksamer geworden seien und Anzeichen meldeten. So könnten die Jugendämter Unterstützung geben. "Die Zahl der Meldungen von Kindeswohlgefährdungen steigt weiter an - Ursache sind vor allem eine Sensibilisierung der Gesellschaft, eine Aufhellung des Dunkelfeldes, Krisen und Überforderung", sagte Minister Gordon Hoffmann (CDU).  In einer Vielzahl von Überprüfungen wird letztlich keine Kindeswohlgefährdung festgestellt, wie aus den Zahlen der Statistik-Behörde hervorgeht. Es gab insgesamt 10.857 Verfahren zur Einschätzung einer Gefährdung - ein Anstieg von 27,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Meist ging es um Vernachlässigung, aber auch um psychische und körperliche Misshandlungen. Bei 16 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen stellten die Behörden eine akute Kindeswohlgefährdung fest. In 65 Prozent dieser Verfahren wurde dagegen am Ende keine Gefährdung gesehen, wie es hieß.  "Insbesondere die Zahlen der akuten Kindeswohlgefährdungen und der vorläufigen Schutzmaßnahmen sind rückläufig. Das zeigt unter anderem, dass präventive Maßnahmen wirken und Familien Unterstützung in Anspruch nehmen", sagte Jugendminister Hoffmann.  Als letztes Bundesland hat Brandenburg inzwischen auch Kinderschutzambulanzen eingerichtet. Wenn Kinder womöglich misshandelt oder missbraucht worden sind, können sie dort in einem geschützten Raum untersucht werden. © dpa-infocom, dpa:260722-930-419585/1