Türkei: Deutsche-Welle-Journalist Uludağ erneut festgenommen

Datum21.07.2026 20:11

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Deutsche-Welle-Journalist Alican Uludağ wurde in der Türkei erneut festgenommen. Grund sind kritische Online-Äußerungen zur Justiz. Zuvor saß Uludağ

InhaltWegen angeblicher Präsidentenbeleidigung saß Alican Uludağ in diesem Jahr schon mehrere Monate in U-Haft. Nun erhebt die türkische Justiz neue Vorwürfe gegen den Deutsche-Welle-Reporter – führt diese aber nicht weiter aus. Erst vor rund zwei Monaten wurde der türkische Reporter der Deutschen Welle Alican Uludağ aus der Untersuchungshaft entlassen – nun ist er in der Türkei erneut wegen kritischer Kommentare in sozialen Medien inhaftiert worden. "Ich werde festgenommen", schrieb Alican Uludağ im Onlinedienst X. Wie sein Anwalt der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, wurde der Journalist am Nachmittag in Gewahrsam genommen und zur Staatsanwaltschaft in Ankara gebracht. Grund für seine Festnahme seien Ermittlungen gegen ihn nach einem Beitrag auf der Plattform X, in dem sich Uludağ kritisch über die türkische Justiz geäußert hatte. Die Staatsanwaltschaft in Ankara teilte mit, sie habe Ermittlungen wegen Beiträgen im Internet aufgenommen, die zu "öffentlichem Hass und Feindseligkeit" anstachelten und in denen Falschinformationen verbreitet worden seien. Um welche Kommentare es bei den neuen Vorwürfen genau geht, teilte die Staatsanwaltschaft allerdings nicht. Der Journalist hatte zuletzt zahlreiche regierungskritische Beiträge geteilt. Der in Ankara ansässige Journalist war bereits im Februar wegen "Beleidigung des Präsidenten" festgenommen worden und hatte anschließend rund 90 Tage im berüchtigten Gefängnis Silivri nahe Istanbul verbracht. Laut der Deutschen Welle wird gegen Uludağ nun "mit neuen Vorwürfen in einem weiteren Verfahren ermittelt". Intendantin Barbara Massing nannte die Festnahme "zutiefst besorgniserregend" und erklärte, journalistische Arbeit dürfe nicht kriminalisiert werden. "Wir erwarten, dass seine Rechte uneingeschränkt gewahrt werden, und fordern auch hier ein rechtsstaatliches und faires Verfahren." In dem früheren Verfahren, das weiter läuft, hatte die türkische Justiz ebenfalls wegen "Verbreitung von Falschinformationen" sowie "öffentlicher Herabwürdigung von Justizeinrichtungen" gegen Uludağ ermittelt. Die Vorwürfe gingen offenbar auf einen Beitrag im Internet zurück, in dem der Journalist der Deutschen Welle zufolge Kritik an der Freilassung mutmaßlicher Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) geübt hatte. Außerdem hatte er der türkischen Regierung Korruption vorgeworfen. Die Bundesregierung und Menschenrechtsorganisationen hatten damals seine Freilassung gefordert. Im Mai ordnete ein Gericht dann Uludağ Entlassung an, die Anklage wurde allerdings aufrechterhalten. Laut Deutscher Welle ist der Gerichtstermin in diesem Verfahren für den 18. September angesetzt. Wie Uludağ sind in den vergangenen Jahren in der Türkei Zehntausende Menschen wegen "Beleidigung des Präsidenten" oder ähnlicher Delikte strafrechtlich verfolgt worden – häufig aufgrund von Beiträgen im Internet. Der Deutschen Welle zufolge ist Uludağ seit mehreren Jahren in der Türkei für den Sender tätig. Als Gerichtsreporter berichtete er demnach über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse und erreicht mit seinen Berichten eine breite Öffentlichkeit.