Energie-Importe: Deutschland will mehr Öl und Gas aus Aserbaidschan importieren

Datum21.07.2026 15:47

Quellewww.zeit.de

TLDRDeutschland plant, die Energieimporte aus Aserbaidschan zu erhöhen. Kanzler Friedrich Merz erörterte mit Präsident Ilham Alijew die Möglichkeit größerer Gas- und Öl-Lieferungen. Aserbaidschan ist bereit, mehr Gas zu liefern, benötigt dafür aber erweiterte Infrastruktur und Anfragen über den bestehenden Vertrag hinaus. Deutschland strebt eine Diversifizierung der Energiequellen an, auch durch Wasserstofflieferungen. Der Ausbau der Beziehungen ist angesichts der autoritären Herrschaft Alijews und der Eroberung Bergkarabachs umstritten.

InhaltFriedrich Merz spricht mit Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew über eine Erhöhung der Gas-Importe. Derzeit decken sie nur einen Bruchteil des deutschen Verbrauchs. Deutschland will deutlich mehr Gas und Öl aus Aserbaidschan importieren. Das sagte Bundeskanzler Friedrich Merz nach einem Treffen mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew im Kanzleramt in Berlin. Mit ihm habe er "die Möglichkeiten für einen noch größeren Bezug von Gas aus Aserbaidschan erörtert", sagte Merz.  Alijew zufolge ist Aserbaidschan bereit, seine Gaslieferungen deutlich zu erhöhen. Allerdings seien dafür Anfragen über den bestehenden zehnjährigen Vertrag hinaus nötig, der die Lieferung von 1,5 Milliarden Kubikmetern Gas pro Jahr vorstehe. Zudem müsse die Infrastruktur ausgebaut werden, um höhere Mengen liefern zu können. Aserbaidschan liefert seit Anfang des Jahres Gas nach Deutschland. Die von Alijew genannte Menge deckt nur einen Bruchteil des deutschen Verbrauchs: Dieser lag im vergangenen Jahr bei 845 Terrawattstunden. 1,5 Milliarden Kubikmeter entsprechen ungefähr 15 Terrawattstunden und damit weniger als zwei Prozent des deutschen Verbrauchs.  Die EU hatte bereits 2022 mit Aserbaidschan eine Ausweitung der Lieferungen vereinbart – damals vor dem Hintergrund des damals gerade begonnenen russischen Krieges gegen die Ukraine. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte damals an, den Import von 8,1 Milliarden Kubikmetern pro Jahr binnen weniger Jahre auf 20 Milliarden Kubikmeter jährlich erhöhen zu wollen.  Bereits 2023 sollten es den damaligen Plänen zufolge zwölf Milliarden Kubikmeter im Jahr sein. Das Ziel wurde verfehlt: 2025 wurden 11,3 Milliarden Kubikmeter aserbaidschanisches Gas in die EU geliefert, das entspricht knapp vier Prozent der EU-Importe.  Merz sagte nach seinem Treffen mit Alijew, auch Öllieferungen aus der Region könnten für Deutschland wichtig sein. Das gelte insbesondere für den Süden Deutschlands, weil die Infrastruktur bis dorthin bereits ausgebaut sei oder ausgebaut werden könne. Die Energieimporte aus Aserbaidschan sollen dem Kanzler zufolge diversifiziert werden und künftig etwa auch Wasserstoff umfassen.  Aserbaidschan bezieht einen Großteil seiner Staatseinnahmen aus dem Export von Öl und Gas. Für die EU wurde das Land dabei wichtiger, nachdem der Import von Gas aus Russland nach Kriegsbeginn gegen die Ukraine zum Erliegen kam.  Der Ausbau der Geschäftsbeziehungen mit Aserbaidschan ist dabei umstritten: Alijew regiert autoritär, zudem hat Aserbaidschan 2023 die Region Bergkarabach erobert. Diese gehört völkerrechtlich zu dem Land, wurde aber mehrheitlich von Armeniern bewohnt.  Das aserbaidschanische Vorgehen gegenüber Armenien, darunter die Vertreibung zehntausender Menschen aus dem Gebiet, wurde international kritisiert. Die beiden Länder verständigten sich 2025 auf ein Ende der Kämpfe. Merz sprach beim Treffen mit Alijew von einem "historischen Vertrag", der die Region stabilisieren und mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit ermöglichen könne.