Datum21.07.2026 15:51
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie EU stoppt die Förderung der Kunstbiennale in Venedig mit zwei Millionen Euro wegen der umstrittenen Teilnahme Russlands. Die Entscheidung basiert auf dem Ausbleiben demokratischer Werte in Russland und dem Wunsch, diese nicht mit Steuergeldern zu unterstützen. Russland nimmt nach Beginn der Ukraine-Invasion erstmals wieder teil, was international auf Kritik stößt. Die Biennale verzeichnet trotz Kontroverse hohe Besucherzahlen.
InhaltTrotz scharfer Kritik darf Russland erstmals seit 2022 wieder an der Biennale teilnehmen. Moskau freut sich bereits über die Rückkehr in die Kunstwelt, die EU-Kommission zieht aus der Entscheidung nun Konsequenzen. Die EU stoppt die Förderung der Kunstbiennale von Venedig wegen der umstrittenen Teilnahme Russlands. Die Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur (EACEA) habe nach der rechtlichen Bewertung und Empfehlung der EU-Kommission beschlossen, den laufenden, mit zwei Millionen Euro dotierten Zuschuss an die Fondazione La Biennale di Venezia zu beenden, teilte ein Kommissionssprecher in Brüssel mit. "Kulturvorhaben, die mit europäischen Steuergeldern finanziert werden, sollten demokratische Werte wahren sowie offenen Dialog, Vielfalt und Meinungsfreiheit fördern – Werte, die im heutigen Russland nicht geachtet werden", erläuterte der Sprecher. Die Kunstbiennale in Venedig zählt zu den wichtigsten internationalen Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Mit dem Zuschuss half die EU bei der Unterstützung von Filmproduzenten und immersiver Technik. Die Europäische Exekutivagentur für Bildung und Kultur verwaltet Mittel für Bildung, Kultur, audiovisuelle Medien, Sport, Bürgerbeteiligung und Freiwilligenarbeit. Russland nimmt erstmals seit Beginn seiner Invasion in der Ukraine an der Kunstbiennale teil. Rund 50 vom russischen Staat handverlesene Künstler, darunter Musiker, Dichter und Philosophen, arbeiteten an dem Musik- und Performanceprojekt "Der Baum ist im Himmel verwurzelt". Zwar bleibt der Pavillon, der Eigentum des russischen Staates ist, für ein breites Publikum geschlossen. Besucher sehen aber draußen die Installation auf einem großen Bildschirm. Russland sieht die Teilnahme als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen. Schon nach der Ankündigung hatte es Kritik gegeben. Verurteilt wurde die russische Kulturoffensive als Teil von Moskaus "hybrider Kriegsführung". Die Ukraine protestierte gegen Russlands Teilnahme, auch weil im Zuge des Moskauer Krieges nach offiziellen Angaben Kyjiws mittlerweile Tausende Kulturdenkmäler und andere kulturelle Einrichtungen zerstört oder beschädigt wurden. Außenminister Andrij Sybiha und Kulturministerin Tetjana Bereschna gaben an, dass die designierte Leiterin des russischen Pavillons Kontakte zur Rüstungsindustrie ihres Landes habe. Mitglieder der EU-Kommission hatten im März angekündigt, man werde die Aussetzung oder Beendigung des laufenden EU-Zuschusses an die Biennale-Stiftung prüfen. "Diese Entscheidung der Fondazione Biennale ist nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die brutale Aggression Russlands", kritisierten Glenn Micallef und Henna Virkkunen. Ungeachtet der Kontroverse liegen die Besucherzahlen nach Schätzungen bislang deutlich höher als 2024. Die italienische Nachrichtenagentur Adnkronos berichtete Mitte Juli unter Berufung auf Quellen in Venedig von einem Besucherplus von 20 Prozent. Vor vielen nationalen Pavillons gebe es Schlangen. Sollte sich der Trend fortsetzen, würde die aktuelle Ausgabe zur bestbesuchten Kunstbiennale ihrer mehr als 125-jährigen Geschichte. Die Ausstellung dauert noch bis zum 22. November.