Hacker legt offenbar gesamten Immobilienmarkt Rumäniens lahm

Datum21.07.2026 14:18

Quellewww.spiegel.de

TLDREin Hacker hat offenbar die gesamte Grundbuchdatenbank Rumäniens gelöscht. Dies blockiert sämtliche Immobilientransaktionen, da Notare keine Verkäufe mehr beglaubigen oder Hypotheken eintragen können. Die Katasterbehörde ANCPI spricht von einem "Cybersicherheitsvorfall", will aber über Backups verfügen. Ein algerischer Cyberkrimineller namens "ByteToBreach" soll hinter dem Angriff stecken. Die Wiederherstellung der Dienste wird einige Zeit in Anspruch nehmen.

InhaltEin Cyberkrimineller hat anscheinend die gesamte Grundbuchdatenbank Rumäniens gelöscht. Für Immobilenkäufer und Notare hat der Angriff weitreichende Folgen. In Rumänien hat ein krimineller Hacker offenbar den Immobilienmarkt des Landes zum Stillstand gebracht. Wie das Onlinemedium "Risky Business"  berichtet, soll sich der Hacker digital Zutritt zur rumänischen Katasterbehörde ANCPI (Agenția Națională de Cadastru și Publicitate Imobiliară) verschafft haben. Anschließend soll er versucht haben, die Behörde mit erbeuteten Daten zu erpressen. Als das scheiterte, soll er die gesamte Grundbuchdatenbank des Landes gelöscht haben. Der Hack hat in den vergangenen Tagen offenbar weitreichende Folgen, da offizielle Apps und Webseiten der ANCPI nicht erreichbar waren. "Der Angriff legte alle Immobilientransaktionen lahm und hinderte Notare landesweit daran, Verkäufe zu beglaubigen oder Hypotheken einzutragen", fasst die Seite "Cybernews" es zusammen . Demnach könnten Notare seit einer Woche keine neuen Transaktionen eintragen und Bürgerinnen und Bürger Dokumente wie Grundbuchauszüge nicht erhalten. Eine Notarin machte ihren Unmut öffentlich : "Ich bin Notarin. Seit Dienstag kann ich keine Grundbuchauszüge mehr ausstellen, keine Verkäufe mehr beglaubigen und keine Hypotheken mehr eintragen." Rumänische Zeitungen berichteten, dass Notare ohne Grundbuchauszug teils keine Transaktionen mehr beurkunden und Banken keine Hypothekendarlehen mehr vergeben können. In Berichten ist deshalb die Rede davon, dass der Immobilienmarkt eingefroren oder blockiert sei. Für Bürger ist die Lage deshalb besonders problematisch, weil ab dem 31.7. eine Steuererhöhung bei Hauskäufen greifen soll und viele Neubaukäufe laut Berichten so geplant waren, dass sie vor diesem Stichtag abgeschlossen werden. Die ANCPI-Dienste funktionieren laut rumänischen Medien seit dem 14. Juli nicht mehr. Laut "Risky Business" soll der Hacker am Donnerstag begonnen haben, Daten zu löschen. Einen Tag später soll er versucht haben, gestohlene Daten wie interne Dokumente und Mitarbeiterdaten der ANCPI in einem Forum zu verkaufen. Die Behörde hatte zunächst in einer Pressemitteilung von technischen Problemen gesprochen, erklärte aber schließlich, dass sie gehackt wurde und spricht inzwischen von einem "Cybersicherheitsvorfall". Die ANCPI soll nach eigenen Angaben über Sicherungskopien der gelöschten Daten verfügen, die sie nun versucht wiederherzustellen. In einer aktuellen Stellungnahme  erklärt die Behörde, dass sie zunächst die ANCPI-Anwendungen wieder in die Regierungscloud migriert, der Prozess soll bis Mittwoch dauern. Danach sollen die Daten von den zuständigen Behörden geprüft werden, erst nach dieser Auswertung könne die Behörde mitteilen, wann sie ihren Betrieb wieder aufnehmen könne. Die ANCPI weist in ihrer Erklärung auch darauf hin, "dass die in der Öffentlichkeit verbreiteten Informationen über die angeblichen Folgen des Cyberangriffs nicht aus offiziellen Quellen stammen und weder der Realität noch dem aktuellen Stand der Ermittlungen entsprechen." Eine kurzfristige Anfrage des SPIEGEL blieb bis zur Veröffentlichung unbeantwortet. Gleichzeitig spricht die Behörde von "vorübergehenden Unannehmlichkeiten durch die Nichtverfügbarkeit von Diensten" in einer Stellungnahme auf ihrer Website. Hinter dem Angriff soll laut "Cybernews" ein Darknet-Account mit dem Namen "ByteToBreach" stecken, der zu Beginn des Jahres bereits ein schwedisches Regierungsportal gehackt haben soll. Laut dem Cybersicherheitsunternehmen KELA soll hinter dem Konto ein Krimineller stecken, der in Algerien lebt. Die IT-Experten bezeichneten ihn als "technisch versierten Cyberkriminellen, der sensible globale Daten von Fluggesellschaften, Banken und Regierungen verkauft".