Datum21.07.2026 14:08
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Thüringen ist die Rate registrierter Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch im Bundesvergleich hoch. Laut BKA-Bericht gab es 2025 in Thüringen 25,9 Fälle pro 100.000 Einwohner, über dem Bundesschnitt von 20,5. Auch bei Jugendlichen lag Thüringen mit 2,2 Fällen je 100.000 Einwohner über dem bundesweiten Durchschnitt. Die Zahlen basieren auf dem polizeilichen Hellfeld und zeigen eine Zunahme gegenüber dem Vorjahr.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Missbrauchsbericht“. Lesen Sie jetzt „Thüringen bei sexuellem Kindesmissbrauch über Bundesschnitt“. Die Zahl der registrierten Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs im vergangenen Jahr ist im Ländervergleich in Thüringen besonders hoch. Wie aus dem Bundeslagebild "Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen" des Bundeskriminalamts (BKA) hervorgeht, registrierte die Polizei 2025 im Freistaat je 100.000 Einwohner 25,9 Fälle von Missbrauch an Kindern - im Bundesschnitt waren es 20,5 Fälle. Mehr Fälle pro 100.000 Einwohner gab es nur in Bremen (27,9) und in Berlin (27,5). Im Vergleich zu 2024 stieg die Zahl der registrierten Fälle sexuellen Missbrauchs in Thüringen bei Kindern um 100 auf 543 Fälle. Als Kinder gelten strafrechtlich Menschen unter 14 Jahren. Bei den Jugendlichen wurden in Thüringen für 2025 46 Fälle gezählt - sechs mehr als im Vorjahr. Auch hier lag Thüringen gemessen an der Zahl je 100.000 Einwohnern mit 2,2 Fällen über dem Bundesschnitt (1,5). Lediglich in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt gab es etwas mehr (2,3). Im vergangenen Jahr zählte die Polizei in ganz Deutschland demnach 17.126 Fälle. Das waren rund 1.600 mehr als noch im Jahr 2021. Im Vergleich zu 2024 stieg die Zahl der Fälle im vergangenen Jahr um 772. Die Ermittlungen ergaben erneut, dass in mehr als der Hälfte der Fälle zwischen Opfern und Tatverdächtigen eine Vorbeziehung bestand. Bei Jugendlichen stieg die Zahl von 1.191 auf 1.239 Fälle. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), BKA-Chef Holger Münch und die Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Kerstin Claus, legten die Zahlen in Berlin vor. Das Bundeslagebild basiert auf Daten der bereits veröffentlichten polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) und nimmt besonders die Bereiche sexueller Missbrauch, Missbrauchsdarstellungen (Kinderpornografie) und sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen in den Blick. Die Statistik spiegelt nur die der Polizei bekanntgewordenen und durch sie bearbeiteten Straftaten wider - das sogenannte Hellfeld - einschließlich sogenannter Versuchstaten. Die Zahlen sind daher auch vom Anzeigeverhalten beeinflusst. "Neben dem in diesem Lagebild dargestellten polizeilichen Hellfeld ist von einem erheblichen Dunkelfeld auszugehen", heißt es in dem Bericht. © dpa-infocom, dpa:260721-930-416802/1