Datum21.07.2026 12:01
Quellewww.spiegel.de
TLDRTschechiens Zentralbankchef Ales Michl warnt vor einer vorschnellen Euro-Einführung. Er argumentiert, die Wirtschaft sei noch nicht bereit und ein Beitritt könnte Inflation anheizen. Michl kritisiert sowohl Präsident Pavel, der für den Euro ist, als auch Premierminister Babis wegen seiner Forderung nach Zinssenkungen, die er als gefährlich für die Preisstabilität ansieht. Michl bevorzugt eine flexible Währung und sieht in der Kronenaufwertung ein Mittel zur Inflationsbekämpfung.
InhaltFührt Tschechien bald den Euro ein? Der Präsident ist dafür, Zentralbankchef Michl strikt dagegen. Auch den Premierminister kritisiert er, wegen Forderungen nach Zinssenkungen "im Stil Trumps". Der tschechische Zentralbankchef Ales Michl stellt sich offen gegen eine Kampagne von Präsident Petr Pavel für eine Einführung des Euro. Die tschechische Wirtschaft habe sich noch nicht ausreichend der Währungsunion angenähert, um einen solchen Schritt zu rechtfertigen, sagte Michl in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der "Financial Times" . Ein verfrühter Beitritt könnte Michl zufolge die Inflation durch steigende Löhne und Kosten anheizen. Die Zentralbank müsse unabhängig bleiben. Pavel hatte argumentiert, es sei "eindeutig besser, mit am Tisch zu sitzen, an dem die Entscheidungen getroffen werden, als vor der Tür zu warten". Ähnlich kritisch äußerte sich Michl über Forderungen von Ministerpräsident Andrej Babis. Dieser lehnt eine Euro-Einführung ab, hatte jüngst aber eine Senkung der Leitzinsen verlangt. Babis sei ein "Sammelsurium-Ministerpräsident, der einer Idee im Stil Trumps folgt: Je billiger das Geld, desto besser", so Michl. Dem Druck des Regierungschefs nachzugeben, würde die Preisstabilität in Tschechien gefährden. Er räumte ein, es sei "eine Ironie", dass er nun mit Babis zur Währungspolitik über Kreuz liege, da er diesem als wirtschaftspolitischer Berater diente, als Babis noch Finanzminister war. Die tschechische Nationalbank (CNB) hatte im Juni den Leitzins erstmals seit vier Jahren um einen Viertelpunkt auf 3,75 Prozent angehoben. Sie begründete dies mit dem Lohnwachstum und dem allgemeinen Inflationsdruck. Michl erklärte, er bevorzuge eine flexible Währung. "Ich mag flexible Wechselkurse, und die Aufwertung der Krone ist ein Instrument zur Inflationsbekämpfung", sagte er. Grundsätzlich sind alle EU-Staaten mit Ausnahme Dänemarks verpflichtet, den Euro einzuführen. Es gibt dafür jedoch keinen festen Zeitplan. Tschechien trat 2004 der Europäischen Union bei. Bulgarien hat im Januar den Euro eingeführt. Ungarns neuer Ministerpräsident Peter Magyar strebt dies bis etwa 2030 an.