John Carpenter: Was er über das Böse weiß, hat er aus Bowling Green, Kentucky

Datum21.07.2026 09:32

Quellewww.spiegel.de

TLDRJohn Carpenter, prägender Regisseur von Horrorfilmen wie "Halloween", erklärt, seine Inspiration für das Böse schöpfe er aus seiner Kindheit in Bowling Green, Kentucky. Er erlebte dort die Rassentrennung der Fünfzigerjahre und erlitt Gewalt als Geigenschüler. Diese Erfahrungen prägten sein Verständnis von Grausamkeit. Gleichzeitig erinnert er sich aber auch an schöne Campus-Momente, die ihn zum Nachdenken über Leben, Tod und Angst anregten und zu seiner künstlerischen Identität führten.

Inhalt"Halloween", "The Fog", "Die Klapperschlange": John Carpenter hat das Genre der Horrorfilme maßgeblich geprägt. Jetzt hat er verraten, woher er seine schaurigen Ideen nimmt. In "Halloween" lässt er einen Sechsjährigen seine Schwester ermorden, in "The Fog" Tote durch einen Nebel erscheinen und Menschen töten: John Carpenter, 78, zählt zu den wichtigsten Regisseuren von Horrorfilmen, er hat das Genre geprägt. Aber woher nimmt dieser Mann eigentlich seine Ideen, wenn es um Böses und Unheimliches geht? Die kurze Antwort: aus Bowling Green, Kentucky. Carpenter hat nun dem "Guardian"  erzählt, was es damit auf sich hat. Er kam 1948 zwar im Norden des US-Bundesstaats New York zur Welt. Als er fünf Jahre alt war, zog seine Familie mit ihm aber in den Süden der USA. Sein Vater, ein Musiklehrer, trat damals eine neue Stelle an der Western Kentucky University an. "Es war der Jim-Crow-Süden der Fünfzigerjahre. Mann, da waren wir völlig fehl am Platz", erinnerte sich Carpenter nun. "Alles, was ich über das Böse weiß, habe ich in dieser kleinen Stadt namens Bowling Green in Kentucky gelernt." Jim-Crow-Süden? Damit spielt Carpenter auf die Rassentrennungsgesetze an, die hauptsächlich in den Südstaaten galten. Durch diese Gesetze sollten Schwarzen Menschen Rechte und ihre Errungenschaften genommen werden. Den Rassismus dieser Tage beobachtete Carpenter in Bowling Green. Und das prägte ihn: "Ich habe gesehen, wie rücksichtslos und grausam Menschen miteinander umgehen können", sagte er einmal. Doch auch als weißer Akademikersohn bekam Carpenter in Bowling Green Gewalt am eigenen Leib zu spüren. Der Grund: seine Geige. Sein Vater hatte ihn ermuntert, das Instrument zu lernen. "Als ich morgens mit der Geige unter dem Arm zur Schule ging, beschlossen diese Landjungs in Kentucky, dass ich ein tolles Opfer für Schläge war. Mit meiner Geige war ich ein Ziel für Gewalt", erzählte Carpenter. Er habe die Geige gehasst. Wenn Carpenter so von seiner Jugend erzählt, scheint es keine Frage zu sein, woher seine Ideen für Horrorfilme eigentlich kommen. Aber Carpenter denkt nicht nur an die furchtbaren Seiten von Bowling Green zurück, an anderer Stelle erinnerte er sich etwa an das angenehme Leben auf dem Campus. "Ich nehme an, dass sich das meiste davon, wer ich bin und woran ich glaube, herauskristallisiert hat, als ich nach dem Abendessen auf dem Gelände des Kentucky Building herumspazierte, als die Sonne unterging", erzählte Carpenter einmal: "Ich glaube nicht, dass ich in meinem ganzen Leben schon einmal an einem schöneren Ort gewesen bin." Er habe damals viel nachgedacht, über Leben und Tod, Menschen, Schönheit, Grausamkeit und Angst. "Ich war ein Einzelgänger, aber ich bin in einem Paradies aufgewachsen. So bin ich irgendwie zu dem geworden, der ich heute bin."