Datum21.07.2026 09:14
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Vorsitzende des Ethikrats, Helmut Frister, fordert eine offene Debatte zur Leihmutterschaft, da ein Verbot zu einer "Doppelmoral" führe. Er betont, dass der unerfüllte Kinderwunsch für Betroffene existenziell sein kann, weist aber auch auf den Schutz von Leihmüttern und das Kindeswohl hin. Die Praxis, Kinderwunschbehandlungen ins Ausland zu verlagern, sei problematisch. Der Fall Jens Spahn, der durch eine Leihmutter in den USA Vater wurde, hat die Diskussion neu entfacht.
InhaltDie Debatte um Leihmutterschaft zeige die "Doppelmoral der Gesellschaft", sagt der Vorsitzende des Ethikrats, Helmut Frister. Er plädiert für eine offene Diskussion. Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Helmut Frister, hat sich für eine offene gesellschaftliche Debatte über die Leihmutterschaft ausgesprochen. "Wenn man die Debatten nicht führt, wird das Problem latent immer bleiben", sagte der Rechtswissenschaftler im Deutschlandfunk. "Man sollte diese Debatte führen", fügte er hinzu. Verschiedene Interessen müssten dabei beachtet werden, sagte Frister. Auf der einen Seite gebe es den unerfüllten Kinderwunsch von homosexuellen männlichen Paaren, sowie von Frauen, die aus medizinischen Gründen selbst kein Kind austragen könnten. Sie könnten sich diesen Kinderwunsch nur mittels Leihmutter erfüllen. "Und das ist auch nichts, was ein Lifestyle-Problem wäre, sondern dieser unerfüllte Kinderwunsch ist für viele existenziell und kann das Lebensglück bedrohen", sagte Frister. Auf der anderen Seite müssten die potenziellen Leihmütter geschützt und es müsse überlegt werden, was das für das Kindeswohl bedeute. Die Diskussion nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) zeigt aus Sicht Fristers die "Doppelmoral der Gesellschaft". Einerseits sei im Inland nicht nur die Leihmutterschaft verboten, sondern auch die Eizellspende. Andererseits werde insbesondere bei der Eizellspende sehr großzügig toleriert, dass Frauen und Paare ins Ausland gehen, um auf diese Weise ihren Kinderwunsch zu erfüllen. "Und es ist ein bisschen so, dass die gesamte Gesellschaft da das Problem ins Ausland verlagert", sagte Frister. Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten vergangene Woche bekannt gegeben, dass sie Eltern durch eine Leihmutter in den USA geworden sind. Damit umgingen die beiden ein in Deutschland geltendes Verbot, das Spahn in der CDU mitgetragen hat. Die Entscheidung sorgte für deutliche Kritik, infolge derer Spahn am Samstag als Unionsfraktionschef zurücktrat. Eine Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Konkret verboten sind die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung sowie das Einsetzen einer Eizelle und die gesamte ärztliche Begleitung des Prozesses. Allerdings machen sich sogenannte Wunscheltern, die eine Leihmutterschaft in Anspruch nehmen, selbst nicht strafbar.