Satiresendung »Die Anstalt«: ZDF-Intendant verteidigt Ausladung von Rapper Danger Dan

Datum21.07.2026 04:48

Quellewww.spiegel.de

TLDRZDF-Intendant Himmler verteidigt die kurzfristige Ausladung von Rapper Danger Dan aus "Die Anstalt", räumt aber Fehler im Prozess ein. Er begründet die Entscheidung mit Danger Dans Liedtext, der als Aufruf zu linkem, gewaltbereitem Widerstand interpretiert werde. Daraufhin gab es Kritik von Journalisten und dem "Anstalt"-Team. Danger Dan und Igor Levit planen ein Ersatzkonzert, dessen Erlös an eine Opferberatungsstelle gehen soll.

InhaltKurzfristig hatte das ZDF entschieden, einen Auftritt des linken Liedermachers Danger Dan mit Pianist Igor Levit in der "Anstalt" zu streichen. Es hagelte Kritik. Jetzt erklärt Intendant Norbert Himmler die Entscheidung. ZDF-Intendant Norbert Himmler hat die Ausladung des Rappers Danger Dan aus der Satiresendung "Die Anstalt" verteidigt – zugleich aber Fehler beim Entscheidungsprozess eingeräumt. "Die Kurzfristigkeit der Ausladung müssen wir uns vorwerfen lassen", sagte Himmler der "Süddeutschen Zeitung". "Wir hätten früher die Grundsatzfrage stellen müssen, am besten schon vor der eigentlichen Einladung." Inhaltlich steht der Intendant jedoch zu der Ausladung. Zum Liedtext von Danger Dans Song "Keine Angst"  erklärte er: "Wir haben es hier meiner Ansicht nach unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun, der in ›freundlichen Grüße‹ an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet." Der Rapper Danger Dan sollte mit Starpianist Igor Levit sein neues Lied "Keine Angst" bei der 100. Ausgabe von "Die Anstalt" präsentieren, die sich mit Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie beschäftigt. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF, den Auftritt zu streichen, da der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne. An der Entscheidung regte sich Kritik: Journalistengewerkschaften protestierten, auch das Team der Satireshow positionierte sich gegen seinen Sender (mehr hier). Danger Dan selbst sprach bei Instagram  von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit. Dem SPIEGEL sagte er, er rufe niemanden dazu auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. Er verabscheue Gewalt. "Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität." Das komplette SPIEGEL-Gespräch mit Danger Dan finden Sie hier . Danger Dan und Igor Levit planen nun ein Ersatzkonzert. Der Auftritt mit dem Titel "Die keine Angstalt" soll am Dienstagabend um 21 Uhr im Berliner Columbia Theater stattfinden. Der Auftritt werde auch bei YouTube übertragen, teilte die Agentur von Danger Dan mit. Der Gewinn aus dem Ticketverkauf soll den Angaben zufolge an den Verein Opferperspektive gehen, "die zentrale Anlaufstelle in Brandenburg für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt". Auch die Jubiläumssendung von "Die Anstalt" wird am Dienstagabend im Fernsehen ausgestrahlt, in der Mediathek ist sie schon zu sehen (hier  mehr). Die Moderatoren der Satiresendung hatten darin die Entscheidung, das Lied nicht zu spielen, als mutlos kritisiert. Das ZDF thematisierte den abgesagten Auftritt auch in einer "Aspekte"-Sendung  am Samstagabend. Den Vorwurf eines Einknickens vor rechten politischen Kräften wies ZDF-Intendant Himmler zurück: "Wir treffen unsere Programmentscheidungen unabhängig, souverän und gemäß unserer Programm- und Qualitätsrichtlinien", sagte er. In diesem Fall habe sich "herauskristallisiert, dass ein Auftritt von Danger Dan, in dem mehr als sieben Minuten lang zum organisierten Widerstand gegen Rechts aufgerufen wird und dabei illegale Aktionen und Gewalt denkbare Optionen zu sein scheinen, in dieser Form nicht mit unseren Richtlinien zu vereinbaren ist".