Italien: Zusammenstöße bei Protesten nach tödlicher Polizeigewalt

Datum21.07.2026 03:26

Quellewww.zeit.de

TLDRIn Italien kam es nach dem Tod eines Mannes während einer Festnahme in Bologna zu Protesten und gewaltsamen Auseinandersetzungen. Tausende demonstrierten in Bologna und anderen Städten gegen Polizeigewalt. Bei den Ausschreitungen wurden elf Menschen verletzt. Der 42-jährige Abderrahim Fakir starb, nachdem er von Polizisten fixiert wurde. Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung laufen gegen zwei Beamte und vier Sanitäter. Die Regierung verspricht Aufklärung, während Koalitionspartner die Polizei verteidigen.

InhaltBei Kundgebungen gegen Gewalt durch die Polizei wurden in Italien mehrere Menschen verletzt. Hintergrund ist der Tod eines 42-Jährigen während einer Festnahme in Bologna. Nach dem Tod eines Mannes während eines Polizeieinsatzes in Italien ist es in mehreren Städten des Landes zu Protesten und teils zu Zusammenstößen gekommen. In der Universitätsstadt Bologna, wo der 42-jährige Abderrahim Fakir am Sonntag starb, versammelten sich Tausende zu einer Demonstration in der Innenstadt. Auf Plakaten waren Parolen wie "Wahrheit und Gerechtigkeit" zu lesen. Sprecher der Familie von Fakir forderten Aufklärung. Im Anschluss an die zunächst friedliche Kundgebung warfen einige Teilnehmer laut Augenzeugenberichten mehrere Flaschen und Molotowcocktails auf die Polizei. Einem italienischen Medienbericht zufolge wurden auch die Fenstergitter von gepanzerten Polizeifahrzeugen abgerissen, die Polizei habe daraufhin Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. Nach Angaben der Rettungsdienste wurden mindestens elf Menschen verletzt, darunter befinden sich demnach sowohl Demonstranten als auch Polizisten. Fakir war am Sonntag auf einer Straße in Bologna gestorben. Auf einem Video ist zu sehen, wie er von zwei Polizisten auf den Boden gedrückt wird. Seine Hände sind auf dem Rücken mit Handschellen gefesselt. Mehrfach ruft er: "Hilfe! Genug, genug!" Die Beamten lassen jedoch erst nach mehreren Minuten von ihm ab, als er sich bereits nicht mehr bewegt. Ein Notarzt stellte dann seinen Tod fest. Ersten Angaben zufolge war die Polizei am späten Vormittag von Nachbarn in den Stadtteil Pilastro gerufen worden, nachdem Fakir einen Wutanfall bekommen haben soll. Italienische Medien sprechen von einer psychiatrischen Krise des Mannes. Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa soll er gegen einen Streifenwagen geschlagen haben. Daraufhin hätten die Beamten Pfefferspray eingesetzt und ihm Handschellen angelegt. Italienischen Medienberichten zufolge stammte Fakir aus Marokko und lebte seit seinem siebten Lebensjahr in Italien. In Bologna soll er eine Putzfirma geleitet und sich mit seinem Bruder eine Wohnung geteilt haben. Der Fall sorgte in Italien für Schlagzeilen, weil exzessive Polizeigewalt als Todesursache vermutet wird. In manchen Medien werden Vergleiche zu den USA gezogen, wo es ähnliche Fälle gab – etwa im Mai 2020 beim Tod von George Floyd. Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni sicherte "völlige Transparenz" bei der Aufklärung zu. Aus dem Lager ihrer Koalition wurde der Polizeieinsatz allerdings bereits verteidigt. In einer Erklärung ihres kleineren Koalitionspartners, der Lega-Partei von Matteo Salvini, hieß es, die Beamten hätten sich "professionell verhalten" und ihre "Dienstpflicht" getan. Aufschluss erhoffen sich die Ermittler nun von der Obduktion der Leiche. Zudem wurde die Körperkamera eines der beiden beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch das Video, das von einem Nachbarn gedreht wurde, ist in deren Besitz. Gegen die zwei Polizisten laufen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ebenso wie gegen insgesamt vier Sanitäter, die die Szene dem Video zufolge zunächst nur beobachtet hatten.