Datum21.07.2026 02:31
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Grünenfraktionschefin Haßelmann plädiert nach dem Rücktritt Spahns wegen einer Leihmutterschaft für eine erneute Diskussion über die Empfehlungen einer Ampel-Kommission. Diese empfahl eine Zulassung von Leihmutterschaft unter engen Voraussetzungen zum Schutz von Frau und Kind. Die SPD-Frauen und die Linksfraktion äußern sich kritisch zur Kommerzialisierung und zu potenziellen Ausbeutungsrisiken, auch bei altruistischen Modellen. In Deutschland ist Leihmutterschaft verboten.
InhaltDer Rücktritt Jens Spahns war "folgerichtig", sagt die Fraktionschefin der Grünen. Sie plädiert dafür, Empfehlungen einer Kommission aus der Ampelzeit neu zu diskutieren. Die Grünenfraktionschefin Britta Haßelmann hat angesichts der Debatte über Leihmutterschaft eine neue Auseinandersetzung mit Themen der Reproduktionsmedizin gefordert. Der Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn sei "absolut folgerichtig" gewesen, sagte Haßelmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Die aktuelle gesellschaftliche Debatte zeigt auch, dass es geboten ist, sich erneut inhaltlich mit den Ergebnissen der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin zu befassen." Die Kommission war in der vergangenen Legislaturperiode von der Ampelkoalition eingesetzt worden und hatte im April 2024 ihren Abschlussbericht vorgelegt. Sie empfahl, dass Abbrüche in der Frühphase der Schwangerschaft künftig nicht mehr grundsätzlich strafbar sein sollten. Leihmutterschaft könne der Gesetzgeber in bestimmten Fällen zulassen, "sofern insbesondere der Schutz der Leihmutter und das Kindeswohl hinreichend gewährleistet werden", hieß es. Allerdings wiesen die Mitglieder damals auch darauf hin, dass selbst die sogenannte altruistische Leihmutterschaft ohne Bezahlung das Risiko für Missbrauch berge. Sie sollte deshalb wenn überhaupt nur unter sehr engen Voraussetzungen ermöglicht werden, empfahl die Kommission. Dazu zähle, wenn etwa ein nahes verwandtschaftliches oder freundschaftliches Verhältnis zwischen Wunscheltern und Leihmutter bestehe. Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in der SPD hat sich beim Thema Leihmutterschaft noch nicht positioniert. Die Meinungsbildung sei noch nicht abgeschlossen, sagte die Co-Vorsitzende Ulrike Häfner den Funke-Zeitungen. Grundsätzlich kritisierten die Frauen in der SPD die zunehmende "Kommerzialisierung von Frauen in der Reproduktionsmedizin" sowie das Ausnutzen von materiellen und finanziellen Notlagen. Auch in der Linksfraktion im Bundestag verweist man auf ein mögliches finanzielles Ungleichgewicht zwischen Leihmutter und den Paaren, die Eltern werden wollen. Die frauenpolitische Sprecherin Kathrin Gebel sieht auch altruistische Varianten kritisch. "Gesundheitliche Risiken, Abhängigkeiten und familiärer Druck" würden nicht automatisch verschwinden, nur weil offiziell kein Geld fließe, sagte Gebel. Spahn war am Wochenende als Fraktionschef der Union zurückgetreten. Grund für den Rücktritt war Kritik nachdem er seiner Vaterschaft durch eine Leihmutter in den USA öffentlich gemacht hatte. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die Union spricht sich gegen eine Legalisierung aus und bekräftigte nach dem Rücktritt Spahns ihre Position.