28-Jähriger wegen Mordes an britischer Ex-Ministerin Widdecombe angeklagt

Datum21.07.2026 01:10

Quellewww.spiegel.de

TLDREin 28-Jähriger wurde wegen Mordes an der früheren britischen Ministerin Ann Widdecombe angeklagt. Der Tod der ultrakonservativen Politikerin, die am 9. Juli tot aufgefunden wurde, wird polizeilich als gezielter Angriff untersucht, auch mit möglichem politischem oder terroristischem Hintergrund. Widdecombe war eine prominente Brexit-Befürworterin und vertrat ultrakonservative Ansichten.

InhaltDer Tod der ultrakonservativen Rechtsaußenpolitikerin Ann Widdecombe sorgt in Großbritannien für Aufregung. Nun erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Mann: Es geht um den Mordvorwurf – und um Terrorverdacht. Die britische Staatsanwaltschaft hat einen 28-Jährigen wegen Mordes an der früheren Ministerin Ann Widdecombe angeklagt (mehr hier). "Die polizeilichen Ermittlungen zu den Motiven des Beschuldigten dauern an, einschließlich der Prüfung eines möglichen politischen oder terroristischen Hintergrunds", erklärte Staatsanwalt Frank Ferguson dazu am Montag. Eine zusätzliche Anklage wegen einer Terrortat gebe es derzeit nicht. Britische Medien veröffentlichten das Foto eines Mannes , bei dem es sich um den 28-Jährigen handeln soll. Das Bild, das demnach aus dem Jahr 2022 stammt, zeigt einen Mann mit Brille, langem Haar und Bart, der ein großes Glas mit Schokoladeneiern im Arm trägt. Ferguson bat darum, keine Informationen zu der Tat zu veröffentlichen, die "das Verfahren in irgendeiner Weise beeinträchtigen könnten". Die rechtsgerichtete Politikerin und prominente Brexit-Befürworterin Widdecombe war am 9. Juli tot in ihrem Haus im Dartmoor in der Grafschaft Devon (Südwestengland) aufgefunden worden. Der Leichnam der 78-Jährigen wies laut Polizei "schwere Verletzungen auf" und lag dort vermutlich 24 Stunden lang unentdeckt. Wenige Tage später wurde ein 28-jähriger Brite im Hunderte Kilometer entfernten Yorkshire festgenommen. Vermutlich handelt es sich bei ihm um den jetzt angeklagten Mann. In den Tagen danach hatten sich Hinweise auf eine politische Tat verdichtet, weshalb eine Antiterroreinheit der Polizei die Ermittlungen übernahm. Später bestätigten die Ermittler dann, dass es sich um einen "gezielten Angriff" gehandelt habe. Widdecombe saß von 1987 bis 2010 für die konservativen Tories im britischen Parlament. Später zog sie als überzeugte Befürworterin des EU-Austritts für die Brexit-Partei von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage als Abgeordnete ins Europäische Parlament und wurde danach Sprecherin der Nachfolgepartei Reform UK. Die zum Katholizismus übergetretene Politikerin vertrat ultrakonservative Ansichten. So forderte sie etwa die Wiedereinführung der Todesstrafe, sprach sich gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und die Selbstbestimmung von trans Personen über deren Geschlecht aus. Auch im britischen Unterhaltungsfernsehen war Widdecombe keine Unbekannte: So trat sie etwa bei der Tanzshow "Strictly Come Dancing" und bei "Celebrity Big Brother" auf.