Datum21.07.2026 00:34
Quellewww.spiegel.de
TLDRVideos einer brutalen Festnahme in Bologna, bei der ein Marokkaner starb, haben in Italien Massenproteste ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beteiligten Beamten. Diskutiert wird auch eine neue Gesetzesregelung, die Polizeibeamte schützt. Vize-Ministerpräsident Salvini verteidigte das Vorgehen, während Kritiker von einer "unmenschlichen Tat" sprachen.
InhaltVideos einer tödlich endenden Festnahme lösen in Italien Proteste aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Beteiligte, während eine neue gesetzliche Regelung für Polizeibeamte scharfe Kritik hervorruft. Minutenlang liegt der Mann gefesselt am Boden, irgendwann rührt er sich nicht mehr: Videos der Festnahme eines Marokkaners sorgen in Italien für Proteste. Im Fokus stehen neue Regeln für Polizeikräfte. Nach dem Tod eines 42-jährigen Mannes während einer Festnahme in Bologna ermittelt die italienische Justiz gegen die beteiligten Beamten. Die Staatsanwaltschaft teilte am Montag mit, die Umstände des Einsatzes und des Todesfalls aufklären zu wollen. Auch die Aufnahmen der Bodycams der beiden Polizisten wurden sichergestellt und sollen ausgewertet werden. Der Fall sorgt in Italien für breite öffentliche Diskussionen. In sozialen Netzwerken verbreiten sich seit Sonntag Videos, die den Einsatz zeigen. Darauf ist zu sehen, wie zwei Polizisten den Mann über mehrere Minuten in Bauchlage am Boden fixieren. Zunächst ruft er wiederholt um Hilfe, später bleibt er regungslos mit dem Gesicht auf dem Asphalt liegen, während ihm Hände und Füße gefesselt werden. Zwei Rettungskräfte stehen zunächst daneben, bevor sie den Mann schließlich auf den Rücken drehen und abtransportieren. Bei dem Verstorbenen handelt es sich um Abderrahim Fakir, ein Mann in Marokko geboren, der seit seiner frühen Kindheit in Italien lebte. Die Rechtsanwältin Barbara Spinelli, die ihm bei der Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis unterstützt hatte, nannte ihn einen "freundlichen, gut ausgebildeten, respektvollen Menschen". Warum es zu der Festnahme kam, ist bislang unklar. Nach Berichten italienischer Medien erklärten die beteiligten Polizisten, der Mann habe sich in einer psychiatrischen Ausnahmesituation befunden. Politisch löste der Vorfall unterschiedliche Reaktionen aus. Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini verteidigte das Vorgehen der Einsatzkräfte und erklärte, die Beamten hätten professionell gehandelt. Die Grünen-Senatorin Ilaria Cucchi sprach dagegen von einer "unmenschlichen Tat" und warf der Regierung vor, ein Klima von Hass und Rassismus zu begünstigen. Tausende Menschen versammelten sich in Bologna zu einer Protestkundgebung am Montagabend. Angehörige von Fakir forderten "Wahrheit und Gerechtigkeit". Am Rande der Demonstration kam es zu Auseinandersetzungen zwischen einer Gruppe von Demonstrierenden und der Polizei. Nach Behördenangaben wurden unter anderem Böller auf Einsatzkräfte geworfen, die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein. Für Diskussionen sorgt zudem die rechtliche Behandlung des Falls. Die Staatsanwaltschaft führte das Verfahren zunächst im neuen Register "Modell 45 bis", das mit dem im Frühjahr verabschiedeten Sicherheitsgesetz eingeführt wurde. Die Regelung, von Kritikern als "Schutzschild" für Polizeibeamte bezeichnet, sieht vor, dass Einsatzkräfte bei möglicher Rechtfertigung ihres Handelns – etwa durch Notwehr oder rechtmäßige Dienstausübung – nicht mehr automatisch als Beschuldigte registriert werden. Stattdessen erfolgt zunächst eine vorläufige Eintragung, während die Ermittlungen weiterlaufen. Im Fall Fakir betrifft dies nach Angaben der Staatsanwaltschaft zwei Polizisten und vier Rettungskräfte.