Meinung: News des Tages: Vizepräsident JD Vance, Jens Spahn, Straße von Hormus

Datum20.07.2026 17:19

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Artikel beleuchtet mehrere aktuelle Themen: US-Vizepräsident JD Vance jongliert Familie, Buchpromotion und politische Gratwanderung. In Deutschland droht die Nachfolge von Jens Spahn als Unionsfraktionschef die CDU/CSU zu polarisieren, wobei Zweifel an der Kandidatenwahl von Friedrich Merz geäußert werden. Die Straße von Hormus ist aufgrund von Spannungen mit dem Iran unsicher, was Golfstaaten zur Suche nach alternativen Routen für den Öltransport veranlasst. Abschließend wird die Idee eines KI-Zertifikats für Kinder und die Vorliebe von Anya Taylor-Joy für schmutzige Rollen thematisiert.

InhaltDonald Trumps Vize JD Vance navigiert durch die Rushhour seines Lebens. Der Fall Spahn weckt Zweifel am Kanzler. Und: Die Golfstaaten versuchen die Straße von Hormus zu umschiffen. Das ist die Lage am Montagabend. Die drei Fragezeichen heute: US-Vizepräsident JD Vance hat gerade alle Hände voll zu tun. Das mag für viele hochrangige Amtsträger irgendwie zutreffen. Bei Vance kommt aber wirklich einiges zusammen. Seine Frau Usha hat eben das vierte Kind des Paares geboren, Sohn Alec Neel Vance. Auch ein Umzug soll angeblich anstehen (mehr dazu hier). Neben allen Regierungsgeschäften absolviert Vance außerdem eine intensive Werbetour für sein Mitte Juni erschienenes Buch "Communion" über seine Rückkehr zum Glauben, ein Bestseller. Wie der Republikaner sich dabei an die Trump-Nachfolge heranzurobben versucht, analysiert mein Kollege Alexander Sarovic. Sein Urteil: "Vance ist derzeit nicht zu beneiden. Er gehört immer noch der Trump-Regierung an. Zugleich sieht er, dass die amerikanische Rechte post-Trump in eine andere Richtung treibt." Beim einflussreichen Talkshow-König Joe Rogan habe Vance den politischen Spagat versucht, so Alexander: "Er muss sich von Trump absetzen, gerade dort, wo dessen Politik unbeliebt ist. Zugleich darf er den Präsidenten nicht verärgern." Vor der Abstimmung über die Nachfolge von Jens Spahn als Fraktionschef der Union wächst offenbar innerhalb von CDU und CSU die Sorge, dass Kanzler Friedrich Merz (CDU) keine gute Wahl treffen könnte. Am 29. Juli, also kommende Woche, will die Unionsfraktion über die Spahn-Nachfolge abstimmen (mehr dazu hier). Merz und CSU-Chef Markus Söder dürfen aber den Personalvorschlag machen. Längst kursieren diverse Namen (mehr dazu hier ). Innerhalb der Fraktion, so berichtet mein Kollege Christian Teevs, "gibt es aber Zweifel, dass Merz auf Kompetenz setzt und jemanden vorschlägt, der die schwierige Aufgabe des Fraktionschefs auch beherrscht". Solche Ängste beziehen sich auf Kanzleramtschef Thorsten Frei. In dieser Position, so sehen es demnach viele, agiert Frei unglücklich. Nun wird er trotz Erfolglosigkeit als Favorit für den Fraktionsvorsitz gehandelt. Das gefällt wohl nicht allen. Bereits nach den Wahlen soll Frei solche Ambitionen gehegt haben, doch es kam anders. Ist nun Freis zweite Chance da? Spannender noch als die Personalrochaden (Spahn sehen wir meiner Meinung nach sowieso bald wieder) finde ich die Debatte um Leihmutterschaft, die er ausgelöst hat. Zum Doppelmoral-Argument  ist alles gesagt. Aber kommerzielle Leihmutterschaft ist keine Frage der politischen Glaubwürdigkeit eines einzelnen Mannes. Meine Meinung: Die Rechte von Kindern werden dabei für die Wünsche von Erwachsenen hintangestellt. Das ist trotz aller Empathie für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch falsch. Eine Weltanschauung, die Frauenkörper als verfügbare Ressource verkauft, schafft zudem neue Probleme. Das Argument der Freiwilligkeit der Frauen (mehr dazu hier) ist empirisch hohl. Kommerzielle Leihmutterschaft ist zurecht verboten in Deutschland. Die Straße von Hormus ist mal wieder praktisch geschlossen. Iran will es so. Das Land kontrolliert eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsstraßen. Ein mächtiges Druckmittel. Aus Iran hieß es am Wochenende, man habe "zwei Öltanker in die Luft gejagt". Im Übrigen, so die Revolutionswächter, bleibe die Route unsicher, solange die "Aggressionen der USA in der Region" weitergehen. Auch nicht das kleinste bisschen Öl oder Gas werde durchgelassen (mehr dazu hier). Die Staaten rund um den Persischen Golf suchen angesichts von nach dem Waffenstillstand schon wieder recht routinierten Angriffen und Gegenangriffen zwischen USA und Iran längst nach Alternativen. Frei nach dem Motto: Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen. Wie also lässt sich die oft als alternativlos beschriebene Route durch die Straße von Hormus umgehen, mit Pipelines, Zuglinien, Häfen, oder gar einem Kanal? Meine Kollegin Juliane von Mittelstaedt hat zusammen mit Anna-Lena Kornfeld und Niklas Marienhagen eine visuelle Analyse erarbeitet. Gelingen die Projekte, schrumpft das Drohpotenzial in den Händen Irans deutlich. Die Auswirkungen könnten nicht nur für die gesamte Weltwirtschaft spürbar sein, auch eine politische Dimension sei erkennbar, schreibt Juliane: "Aus der Hormus-Krise könnte im besten Fall eine positive Vision entstehen: die von einem Nahen Osten, der durch Zugverbindungen und Pipelineprojekte enger zusammenwächst." Experten aus dem Familienministerium fordern, dass es bald ein KI-Zertifikat für Kinder in Deutschland geben soll. Nach dem Vorbild des Seepferdchens in der Schwimmausbildung soll das KI-Seepferdchen zeigen, dass man sich zumindest einigermaßen mit der neuen Zukunftstechnik auskennt. Meine Meinung ist ja, dass auch alle Erwachsene stetigen KI-Lernbedarf haben und wir den Ball allzu leichtfertig an die Kinder durchreichen. Meine Netzwelt-Kollegen und ich haben deshalb ein eigenes KI-Seepferdchen ersonnen. Lieber Dreck statt Glamour: Schauspielerin, Anya Taylor-Joy, 30, liebt es laut eigener Darstellung, bei der Arbeit "völlig verdreckt und blutverschmiert" zu sein. Das sagte sie im ZDF-Interview anlässlich ihrer Rolle in der neuen Thrillerserie "Lucky" von Apple. In der Serie verkörpert sie eine Trickbetrügerin, die ihrem kriminellen Umfeld zu entfliehen versucht. Eitelkeit, so Taylor-Joy, habe in ihrer Schauspielerei nie eine Rolle gespielt. "Das hier war also genau mein Ding." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Dieses kostenfreie und durchaus kniffelige Onlinespiel ist etwas für Geografie-Nerds. Das Ziel von "Country Draw"  lässt sich leicht aus dem Namen ableiten: Es geht darum, auf einer weißen Kartenfläche unterschiedliche Länderumrisse möglichst realitätsgetreu zu zeichnen. Italien ist der Stiefel, und Deutschland kriegen viele wohl gerade auch noch so hin. Aber welche Form haben Madagaskar oder der Inselstaat Indonesien?Einen schönen Abend. Herzlich Ihre Angela Gruber, Autorin im Wirtschaftsressort