Kriminalität: Straftaten im Nahverkehr: mehr Sexualdelikte angezeigt

Datum20.07.2026 13:32

Quellewww.zeit.de

TLDRIm Berliner Nahverkehr ist die Gesamtzahl der Straftaten 2025 leicht gesunken, jedoch gab es einen deutlichen Anstieg bei Sexualdelikten (+9%). Von 421 Fällen waren 89% weibliche Opfer. Hauptsächlich männliche Täter sind verantwortlich. Die Grünen fordern verstärkte Sicherheitsmaßnahmen und prüfweise Frauenschutzabteile, was von Senat und BVG mit Verweis auf durchgängige Zugkonzepte und allgemeine Sicherheitsmaßnahmen abgelehnt wird.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Kriminalität“. Lesen Sie jetzt „Straftaten im Nahverkehr: mehr Sexualdelikte angezeigt“. Straftaten wie Diebstähle, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen und Beleidigungen sind weiterhin ein Problem im öffentlichen Bahn- und Busverkehr in Berlin. Insgesamt wurden im Jahr 2025 13.585 Straftaten in den U-Bahnen, S-Bahnen, Trams, Regionalzügen und Bussen registriert. Das ist zwar ein leichter Rückgang gegenüber 2024; einen Anstieg gab es dabei allerdings bei den Sexualdelikten und der Zahl weiblicher Opfer. Das geht aus einer Antwort von Senatsinnenverwaltung und Polizei auf eine Grünen-Anfrage hervor.  Ganz vorne in der Liste der Taten liegen Taschendiebstähle, es folgen sonstige Diebstähle und Körperverletzungen. Die Tatorte sind neben den Zügen und Bussen auch oft die Bahnhöfe und Haltestellen. Insgesamt ging die Zahl der Straftaten gegenüber 2024 um rund zwölf Prozent zurück. Zugleich habe es aber einen "schockierenden" Anstieg von knapp neun Prozent bei den Anzeigen zu Sexualdelikten gegeben, stellte die Grünen-Abgeordnete Antje Kapek fest: von 388 Fällen im Jahr 2024 zu 421 Fällen im Jahr 2025. Dieser Trend sei auch schon in den Vorjahren deutlich geworden. "Insbesondere in S-Bahn und Regionalbahnen (inkl. Bahnhöfen), U-Bahn (inkl. Bahnhöfen) und Straßenbahnhaltestellen nehmen die festgestellten Delikte zu." Ob es tatsächlich mehr Sexualdelikte gibt oder ob die Bereitschaft von Opfern gestiegen ist, bei der Polizei eine Anzeige zu stellen, bleibt bei den Statistiken offen.  Klar ist aber: Während bei den meisten Gewalttaten und auch Diebstählen im öffentlichen Nahverkehr sowohl Täter als auch Opfer Männer oder männliche Jugendliche sind, ist es bei den Sexualdelikten anders.  407 Menschen wurden 2025 als Opfer gezählt, davon waren 364 weiblich (89 Prozent). Auch bei den Tätern sind die Zahlen eindeutig. Bei den erfassten Fällen mit einem Verdächtigen waren 171 von 174 mutmaßlichen Tätern männlich (98 Prozent). "Sexualisierte Gewalt im ÖPNV ist Gewalt von Männern gegenüber Frauen", betonte Kapek.  Die Videoüberwachung trägt den Zahlen zufolge nur in geringem Umfang zur Aufklärung der Straftaten bei. 29 Taten wurden demnach "durch Auswertung BVG-Videomaterial" aufgeklärt, fünf davon waren Sexualdelikte.  Kapek forderte: "Sicherheitsstrategien im Zug und Bus, sowie an den Haltestellen und Bahnhöfen sind angesichts der wachsenden Zahl an Sexualdelikten nötig." Die vorhandenen Maßnahmen würden offensichtlich nicht ausreichen, um Frauen vor Übergriffen zu schützen.  Erneut verlangte Kapek eigene Abteile in U- und S-Bahnen für Frauen - "mindestens als Pilotprojekt". Diese Maßnahme gibt es in manchen Großstädten in anderen Länder.  Die BVG und der Senat hatten das jedoch für Berlin in der Vergangenheit bereits abgelehnt. Nun betonte die Senatsinnenverwaltung: "Die BVG hat den Anspruch und das Ziel, dass alle Fahrgäste zu jeder Zeit in unseren Fahrzeugen und Anlagen sicher sind." Täglich seien rund 250 Wachleute im gesamten Netz im Einsatz. Die Bahn setze in ihren Zügen über 600 Sicherheitskräfte ein.  Getrennte Bereiche für einzelne Nutzergruppen seien daher nicht vorgesehen. Viele neue U-Bahnzüge hätten gar keine getrennten Wagen mehr, sondern seien über die komplette Länge durchgehend begehbar. Abgetrennte Bereiche sind in solchen Zügen kaum möglich. © dpa-infocom, dpa:260720-930-411722/1