EU verhängt Rekordstrafe gegen AliExpress

Datum20.07.2026 12:49

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie EU verhängt eine Rekordstrafe von 550 Millionen Euro gegen AliExpress. Dem Onlinehändler wird vorgeworfen, nicht ausreichend gegen den Verkauf illegaler Produkte wie gefälschter Kleidung, unsicherem Spielzeug und gefährlicher Kosmetik vorgegangen zu sein. Die EU-Kommission kritisiert, dass verdächtige Händler oft weitermachen konnten und die Plattform nicht genug Personal zur Überprüfung hat. AliExpress muss nun einen Nachbesserungsplan vorlegen, sonst drohen weitere Strafen unter dem Gesetz über digitale Dienste (DSA).

InhaltGefälschte Kleidung, unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetik: AliExpress muss nun Hunderte Millionen Euro Strafe zahlen, weil der Onlinehändler laut EU zu wenig getan hat, um europäische Verbraucher zu schützen. Die EU hat wegen des Verkaufs illegaler Produkte eine Millionenstrafe gegen den chinesischen Onlinemarktplatz AliExpress verhängt. Der Online-Riese muss 550 Millionen Euro zahlen, unter anderem weil gefälschte Kleidung, unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetika widerrechtlich wochenlang nicht von der Plattform genommen wurden. Das teilte die Europäische Kommission mit. Das Unternehmen, das zum Alibaba-Konzern gehört, hat demnach nicht genug getan, um die Verbraucher in der EU vor solchen Produkten zu schützen. Die Händler, die von AliExpress eigentlich für den Verkauf illegaler Produkte auf der Onlineplattform bestraft werden sollten, kamen nach Ansicht der EU-Kommission teilweise davon. Sie hätten ihr Geschäft oft weiterbetreiben können, heißt es in der Mitteilung. AliExpress wird auch vorgeworfen, nicht genug Personal für die Überprüfung potenziell illegaler Produkte zu haben. Die Kontrolleure haben laut EU-Kommission zu viel Arbeit. Zudem würden die rechtswidrigen Produkte sogar empfohlen oder beworben, bevor AliExpress sie von der Plattform entferne. Tests der Brüsseler Internetwächter hätten gezeigt, dass trotz der Überwachungsversuche der Firma folglich eine Vielzahl von gefälschten T-Shirts, Schuhen oder unsicherem Kinderspielzeug zirkulierten. Eigentlich hatte AliExpress schon vor gut einem Jahr Zugeständnisse gemacht: Das Unternehmen wollte insbesondere gegen illegale und potenziell gefährliche Produkte wie Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel vorgehen. Damals hatte die EU-Kommission diese Zusagen der Firma zunächst akzeptiert, aber damit nicht alle ihre Kritikpunkte ausgeräumt gesehen. Nun hat AliExpress bis zum 20. Oktober Zeit, einen Aktionsplan zur Nachbesserung in Brüssel vorzulegen. Sollte die EU-Kommission mit den vorgeschlagenen Maßnahmen einverstanden sein, setzt sie eine Frist, bis wann diese umgesetzt werden müssten. Ist die Behörde der Ansicht, dass AliExpress in der Sache nicht ausreichend mitarbeitet, könnte die EU auch tägliche Strafen verhängen. Das Verfahren läuft unter dem Gesetz über digitale Dienste (DSA), das seit Februar 2024 gilt und das scharfe Schwert gegen Online-Riesen sein soll. Die großen Plattformen müssen sich wegen des DSA an deutlich strengere Vorschriften halten. Ansonsten müssen sie mit empfindlichen Strafen rechnen: bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes des gesamten Konzerns, in diesem Fall also Alibaba, sind möglich. Zwar ist die Strafe für AliExpress die bisher höchste unter dem DSA. Sie liege aber trotzdem weit unter der möglichen Höchststrafe von über sieben Milliarden Euro, sagte eine EU-Beamtin. Der betrachtete Jahresumsatz des Alibaba-Konzerns lag laut Europäischer Kommission bei etwa 120 Milliarden Euro.