Datum20.07.2026 09:25
Quellewww.zeit.de
TLDRJeder dritte Beschäftigte in Deutschland riskiert eine Rente unter der Armutsgefährdungsgrenze. Insbesondere in Ostdeutschland sind die Zahlen besorgniserregend. Laut Dietmar Bartsch (Die Linke) sind für eine Altersrente auf Armutsniveau monatlich 3.771 Euro brutto nötig. Aktuell verdienen aber fast 39 Prozent bundesweit und 54 Prozent im Osten weniger. Bartsch kritisiert die geringen Löhne und warnt vor Plänen zur Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren. Mehr Lohn sei dringend notwendig.
InhaltMit ihrem aktuellen Gehalt droht mehr als einem Drittel der Beschäftigten eine Rente unter der Armutsgefährdungsgrenze. Noch höher sind die Zahlen in Ostdeutschland. Millionen Beschäftigten in Deutschland droht mit ihrem derzeitigen Verdienst rechnerisch eine Rente an oder unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Bundesweit gilt das für mehr als ein Drittel der Beschäftigten nach 45 Jahren in Vollzeit, in Ostdeutschland gar für mehr als die Hälfte. Das zeigen Daten zum aktuellen Monatsverdienst in Deutschland und zur Armutsschwelle, die der Linken-Abgeordnete Dietmar Bartsch vom Bundessozialministerium und dem Statistischen Bundesamt angefragt hatte. Den Angaben zufolge ist ein monatliches Bruttogehalt von 3.771 Euro nötig, um eine Rente in Höhe der Armutsgefährdungsschwelle zu erreichen. Die Armutsgefährdungsgrenze lag laut Statistischem Bundesamt 2025 bei 1.446 Euro brutto. Statistisch als armutsgefährdet gilt man mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung. Bartsch hatte von der Regierung wissen wollen, was man aktuell in Vollzeit verdienen muss, um nach 45 Beitragsjahren eine gesetzliche Rente auf so einem Niveau zu erhalten. Laut Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts lagen im April 2025 bundesweit fast 39 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse in Vollzeit unter 3.700 Euro brutto im Monat, 44 Prozent unter 3.900 Euro. Im Osten sind es 54 Prozent unter 3.700 und fast 60 Prozent unter 3.900 Euro. Bei den von Bartsch angefragten Berechnungen wird allerdings nur vom derzeitigen Verdienst ausgegangen – mögliche künftige Veränderungen sind nicht berücksichtigt. Das Bundessozialministerium wies in seiner Antwort an den Linken-Politiker entsprechend darauf hin, dass es sich um eine "abstrakte Modellrechnung" handele, die ein über 45 Jahre konstantes Lohnverhältnis unterstelle. Aus der Lohnhöhe eines Jahres könne jedoch nicht auf die Einkommenssituation im Alter geschlossen werden. Dennoch kritisierte Bartsch die "Schieflage bei Löhnen und Renten", sie sei "inakzeptabel groß". Pläne der schwarz-roten Koalition, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren als Teil einer umfassenden Rentenreform abzuschaffen, bezeichnete der frühere Fraktionsvorsitzende der Linken als einen "harten Angriff auf alle Arbeitnehmer". Bartsch warf Friedrich Merz (CDU) vor, der Bundeskanzler vermittle den Eindruck, dass Arbeitnehmer "zu teuer, zu faul und zu krank" seien. Deutschland müsse zum Hochlohnland werden, forderte Bartsch: "Arbeit muss sich auszahlen."