Analyse Bertelsmann-Stiftung: Teilhabe-Gelder kommen kaum bei hessischen Kindern an

Datum20.07.2026 05:00

Quellewww.zeit.de

TLDREine Analyse der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass in Hessen nur ein Bruchteil der anspruchsberechtigten Kinder und Jugendlichen die Teilhabegelder für Sport und Kultur erhält. Hessen liegt damit unter dem Bundesdurchschnitt. Die hohe bürokratische Hürde, komplexe Antragsverfahren und Nachweispflichten erschweren den Zugang zu den seit 2011 bestehenden Leistungen. Die Stiftung fordert eine Vereinfachung und automatische Auszahlung, um die Inanspruchnahme zu erhöhen und die Verwaltung zu entlasten.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Analyse Bertelsmann-Stiftung“. Lesen Sie jetzt „Teilhabe-Gelder kommen kaum bei hessischen Kindern an“. Der Zuschuss für das Mitmachen bei Sport und Kultur für Kinder und Jugendliche, deren Familien Grundsicherung beziehen, kommt in Hessen nur bei einem Bruchteil von ihnen an. Den monatlichen Betrag von 15 Euro zur sozialen und kulturellen Teilhabe erhalten dort nur 12,3 Prozent der 6- bis unter 15-jährigen Anspruchsberechtigten, wie eine Analyse der Bertelsmann Stiftung ergab. Damit liegt Hessen deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 18,3 Prozent. Bei den 15- bis unter 18-Jährigen sind es sogar nur 6,3 Prozent (bundesweit: 12,1 Prozent).  Eingeführt wurde der Teilhabebetrag vor 15 Jahren, gemeinsam mit Zuschüssen für andere Bereiche, etwa in der Schule. Die finanzielle Unterstützung für Schulbedarf von 195 Euro pro Jahr erhalten den Berechnungen zufolge in Hessen rund 79 Prozent der 6- bis unter 15-Jährigen, deren Eltern Grundsicherung bekommen. Das gemeinsame Mittagessen nutzen hingegen rund 36 Prozent der Kinder. Bei der älteren Altersklasse sind beide Quoten deutlich niedriger: etwa jeder zweite Jugendliche erhielt den Zuschuss zum Schulbedarf, das Mittagessen nur knapp jeder zehnte.  Bundesweit sei der Abruf der Hilfen bei jungen Menschen, die Sozialhilfe beziehen oder die unter das Asylbewerberleistungsgesetz fallen, noch geringer, hieß es in einer Mitteilung der Stiftung aus Gütersloh. Die Autoren beklagen, dass wegen mangelnder Daten bei Kindern aus Familien, die Wohngeld oder Kinderzuschlag beziehen, nicht bekannt sei, wie viele von ihnen die Leistungen erhalten.  Außerdem sei die Inanspruchnahme zu stark vom Wohnort der Eltern abhängig. In Schleswig-Holstein nehmen 59 Prozent der jüngeren Berechtigten die Leistungen in Anspruch, in Mecklenburg-Vorpommern 38 Prozent. In Berlin, Hamburg und Rheinland-Pfalz erreicht der Teilhabebetrag nur einen von zehn der anspruchsberechtigten jungen Menschen.  "Die geringe Nutzung liegt nicht daran, dass die Kinder keinen Bedarf hätten. Vielmehr ist der Betrag klein und der Weg dorthin sehr aufwendig", betont Antje Funcke, Expertin der Stiftung für Familienpolitik. Unterschiedliche Bewilligungs- und Antragsverfahren, komplexe Formulare und umfangreiche Nachweispflichten erschwerten es Funcke zufolge den Eltern, die Leistungen zu beantragen.  Die Stiftung fordert deshalb, den Zugang zu den Leistungen zu erleichtern. Gelder sollten ohne zusätzliche Anträge ausgezahlt und so auch Bürokratie abgebaut werden. Das würde auch die Kommunen in der Verwaltung entlasten.  Die damalige Bundesregierung von CDU/CSU und FDP hatte 2011 das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket eingeführt, um bei Kindern und Jugendlichen den finanziellen Bildungs- und Teilhabebedarf zu decken. Dabei geht es unter anderem um die Teilnahme an Ausflügen in der Schule und in Kitas, Schülerbeförderung, gemeinsames Mittagessen, Lernförderung, Vereinssport, Musikunterricht oder Ferienfreizeiten. © dpa-infocom, dpa:260720-930-409728/1