Analyse Bertelsmann Stiftung: Viele Kinder in Thüringen erhalten Teilhabe-Hilfe nicht

Datum20.07.2026 05:01

Quellewww.zeit.de

TLDREine Analyse der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass in Thüringen nur ein geringer Teil der berechtigten Kinder und Jugendlichen finanzielle Hilfen für Freizeit und Bildung erhält. Nur 10,3 % der 6- bis 14-Jährigen und 4,8 % der 15- bis 17-Jährigen beziehen den monatlichen 15-Euro-Teilhabebetrag. Dies liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Die Stiftung nennt aufwändige Antragsverfahren und Nachweispflichten als Gründe und fordert Vereinfachungen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Analyse Bertelsmann Stiftung“. Lesen Sie jetzt „Viele Kinder in Thüringen erhalten Teilhabe-Hilfe nicht“. Bei vielen Kindern und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien in Thüringen kommen finanzielle Hilfen für Freizeit und Bildung trotz Anspruchs offenbar nicht an. Nach einer Analyse der Bertelsmann Stiftung erhalten den monatlichen Betrag von 15 Euro zur sozialen und kulturellen Teilhabe lediglich 10,3 Prozent der berechtigten 6- bis unter 15-Jährigen in Thüringen. Bei den 15- bis unter 18-Jährigen sind es sogar nur 4,8 Prozent. Damit liegt Thüringen unter dem Bundesschnitt. Bundesweit beziehen 18,3 Prozent der anspruchsberechtigten 6- bis unter 15-Jährigen und 12,1 Prozent der 15- bis unter 18-Jährigen den Teilhabebetrag. Regional gibt es demnach deutliche Unterschiede. In Schleswig-Holstein nimmt mit 59 Prozent mehr als jeder zweite Berechtigte zwischen 6 und unter 15 Jahren die Leistung in Anspruch. Schlusslicht bilden Hamburg und Rheinland-Pfalz mit 9 Prozent. Die damalige Bundesregierung von CDU/CSU und FDP hatte 2011 das sogenannte Bildungs- und Teilhabepaket eingeführt, um Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien zu unterstützen. Dazu gehören auch andere Leistungen wie ein Zuschuss für Schulbedarf oder für gemeinsame Mittagessen. Der Teilhabebetrag von derzeit 15 Euro kann etwa für Aktivitäten wie Vereinssport, Musikunterricht oder Ferienfreizeiten verwendet werden. "Die geringe Nutzung liegt nicht daran, dass die Kinder keinen Bedarf hätten. Vielmehr ist der Betrag klein und der Weg dorthin sehr aufwändig", sagte Antje Funcke, Expertin für Familienpolitik der Bertelsmann Stiftung. Unterschiedliche Verfahren, komplexe Formulare sowie umfangreiche Nachweispflichten erschweren es Eltern demnach, die Leistungen zu beantragen. Die Stiftung fordert deshalb einfachere Verfahren. Eine Statistik, wie viele Kinder und Jugendliche Anspruch auf das Bildungs- und Teilhabepaket hätten, gibt es laut Stiftung nicht. Sie bezieht sich in ihrer Schätzung daher auf die Anzahl der Menschen, die Teilhabe-Leistungen bewilligt bekommen haben, im Verhältnis zur Anzahl derjenigen, die Sozialleistungen erhalten, die für deren Bewilligung nötig sind. © dpa-infocom, dpa:260720-930-409750/1