Datum20.07.2026 04:30
Quellewww.zeit.de
TLDREin 29-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Magdeburg wegen versuchten Mordes an einem Polizisten verantworten. Er soll eine führende Rolle bei Ausschreitungen nach einem Fußballspiel des 1. FC Magdeburg Anfang des Jahres gespielt haben, bei denen über 70 Polizisten verletzt wurden. Neben versuchtem Mord klagt die Staatsanwaltschaft auch schweren Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung an. Ermittlungen laufen gegen über 130 Personen, während Vereine mit Geldstrafen und Teilausschlüssen sanktioniert wurden.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Fußball“. Lesen Sie jetzt „Mehr als 70 verletzte Polizisten – Gericht prüft Mordvorwurf“. Unter anderem wegen versuchten Mordes an einem Polizisten muss sich von heute (Montag) an ein Fan des 1. FC Magdeburg vor Gericht verantworten. Der 29 Jahre alte Mann aus Sachsen-Anhalt soll nach Angaben des Landgerichts Magdeburg eine führende Rolle bei den Ausschreitungen bei dem Fußball-Zweitligaspiel zwischen dem 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden gehabt haben. Dabei waren Anfang des Jahres mehr als 70 Polizisten verletzt worden. Nach Angaben des Gerichts soll der angeklagte FCM-Anhänger einen 15 Kilogramm schweren Pflasterstein mit voller Kraft auf Polizisten geworfen haben. Der Mann war Ende Januar, einige Tage nach den Ausschreitungen, festgenommen worden und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er hat sich laut Gericht bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann niedrige Beweggründe vor. Neben dem Vorwurf des versuchten Mordes geht es bei dem Gerichtsprozess auch um schweren Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte. Insgesamt sind 14 Verhandlungstermine angesetzt. Dass die Staatsanwaltschaft im vorliegenden Fall Anklage wegen versuchten Mordes erhoben hat, verdeutliche die besondere Schwere der Tatvorwürfe, teilte das Innenministerium in Sachsen-Anhalt mit. Die Sicherheitsbehörden beobachteten mit großer Aufmerksamkeit, dass einzelne gewaltbereite Personen im Umfeld von Fußballveranstaltungen erhebliche Gefahren für Leib und Leben Dritter in Kauf nehmen würden. Die Krawalle hatten die Diskussion über Sicherheit in den Fußballstadien erneut aufflammen lassen. Die Deutsche Polizeigewerkschaft Sachsen-Anhalt verlangte Geisterspiele für mindestens ein Jahr in Magdeburg und sprach von einer neuen, erschreckenden Eskalationsstufe der Gewalt. Dazu wurde auch die Frage erneut aufgeworfen, ob sich Vereine oder die Deutsche Fußball Liga (DFL) an Einsatzkosten bei Hochrisikospielen beteiligen sollten. Erste Sanktionen hatte der DFB-Kontrollausschuss verhängt: So gab es beim Heimspiel gegen den SV Darmstadt 98 einen Teilausschuss von Zuschauern. Zusätzlich musste der Zweitligist eine Geldstrafe in Höhe von 186.600 Euro bezahlen. Zu vereinsinternen Sanktionen teilte eine Sprecherin des 1. FC Magdeburg mit, dass bislang vier Stadionverbotsverfahren abgeschlossen seien. Ein Verfahren laufe noch. Nach Angaben des Innenministeriums richten sich die Ermittlungen einer eigens eingerichteten Ermittlungsgruppe derzeit gegen mehr als 130 tatbeteiligte Personen. © dpa-infocom, dpa:260720-930-409577/1