Mitgliederzahlen von Parteien: AfD wächst, BSW schrumpft

Datum20.07.2026 04:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDas BSW verzeichnet in Thüringen einen Mitgliederschwund, während die AfD leichte Zuwächse verzeichnet. Gründe für Austritte beim BSW sind langsame Mitgliederaufnahmeverfahren und veränderte Lebensumstände. Die SPD und die CDU in Thüringen haben ebenfalls mit moderat rückläufigen Mitgliederzahlen zu kämpfen, hauptsächlich aufgrund von Todesfällen und Wegzügen. Die Linken melden stabile Mitgliederzahlen, bedingt durch Neuzugänge, die Austritte ausgleichen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Mitgliederzahlen von Parteien“. Lesen Sie jetzt „AfD wächst, BSW schrumpft“. Das lange Hin und Her bei der Aufnahme von neuen Parteimitgliedern beim BSW hat deutliche Spuren bei dessen Thüringer Landesverband hinterlassen. Im ersten Halbjahr 2026 seien etwa 200 Menschen aus der Partei ausgetreten, sagte der stellvertretende Landesvorsitzender des BSW Thüringen, Robert Schöne, der Deutschen Presse-Agentur. Ein Teil dieser Männer und Frauen habe die Partei aus Verärgerung über die bisher lange Bearbeitungsdauer von Mitgliedsanträgen verlassen. Andere seien ausgetreten, weil sie umgezogen seien oder sich ihre Lebensumstände geändert hätten. Nach Angaben von Schöne hat das BSW nach Zahlen aus dem laufenden Monat etwa 570 Mitglieder in Thüringen. Im November 2025 waren es etwa 770 Mitglieder gewesen. Wenige Wochen zuvor seien es noch etwa 240 Mitglieder beim Thüringer BSW gewesen. Dass die Zahl dann innerhalb weniger Wochen auf fast 800 Mitglieder gestiegen sei, habe mit der damals erfolgten Aufnahme bereits länger wartender Antragsteller in die Mitgliederdatenbank der Bundespartei zu tun gehabt, sagte Schöne. Außerdem hätten die BSW-Kreisverbände in Thüringen kontinuierlich neue Mitglieder gewonnen. Beim BSW hatte es in der Vergangenheit über Monate hinweg einen Streit zwischen dem Thüringer Landesverband und dem Bundesverband der Partei gegeben, wer Mitglieder neu in die Partei aufnehmen darf. Der Bundesverband hatte darauf bestanden, neue Parteimitglieder nur sehr zurückhaltend aufzunehmen. Wenn auch aus anderen Gründen, so ist zuletzt auch die Zahl der Thüringer SPD-Mitglieder gesunken. Nach Angaben des Landesgeschäftsführers der Sozialdemokraten, Markus Giebe, zählt die Partei derzeit etwa 3.200 Genossinnen und Genossen im Freistaat. "Die Mitgliederzahl entwickelt sich seit Jahren moderat rückläufig, im Schnitt verliert der Landesverband etwa 100 Mitglieder pro Jahr", sagte Giebe. Dieser Trend habe sich auch im ersten Halbjahr 2026 fortgesetzt. "Die wesentlichen Ursachen sind Sterbefälle und Wegzüge aus Thüringen." Trotzdem gebe es auch immer wieder Menschen, die neu in die SPD einträten. Die zweite große Partei, die seit Jahren vor allem durch Todesfälle und Wegzüge mit einem kontinuierlichen Rückgang ihrer Mitgliederzahl zu kämpfen hat, macht aktuell keine Angaben dazu, wie viele Menschen ihr Parteibuch tragen: die Thüringer CDU. Die Union ließ eine entsprechende Anfrage urlaubsbedingt unbeantwortet. Im Sommer 2025 hatte die Thüringer CDU nach damaligen Angaben etwa 7.200 Mitglieder, im Januar 2026 noch 7.048 und im Mai 2026 rutschte der Landesverband unter die 7.000er-Marke und verzeichnete noch 6.932 Mitglieder.  Die CDU hatte im Mai die Entwicklungen der vorangegangenen Monate auch mit Listenaktualisierungen erklärt: Mitglieder, die über längere Zeit keine Beiträge mehr gezahlt haben, wurden aus dem Verzeichnis gestrichen. Bei der Thüringer Linkspartei gleichen die Neueintritte aktuell die Anzahl der durch Tod ausscheidenden Mitglieder aus. Im Landesverband seien derzeit etwa 4.400 Mitglieder registriert, sagte der Landesgeschäftsführer Paul Gruber. Damit sei die Zahl der Parteimitglieder stabil, aber deutlich höher als noch vor einiger Zeit. "Bemerkenswert ist, dass allein bereits im laufenden Monat Juli stand heute 20 Neueintritte registriert werden konnten, was wir unter anderem auf die Proteste am 4. Juli gegen den Bundesparteitag der AfD zurückführen." Ende 2024 hatten die Linken in Thüringen etwa 3.200 Mitglieder gehabt. Einen anhaltenden, leichten Mitgliederzuwachs verzeichnet die Thüringer AfD, die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wurde. Anfang Juli seien in der Partei fast 2.900 Männer und Frauen registriert gewesen, sagte der AfD-Bundestagsabgeordnete Torben Braga, der auch Mitglied des AfD-Landesvorstandes ist. Anfang des laufenden Jahres seien es noch etwa 2.700 Mitglieder gewesen, Anfang 2025 waren es noch etwa 2.100 Mitglieder. Aus seiner Sicht gebe es zwei Gründe für dieses Mitgliederwachstum, sagte Braga. "Zum einen nehmen die Bürger eine wachsende Diskrepanz zwischen der realen Lebenswirklichkeit und der Politik der etablierten Parteien auf Landes- und Bundesebene wahr." Zum anderen zeige sich, dass der Zuspruch für die AfD bei den Wahlen in Thüringen eine verstärkende Wirkung habe. "Der Wahlerfolg und die parlamentarische Arbeit motivieren immer mehr Unterstützer, den Schritt von der reinen Wählerschaft hin zu einer aktiven, gestaltenden Mitgliedschaft zu gehen", sagte Braga. © dpa-infocom, dpa:260720-930-409504/1