Datum19.07.2026 16:59
Quellewww.spiegel.de
TLDREine Autobahnbrücke im Sauerland konnte erst im zweiten Anlauf gesprengt werden. Nach der ersten Sprengung blieben Teile der Brücke stehen. Ein ferngesteuerter Bohrer musste eingesetzt werden, um neue Sprengladungen zu platzieren. Die Sprengung ist Teil eines umfassenden Erneuerungsprogramms für marode Brücken auf der A45. Der Verkehr bleibt vorerst gesperrt, da Statiker die Sicherheit prüfen müssen. Dies führt zu Verzögerungen im Ferienreiseverkehr.
InhaltUngeahnte Steherqualitäten bewies eine marode Autobahnbrücke im Sauerland: Bei einem ersten Sprengversuch am Sonntagmorgen blieb ein Teilstück stehen. Die Panne kommt zum ungünstigen Zeitpunkt. Rechtzeitig vor dem Sommerferien-Reiseverkehr in Nordrhein-Westfalen sollte eine marode Autobahnbrücke im Sauerland gesprengt werden. Doch erst im zweiten Versuch am Sonntag gelang es, auch das letzte Teilstück zu beseitigen. Autofahrer auf der A45 müssen sich daher noch gedulden. Zunächst hatte alles nach Plan geklappt, die 160 Kilogramm Sprengstoff detonierten wie geplant am Sonntag um 8 Uhr morgens. Doch als sich der Staub legte, zeigte sich: Vier der zwölf Stützen und ein Teil der Platte waren stehen geblieben. Somit konnte die nebenan stehende Brücke nicht für den Verkehr freigegeben werden. Wie der WDR berichtet , kam ein ferngesteuerter Bohrer zum Einsatz, um an den verbliebenen Pfeilern neue Bohrlöcher zu setzen und mit Sprengstoff zu befüllen. Sechs Stunden nach dem ersten Versuch zündete Sprengmeister Stefan Gräßle ein weiteres Mal. Dieses Mal habe es geklappt, meldete die Autobahn GmbH am frühen Nachmittag. "Jetzt liegt das komplette Teilbauwerk genau dort, wo es liegen soll", sagte Gräßle. Die Brücke war 235 Meter lang, ihre Bauteile stürzten in etwa 30 Meter Tiefe. Schaulustige konnten das Spektakel nur aus weiter Ferne verfolgen. Die Rede ist von Teilbauwerk, da direkt neben der Brücke eine weitere Brücke steht – die bleibt stehen, über sie verläuft der Verkehr nun über jeweils zwei Spuren pro Richtung. Am Sonntag war der Verkehr zwischen den Anschlussstellen Olpe-Süd und Freudenberg in beide Richtungen gesperrt, dies blieb auch nach der zweiten Sprengung vorerst so. Grund hierfür war, dass Statiker das noch stehende Teilbauwerk erst prüfen müssen. Die Talbrücke Ottfingen ist in die Jahre gekommen. Mit der Sprengung wird Platz für einen Neubau geschaffen. Wer am Sonntag in die Sommerferien startete und ausgerechnet über diesen Autobahnabschnitt fahren wollte, war also wohl länger unterwegs sein als normalerweise – die Autobahn liegt auf der wichtigen Nord-Süd-Achse vom Ruhrgebiet ins Rhein-Main-Gebiet. Zwischen Freudenberg und Olpe-Süd wurden Umleitungen eingerichtet. Durch gestiegene Verkehrsbelastung und schwerere Lkw sind etliche Brücken der sogenannten Sauerlandlinie von Dortmund nach Frankfurt so stark belastet, dass sie dringend ersetzt werden müssen. Die Talbrücke Ottfingen stammt aus dem Jahr 1971 – und gehört damit zu den insgesamt 60 Großbrücken, die auf der Strecke schrittweise erneuert werden müssen. Zwölf Brücken sind inzwischen neu gebaut. Zwölf weitere befinden sich im Bau, darunter auch die Talbrücke Rahmede, die Ende 2021 wegen Einsturzgefahr gesperrt und später komplett gesprengt wurde. Seit 2025 fließt der Verkehr bei Lüdenscheid wieder über die erste Brückenhälfte. Marode Autobahnbrücken können ganze Landstriche lahmlegen. Daten zeigen, welches Chaos die Sprengung der Rahmedetalbrücke auslöste und was anderen Regionen mit maroden Brücken droht. Mehr lesen Sie hier.