Fußball-WM heute: Das Duell der Badewannenbrüder

Datum19.07.2026 16:18

Quellewww.zeit.de

TLDRAm Abend findet das WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien statt. Im Fokus stehen Lionel Messi und Lamine Yamal, die bereits 19 Jahre zuvor gemeinsam auf einem Foto zu sehen waren. Derweil könnte Argentinien seinen Titel verteidigen. Der Slowene Slavko Vinčić pfeift das Finale, während der Spanier Ferran Torres erneut als Einwechselspieler erwartet wird. Zudem wurden in der Diamond League neue deutsche Leichtathletikrekorde aufgestellt. Der Europarat warnt die FIFA vor Wettbetrug. Die portugiesische Hymne wird analysiert.

InhaltHeute Abend treffen Lamine Yamal und Lionel Messi im WM-Finale aufeinander. Diesmal ohne Seife und Badewasser. Sonst flutscht noch einem der Pokal aus den Händen! Spanien – Argentinien (21 Uhr, ZDF/MagentaTV). Es ist so weit. Nach fünfeinhalb Wochen und 103 Spielen wird heute Abend der neue Weltmeister gekrönt. Oder bleibt es der alte? Argentinien könnte die erste Nation seit Brasilien vor 64 Jahren werden, die ihren Titel verteidigt. Es wäre der vierte Titel für die Südamerikaner. Für die Spanier geht es nach dem Titelgewinn 2010 um den zweiten Stern auf dem Trikot. Oder nimmt am Ende Donald Trump, der beim Finale zum ersten Mal zu einem WM-Spiel kommt, den Stern womöglich selbst mit? Es ist aber nicht nur das WM-Finale, sondern auch die Badewannenpartie. Falls Sie das berühmte Foto, auf dem Lionel Messi das Baby Lamine Yamal badet, nicht kennen (und das New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani für KI-generiert hielt): hier. 19 Jahre nach ihrer ersten, absurden Begegnung treffen Messi und Yamal nun im größten Spiel aufeinander. Der eine ist nun 39, der andere 19 und gilt als sein legitimer Nachfolger. Er könnte der jüngste WM-Finaltorschütze seit Pelé werden. Wird es eine Wachablösung? Oder die letzte große Messi-Show? Der Fotograf, der das Foto gemacht hat, sagt im ZEIT-Interview jedenfalls, er habe das Foto vergessen. Bis Yamals Vater es vor zwei Jahren selbst veröffentlichte. Seitdem klingelt sein Telefon durchgehend. Slavko Vinčić. Auch für einen Schiedsrichter ist das WM-Finale ein besonderes Spiel – vor allem, wenn Argentinien spielt. Die zehn Spieler um Lionel Messi herum sind gerne etwas ruppiger unterwegs. Vinčić wird vor der Herausforderung stehen, beiden Teams früh zu verstehen zu geben, wo die Grenzen sind. Muss dabei auch beachten, dass nicht er als Schiedsrichter mit Karten das Spiel vorentscheiden sollte, sondern es den Spielern überlassen. Schwierig. Die Fifa um Schiedsrichter-Chef Pierluigi Collina, der bei dieser WM wegen einiger Entscheidungen schon anständig kritisiert wurde, traut Vinčić das zu. Der Slowene hat internationale Erfahrung, pfiff 2024 das Champions-League-Endspiel zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund und bei dieser WM schon drei Spiele. Was es für Vinčić bedeutet, das WM-Finale zu pfeifen, zeigt ein Video. Als der Final-Referee in der Schiedsrichterrunde verkündet wird, bricht Vinčić in Tränen aus. "Es ist eine unglaubliche Ehre", sagte er. Ferran Torres. Die spanische Mannschaft läuft seit dem 0:0 gegen Kap Verde vor gefühlt drei Jahren wie ein Metronom. Der Trainer hat eine Idee und wählt die Spieler danach aus. Jeder hat seine Rolle, jeder seine Aufgabe. Für Ferran Torres, den Flügelstürmer des FC Barcelona, bedeutet das: auf die Bank setzen, nach der Halbzeitpause aufwärmen, irgendwann nach Minute 60 zur Seitenlinie traben. Seit dem dritten Gruppenspiel gegen Uruguay war Torres in jeder Partie der erste Einwechselspieler der Spanier (er spielte 14, 19, 15, 35 und 16 Minuten). Meist ersetzte er Álex Baena auf der linken Seite, er kann aber auch für Mikel Oyarzabal ins Sturmzentrum rücken. Sein ehemaliger Trainer Xavi gab Torres einst den Spitznamen Tiburón – der Hai. Weil er ruhig und geduldig auf seine Chance lauere, aus dem Nichts zuzuschlagen. Wie gegen Portugal, als er das späte Siegtor von Mikel Merino mit einem Pass in die Tiefe vorbereitete. Auch beim Last-Minute-Sieg gegen Belgien schwamm der Hai über den Platz. Heute Abend können Sie die Spieluhr auf Ihrem Fernseher überkleben. Ferran Torres wird in der zweiten Halbzeit kommen, und dann wissen Sie, dass das Spiel noch etwas mehr als eine Viertelstunde dauert. Uralte Rekorde brechen. Aber auf der Tartanbahn. Bei der Diamond League in London liefen gleich zwei Männer neue nationale Bestzeiten. Emil Agyekum hatte sich in den vergangenen Wochen über 400 Meter Hürden dem 44 Jahre alten deutschen Rekord von Harald Schmid (nicht der Komiker!) immer mehr angenähert. In London lief er nun 47,45 Sekunden, drei Hundertstelsekunden schneller als Schmid bei der Europameisterschaft 1982. Nicht ganz so alt war der Rekord, den Robert Farken knapp anderthalb Stunden später brach. Beim Weltrekord des Briten Josh Kerr über die Meile wurde Farken in 3:46,82 Minuten Vierter und verbesserte seinen eigenen deutschen Rekord, den er erst vor zwei Wochen aufgestellt hatte. Gute Ausgangslage vor der EM im August in Birmingham! Die nächste WM findet unter anderem in Europa statt (Portugal und Spanien). Die Fifa kann sich auf etwas gefasst machen. Diese Botschaft will am Finaltag Alain Berset, der Generalsekretär des Europarats, loswerden. Fragen über Fragen habe diese Weltmeisterschaft aufgeworfen, schreibt Berset in einem Statement, und auch wenn die Feierlichkeiten heute enden, die Fragen würden bleiben. Neben der Balogun-Affäre und den rassistischen Angriffen auf Kylian Mbappé habe die Fifa durch ihre Zusammenarbeit mit der Vorhersageplattform ADI Predictstreet die Tür geöffnet für Wettbetrug im großen Stil. "Das Wetten hat sich vom Ergebnis eines Spiels hin zu Momenten verlagert, die ein einzelner Spieler herbeiführen kann, ohne dass sich am Spielstand etwas ändert. Eine Wette, die man gewinnt, indem man andere verlieren lässt. Es ist eine offene Tür für Betrug. Und diese Weltmeisterschaft hat die Tür noch weiter geöffnet." Der Europarat hat der Fifa angeboten, Arbeitsgespräche zu initiieren, um vor dem nächsten Turnier ein Integritätsregelwerk aufzubauen. Ob die Fifa, die dem Guardian zufolge bei diesem Turnier 15 Milliarden Dollar einnahm, darauf große Lust hat? Unsere hausinterne Hymnenexpertin und Autorin Christina Rietz hat sich zur WM durch die Hymnen der teilnehmenden Nationen gehört. Leider haben wir die Hymnen von Spanien und Argentinien schon früher im Turnier verfeuert. Hatten wir mit einer besseren Leistung der Portugiesen gerechnet oder wollten wir einfach nur, dass Cristiano Ronaldo auf jeden Fall Teil dieses Finales ist? Darauf wird es nie eine Antwort geben, und wir nehmen uns heute, zum Abschluss dieses WM-Turniers, "A Portuguesa" vor, die Nationalhymne Portugals. Womöglich bildet sich Cristiano Ronaldo ein, A Portuguesa wäre nur für ihn, der von der Insel Madeira stammt, geschrieben worden. Denn sie beginnt mit den Worten: "Helden der See, edles Volk, / Tapfere und unsterbliche Nation, / Erhebet heute von Neuem, / Die Pracht von Portugal!" Heróis do mar, das klingt toll, aber das ganze Stück hat einen sehr kolonialistischen Hintergrund. 1890 forderte die britische Regierung Portugal auf, sich in Zentral- und Südafrika nicht weiter auszubreiten. Der König in Lissabon akzeptierte diese Forderung und im verwundeten Stolz des Vaterlandes entstanden Text und Melodie von A Portuguesa. Stolz ist auch das musikalische Arrangement. Es stampft in breiten Akkorden resolut los. Im Refrain wird dann fortissimo "zu den Waffen!" gerufen, zwar harmonisch statisch, aber ultrabombastisch. Das ist dann nur noch eine militärische Formel. Je länger ich darüber nachdenke, desto überzeugter kann ich sagen: Ja, auch musikalisch passt das alles zu Cristiano Ronaldo. Christina Rietz hat sich ausführlich Gedanken über die Hymne als Identitätserzählung eines Landes gemacht. Hier finden Sie noch mal alle ihre Hymnentexte. Und das WM-Ressort bedankt sich bei ihr für die fantastischen Texte, aus denen wir sehr viel gelernt haben. "Irrelevant. Wenn demnächst 256 Teams bei der WM antreten, werden die heute aufgestellten Marken in einem Turnier geknackt … von mehreren Spielern …"(ZEIT-User:in Zeit12.5 ist optimistisch, dass Kylian Mbappés WM-Torrekord lange halten wird) "Dieses Spiel hilft uns. Aber eine Bronzemedaille feiert man nie so richtig."(Auch nach dem versöhnlichen WM-Abschluss seiner englischen Mannschaft ist Thomas Tuchel nicht hundertprozentig zufrieden) "Lamine muss Lamine sein. Einen zweiten Messi wird es nie geben."(Spaniens Trainier Luis De la Fuente vor dem WM-Finale gegen Argentinien. Eine Manndeckung für Messi hat er dennoch ausgeschlossen.) "Bei der Weltmeisterschaft mit Spanien. Bei der Weltmeisterschaft werden wir den besten Rodri sehen."(Der damalige Man-City-Trainer Pep Guardiola sagte das im Oktober auf die Frage, wann sein Mittelfeldspieler Rodri nach seiner Knieverletzung wieder in Topform sein würde.)