Datum19.07.2026 11:19
Quellewww.spiegel.de
TLDRNach einem schweren Vorfall, bei dem ein Bahnmitarbeiter aus einem fahrenden Zug stürzte, fordert die GDL Gesetzesänderungen zum Schutz des Personals. Der Hauptgeschäftsführer der Lokführergewerkschaft, Mario Reiß, kritisiert mangelnde Konsequenzen und verlangt ein "Durchgriffsrecht". Ein Fahrgast attackierte den Mitarbeiter nach einer Fahrkartenkontrolle, was zum Sturz bei 120 km/h führte. Die Deutsche Bahn verurteilte den Angriff. Dies geschieht vor dem Hintergrund wiederholter Gewalt gegen Bahnmitarbeiter.
InhaltErneut hat ein Fahrgast einen Mitarbeiter der Bahn körperlich angegriffen – dieser stürzte bei 120 km/h aus dem Zug. Der Chef der Lokführergewerkschaft fordert nun härtere Konsequenzen. Nach dem Sturz eines Mitarbeiters der Deutschen Bahn aus einem fahrenden Zug hat die Lokführergewerkschaft GDL rechtliche Konsequenzen gefordert. Es brauche keinen Sicherheitsgipfel oder runden Tisch, sondern "Entscheidungen der Justiz", sagte GDL-Chef Mario Reiß am Samstag dem WDR. "Wir brauchen Gesetzesänderungen und wir brauchen das Durchgriffsrecht." Ein 26-jähriger Mitarbeiter der DB Sicherheit war am Freitagabend auf der Bahnstrecke von Offenburg nach Karlsruhe aus einem fahrenden Zug gestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt. Zuvor hatte es bei einer Fahrkartenkontrolle ein Gerangel mit einem Fahrgast gegeben. Danach zog das Zugpersonal nach bisherigen Erkenntnissen zwei Sicherheitskräfte hinzu. Laut der Staatsanwaltschaft attackierte der augenscheinlich alkoholisierte Mann die DB-Sicherheitsmitarbeitenden mit Fäusten und Tritten. Beide fielen demnach gegen eine Tür, die dabei beschädigt worden sein soll. Zum eigentlichen Vorfall kam es laut den bisherigen Ermittlungen im Anschluss, als der Beschuldigte bereits am Boden lag und versucht habe, den 26-Jährigen zu treten. Der Mitarbeiter verlor demnach das Gleichgewicht und prallte gegen die Tür, die schließlich nachgab. Bei einer Geschwindigkeit von rund 120 Kilometern pro Stunde fiel er aus dem Zug. Wie das möglich war, soll nun ein technisches Gutachten klären. Der Zustand des DB-Mitarbeiters sei stabil, aber weiter kritisch, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. "Es muss jedem in Deutschland bekannt werden, dass ein Angriff auf den Menschen geahndet wird und mit Folgen zu tun hat, die davor abschrecken, jemanden anzugreifen", sagte GDL-Chef Reiß. "Die Eskalationsstufe, die dort wieder in dem Zug entstanden ist, ist gewaltig." Die Kolleginnen und Kollegen "müssen jeden Tag mehr mit Angst auf Arbeit gehen", fuhr er fort. Die Deutsche Bahn verurteilte den Angriff vom Freitagabend scharf. "Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten", hieß es in einer Mitteilung. Zum genauen Unfallhergang, etwa warum die Tür des fahrenden Zugs sich öffnen konnte, konnte die Sprecherin am Sonntagmorgen auf SPIEGEL-Anfrage nichts sagen. Die Behörden ermittelten aktuell die Hintergründe der Tat. Das Amtsgericht Karlsruhe hatte einen Haftbefehl gegen den Fahrgast abgelehnt. Der Beschuldigte ist bereits wegen mehrerer Gewalttaten vorbestraft, die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe ist derzeit zur Bewährung ausgesetzt. Auch wenn das Gericht keinen hinreichenden Haftgrund sah, läuft jetzt gegen ihn ein Strafverfahren. Mitarbeitende der Deutschen Bahn werden immer wieder Ziel von Angriffen. Im Februar hatte der Tod eines Zugbegleiters nach einem Angriff durch einen Schwarzfahrer in Rheinland-Pfalz bundesweit Entsetzen ausgelöst.