Datum19.07.2026 04:01
Quellewww.zeit.de
TLDRDer Kocherlball im Münchner Englischen Garten, seit über 140 Jahren bestaunt, ist eine frühmorgendliche Tanztradition, die tausende Menschen anlockt. Ursprünglich von Hausangestellten genutzt, wurde der Ball 1904 verboten und 1989 wiederbelebt. Ein Verein strebt nun die Anerkennung als Weltkulturerbe an, da die Veranstaltung historische Wurzeln, Lebendigkeit und Inklusivität aufweist. Traditionelle Tänze werden von Tanzmeistern angeleitet.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Tradition im Englischen Garten“. Lesen Sie jetzt „Tausende Tänzer - Was den Kocherlball besonders macht“. Zum traditionellen Kocherlball werden heute im Englischen Garten in München wieder Tausende Tänzer erwartet. In aller Früh, um 6.00 Uhr, treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Chinesischen Turm, um gemeinsam in den Tag hineinzutanzen. Ein oberbayerischer Verein will die Veranstaltung jetzt sogar zum Weltkulturerbe machen. Den Kocherlball gibt es in München seit mehr als 140 Jahren. Damals traf sich das Hauspersonal der Stadt an Sonntagen zum Tanzen und Feiern, bevor ihre Herrschaften aus der Kirche zurückkamen und sie wieder an die Arbeit mussten. Daher hat der Ball auch seinen Namen: Das Wort "Kocherl" stammt aus dem Münchner Volksmund und war einst Spitzname für das Küchenpersonal. Im Jahr 1904 wurde der Kocherlball von den Obrigkeiten wegen "Unsittlichkeit" verboten und lange Zeit vergessen. Erst zur 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens 1989 wurde die Tradition neu belebt. Seitdem findet der Kocherlball jedes Jahr am dritten Sonntag im Juli statt. Seine lange Tradition und große Beliebtheit machen den Kocherlball aus Sicht des Vereins zur Erhaltung der Biergartentradition zu einem Weltkulturerbe-Kandidaten. Bis zur nächsten Möglichkeit im Jahr 2029 wolle man eine Bewerbung vorbereiten, sagte die Präsidentin des Vereins, Ursula Seeböck-Forster, der "Süddeutschen Zeitung". Die Voraussetzungen dafür seien erfüllt. Dazu zählten historische Wurzeln, Lebendigkeit, Kontinuität, Wandlungsfähigkeit und Inklusivität. Seit der Wiederentdeckung der Tradition 1989 ist die Gastronomen-Familie Haberl Gastgeberin des Balls. Auf der Bühne sorgen Tanzmeisterin Katharina Mayer und Vortänzer Magnus Kaindl dafür, dass auch Ungeübte bei Tänzen wie dem Landler, der Polka oder einem Zwiefachen in Tracht und Kostümen möglichst nicht aus dem Takt kommen. © dpa-infocom, dpa:260719-930-406121/1