Datum18.07.2026 19:50
Quellewww.spiegel.de
TLDRBei Karlsruhe stürzte ein Bahn-Sicherheitsmitarbeiter aus einem Regionalzug und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Nach einer Auseinandersetzung mit einem Fahrgast, der keinen Fahrschein vorzeigen konnte, fiel der 26-jährige Sicherheitsmann bei 120 km/h aus der Tür. Warum sich diese öffnen konnte, ist unklar und Gegenstand eines technischen Gutachtens. Der 36-jährige, vorbestrafte beschuldigte Fahrgast muss nicht in Untersuchungshaft. Die Bahn und die GDL verurteilen den Vorfall scharf und fordern härtere Konsequenzen.
InhaltEine Kontrolle endete mit lebensgefährlichen Verletzungen: Bei Karlsruhe fiel ein Mitarbeiter der DB-Sicherheit bei voller Fahrt aus einem Regionalzug. Der 36-jährige Beschuldigte ist vorbestraft, muss aber nicht in U-Haft. Nach einer Attacke auf einen Bahn-Mitarbeiter, der am Freitag aus einem fahrenden Zug gestürzt war und schwer verletzt wurde, hat das Amtsgericht Karlsruhe einen Haftbefehl gegen den Fahrgast abgelehnt, der sich mit dem Opfer eine körperliche Auseinandersetzung geliefert haben soll. Wie die Staatsanwaltsanwaltschaft Karlsruhe mitteilt, befindet sich das 26-jährige Opfer immer noch in einem kritischen Zustand. Der Mann war aus dem von Offenburg Richtung Karlsruhe fahrenden Regionalzug gestürzt, als dieser mit 120 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Warum sich die Tür öffnen konnte, ist noch nicht geklärt. Nach Schilderung der Staatsanwaltschaft ging dem Vorfall eine körperliche Auseinandersetzung voraus. Ein augenscheinlich alkoholisierter Mann konnte bei einer Kontrolle demnach keinen gültigen Fahrschein vorzeigen und weigerte sich, seine Personalien anzugeben. Der Zugbegleiter zog daraufhin zwei Mitarbeiter der DB-Sicherheit zu Hilfe. Daraufhin sei es zu einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen, bei der der 36 Jahre alte Fahrgast mit Fäusten auf einen der Sicherheitsleute eingeschlagen haben soll. Beide fielen gegen die Tür, die daraufhin beschädigt worden sein soll. Zum eigentlichen Vorfall kam es laut den bisherigen Ermittlungen im Anschluss, als der Beschuldigte bereits am Boden gelegen und versucht habe, den 26-jährigen Mitarbeiter der DB Security zu treten. Der habe daraufhin das Gleichgewicht verloren und sei mit voller Wucht gegen die Tür gefallen, die schließlich nachgab. Wie das möglich war, soll nun ein technisches Gutachten ergeben. Der beschuldigte Fahrgast ist bereits wegen mehrerer Gewalttaten vorbestraft, die Vollstreckung einer Freiheitsstrafe ist derzeit zur Bewährung ausgesetzt. Auch wenn das Gericht keinen hinreichenden Haftgrund sah, läuft jetzt gegen ihn ein Strafverfahren. Mehr zu den Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft lesen Sie hier . Die Bahn äußerte sich betroffen. "Wir verurteilen den Angriff am gestrigen Abend in einer Regionalbahn aufs Schärfste", sagte eine Bahn-Sprecherin. "Unsere Gedanken sind bei dem Verletzten." Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordert angesichts des neuerlichen Vorfalls härtere rechtliche Konsequenzen. Es müsse jedem Menschen in Deutschland klar sein, "dass ein Angriff auf den Menschen geahndet wird und mit Folgen zu tun hat, die davor abschrecken, jemanden anzugreifen", sagte der GDL-Bundesvorsitzende Mario Reiß im WDR. Seit Jahren werde die Stimmung in der Bahn aggressiver, berichtet ein Zugchef. Er wurde selbst schon angegriffen. Was ihm und seinen Kollegen helfen würde – und ob er noch ohne Angst einsteigen kann, lesen Sie hier .