Datum18.07.2026 18:06
Quellewww.spiegel.de
TLDRJens Spahn trat wegen seiner widersprüchlichen Haltung zur Leihmutterschaft zurück. Zuvor war er mit mehreren Skandalen konfrontiert: ein Luxusvillenkauf mit ungewöhnlicher Finanzierung, ein privates Dinner mit Unternehmern, die später spendeten, ein überteuerter und teilweise ungenutzter Maskendeal mit Milliardenschaden, die Weitergabe vertraulicher Beschlussentwürfe an Bauunternehmer René Benko sowie die Teilnahme an Treffen des Trump-Vertrauten Peter Thiel, der antidemokratische Positionen vertritt.
InhaltWegen seiner widersprüchlichen Haltung zu Leihmutterschaft ist Jens Spahn zurückgetreten. Dabei hatte der Konservative zuvor schon mit einigen Skandalen zu kämpfen. Der Überblick. Unionsfraktionschef Jens Spahn ist von seinem Posten zurückgetreten, weil der innerparteiliche Druck auf ihn zu groß geworden war: Seine widersprüchliche Position zu Leihmutterschaft, die er privat genutzt hatte, politisch aber ablehnte, hat ihm letztlich entscheidenden Rückhalt gekostet. Dabei hat Spahn in seiner rasanten politischen Karriere bereits mehrere Skandale verursacht, die öffentlich ähnliche, wenn nicht sogar größere Empörung hervorgerufen haben. Der Überblick. 2020, am Anfang der Coronapandemie, kauften Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke in Berlin eine Luxusvilla für rund vier Millionen Euro. Für die Summe hatten die Eheleute einen Kredit der rund 500 Kilometer von Berlin entfernten Sparkasse Westmünsterland erhalten, der sogar über die Kaufsumme hinausging und Nebenkosten einschloss. Der Deal galt sowohl wegen seiner Höhe als auch wegen Spahns unsicherer Einkommensperspektive nach dem Ende der letzten Merkel-Regierung als ungewöhnlich. Spahns Partner Funke war zu diesem Zeitpunkt Lobbyist des Burda-Verlags ("Focus", "Bunte"). Als Absicherung für den Kredit hielt unter anderem ein vermeintlich geerbtes Vermögen von Funkes Vater her, das von einer Bank in Österreich verwaltet wurde. Später teilten Spahn und Funke im Zuge einer SPIEGEL-Recherche mit, dass die Geschichte vom stattlichen Erbe des Vaters Unsinn sei (mehr über die fragwürdige Finanzierung lesen Sie hier). Spahn und Funke haben die Villa mittlerweile wieder verkauft. Die Kosten für Kauf, Renovierung und Kaufnebenkosten hätten sich auf 5,5 Millionen Euro belaufen, weshalb dem Paar ein Verlust von 200.000 Euro entstanden wäre, berichtete "T-Online". Im Herbst 2020 traf sich Spahn mit einem Dutzend Unternehmer in Leipzig zum privaten Dinner, obwohl vor persönlichen Zusammenkünften in dieser Phase der Pandemie gewarnt worden war. Mehrere Teilnehmer spendeten später an den CDU-Kreisverband von Spahn. Etwa 100.000 Euro sollen zusammengekommen sein, recherchierte der SPIEGEL später – 9900 Euro pro Spender. Meldepflichtig sind Spenden über 10.000 Euro. Trotz öffentlicher Forderungen legten weder Spahn noch sein Kreisverband die Namen der Spender und der Teilnehmenden des Dinners offen. Dass keine Masken getragen wurden, kam hingegen später heraus. Als Gesundheitsminister verursachte Spahn den wohl folgenschwersten Skandal, als er die Bestellung von Masken zum Schutz vor Coronainfektionen übernahm. 5,6 Milliarden Masken für 5,9 Milliarden Euro beschaffte er, ein großer Teil landete später ungenutzt in der Müllverbrennungsanlage. Spahn hatte persönlich einen Preis von 4,50 Euro für jede Maske festgelegt, was sich im Nachhinein als viel zu hoch erwies. Er hatte außerdem ein Speditionsunternehmen aus seiner Heimat, dem Münsterland, damit beauftragt, die gelieferten Masken einzulagern und auszuliefern, womit die Firma nach kurzer Zeit sichtlich überfordert war; die Idee, Schadensersatz zu verlangen, verfolgte Spahn nicht weiter. Zulieferer, die ihre vom Bund bestellten Masken nicht mehr loswurden, klagten hingegen auf Bezahlung. Schätzungen zufolge könnte sich der Schaden für die deutschen Steuerzahler auf letztlich rund 2,3 Milliarden Euro belaufen. Erst Ende Mai hatte das Bonner Landgericht geurteilt, dass der Bund einem Händler fast 219 Millionen Euro für bestellte, teils gelieferte Masken zahlen muss. Weil der Bund darauf gesetzt hatte, die meisten Streitfälle durch alle Instanzen zu ziehen, kommen laut Urteil Verzugszinsen hinzu, nach Berechnungen des SPIEGEL aktuell an die 128 Millionen Euro. Der mögliche Gesamtschaden für die Steuerzahler beträgt daher allein in diesem Fall derzeit fast 350 Millionen Euro. Mittlerweile ist der österreichische Bauunternehmer René Benko mehrfach verurteilt. Doch 2020, als sein Firmenimperium Signa Holding samt der Galeria-Kaufhof-Kette noch nicht eingestürzt ist, steht er in scheinbar engem Kontakt mit dem damaligen Gesundheitsminister Spahn. Am 6. Mai 2020 schickt Spahn um 6:29 Uhr morgens ein Dokument an Benko von seinem Bundestagsaccount aus. "Guten Morgen, Vorlage f heute vertraulich z Kt. Lg Jens" schreibt er. Angehängt ist ein Beschlussentwurf für die Telefonschalte zwischen der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länderchefs, erstellt in der Nacht zuvor um 23:30 Uhr. Beschrieben darin sind die Pläne von Bund und Ländern für "einen erheblichen weiteren Öffnungsschritt" nach dem Lockdown. "Danke lieber Jens – hoffe es geht Dir gut Herzliche Grüße Dein René" antwortet Benko 39 Minuten später. Im Herbst 2020 sendet Spahn Benko erneut eine Mail, "Entwurf (!) Lg J". Im Anhang offenbar ein Beschlussvorschlag für die Telefonschalte von Merkel mit den Länderchefs, der große Auswirkungen auf Geschäfte hat. Als die Mails in die Medien gelangen, erklärt Spahns Anwalt, es habe keine enge Verbindung mit Benko gegeben, nur einen fachlichen Austausch. Ende Juni 2026 sorgte eine bislang unbekannte Namensliste für Furore. Darauf versammelt: die Teilnehmenden der sogenannten Dialog-Treffen von Techunternehmer Peter Thiel. Der Trump-Vertraute, der antidemokratische Positionen vertritt, hatte die Treffen offenbar ins Leben gerufen, um eine bunte Mischung aus internationaler Showbiz-Prominenz, Unternehmern und Politikern zusammenzubringen – darunter auch Jens Spahn. Er hat nach eigenen Angaben an fünf "Dialog"-Events teilgenommen: 2018 in Irland, 2019 in Italien, 2022 in Portugal, 2023 in Spanien und 2024 in Deutschland. Zum nächsten Treffen im August 2026 in Irland sei er eingeladen worden, habe die Teilnahme aber abgesagt. Das US-Magazin "Wired" berichtete, dass für dieses Treffen Themen wie "Bring Back Nuclear" (die Atomkraft zurückbringen), "Navigating WWIII" (den Dritten Weltkrieg meistern) oder "Build-a-Cult" (bau dir eine Sekte) auf der Tagesordnung stehen sollten.