Datum18.07.2026 16:48
Quellewww.zeit.de
TLDRDas Spiel um Platz 3 zwischen Frankreich und England wird trotz seiner geringen Bedeutung beleuchtet. Historische Parallelen zur Schlacht von Hastings, die Gastronomie und die Entwicklung der englischen Sprache werden thematisiert. Der Fokus liegt auf der Torjägerkanone für Messi und Mbappé. Didier Deschamps' Karriere als Spieler und Trainer wird gewürdigt. Karl Marx' Zitat "Religion ist das Opium des Volkes" wird neu interpretiert und mit dem Thema Fußball als Ablenkung verglichen. ZEIT-Reporter bereiten sich in New York auf das Finale vor.
InhaltBevor England auf Frankreich im Spiel um Platz 3 trifft, richtet Donald Trump ein paar taktische Fragen an Thomas Tuchel. Und die sind gar nicht mal so schlecht. Eins, das keins sein sollte. Frankreich und England finden raus, wer die Halbfinalniederlage besser verdaut hat. Das Spiel um Platz drei ist leider ein belangloses Spiel. Sinn suchen wir also woanders. Die englische Niederlage gegen die französischen Normannen bei Hastings 1066 war ähnlich folgenschwer wie das erneute Ausscheiden der englischen Mannschaft vor einem WM-Finale: Sie führte zum Verlust der Muttersprache. Etwas, das auch englischen Fans oft nach Niederlagen widerfährt. In der Linguistik spricht man bis heute vom Norman shift, der die englische Sprache grundlegend veränderte. Französisches Vokabular wurde "eingeenglischt", etwa bei gouvernement – government, parlement – parliament und armée – army. Dabei behielt oft das Tier den angelsächsischen Namen (cow, sheep, calf), während das zubereitete Fleisch den französischen Namen bekam (bœuf – beef, mouton – mutton, veau – veal). Das moderne Englisch besteht also sowohl aus germanischen Wörtern (mitgebracht von den Angelsachsen im 5. Jahrhundert) wie Haus – house, Brot – bread und Freund – friend als auch aus französischen Wörtern wie cour – court, beauté – beauty und liberté – liberty. Darüber können Sie nun bis 23 Uhr nachdenken, dann wird bei MagentaTV angestoßen. Es geht vor allem noch um eins: die Torjägerkrone. Kylian Mbappé und Lionel Messi stehen beide bei acht Toren, wobei Messi einen Assist mehr hat. Harry Kane (derzeit sechs Tore) müsste schon einen Hattrick schießen, um noch eingreifen zu können (was er zugegebenermaßen bereits das eine oder andere Mal gemacht hat). Sollten Sie einschalten, denken Sie immer daran: Die Uefa hat das Spiel um Platz drei nach der EM 1980 abgeschafft – wegen mangelnder Attraktivität. Didier Deschamps. Er schaffte, was vor ihm nur zwei anderen Männern gelang: Wie Franz Beckenbauer und der Brasilianer Mário Zagallo wurde der Franzose Weltmeister als Spieler und als Trainer. Nur einen dieser beiden Titel zu erringen, ist schwer genug. Ihm gelang beides. Das Spiel heute wird sein letztes als französischer Nationaltrainer. Es soll das letzte Spiel eines der ganz Großen im Fußball werden. Warum seine Karriere trotz aller Erfolge vom Konjunktiv begleitet wird, können Sie hier nachlesen. Nach sechs Wochen Newsletterlesen, kennen Sie mittlerweile jeden Spieler dieser WM. Deswegen möchte ich Ihnen heute einen Mann vorstellen, von dem ich glaube, dass er Fußballfan gewesen wäre, würde er noch leben: Karl Marx. Eines seiner berühmtesten Zitate, "Religion ist das Opium des Volkes", wird ihm oft so ausgelegt, dass er ein Religionsfeind gewesen sei. Auch der Fußball wurde immer wieder und vor allem auch in den vergangenen WM-Wochen als "Opium der Massen" beschrieben, das von wirklichen gesellschaftlichen und politischen Problemen ablenkt. Marx wird hier aber verkürzt zitiert, wie mir letztens meine Kollegin und Philosophiestudentin Natalie Voß an der Kaffeemaschine erzählte. In Marx’ Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie heißt es nämlich: "Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt der herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes." Marx beschreibt Religion also als schmerzlindernd und trostspendend, als Eskapismus aus einer trostlosen, verkommenen Welt. Na, kommt Ihnen das nach fünf Wochen WM bekannt vor? New York, New York, sie fahren nach New York! Die WM-Reporter der ZEIT, Christian Spiller und Oliver Fritsch, sind zum Finale in New York angekommen. Die beiden Kollegen waren während des gesamten Turniers unterwegs, sind sich aber nie begegnet. Im Herzen als Reporter der ZEIT natürlich stets vereint, trennt sie nur noch der East River zwischen Brooklyn und Manhattan. Im Videopodcast Kicken kann er laufen sich die beiden aber gemeinsam mit meinem Kollegen Fabian Scheler warm für das Finale am Sonntag und lassen die WM Revue passieren. Hier sehen und hören Sie die ganze Folge.