Raumfahrt in Indien: Erfolgreicher Testflug privat entwickelter Rakete

Datum18.07.2026 12:14

Quellewww.spiegel.de

TLDRIndien hat seine erste privat entwickelte Orbitalrakete, die Vikram-1, erfolgreich getestet. Das Unternehmen Skyroot Aerospace will damit Indiens Anteil an der globalen Raumfahrtwirtschaft ausbauen. Seit der Öffnung des Sektors für private Investitionen im Jahr 2020 entstehen viele Start-ups, die von internationalen Investoren unterstützt werden. Indien strebt an, seinen Marktanteil bis 2033 deutlich zu erhöhen und sich gegen etablierte Akteure zu behaupten.

InhaltDelhi will sich seinen Platz in der weltweiten Raumfahrtwirtschaft sichern. Und setzt dabei auf Start-ups und private Unternehmen. Indien hat erstmals eine privat entwickelte Orbitalrakete erfolgreich gestartet. Die Vikram-1  habe ihren ersten Testflug erfolgreich absolviert, erklärte das Raumfahrtunternehmen Skyroot Aerospace am Samstag im Onlinedienst X. "Hallo Weltraum, wir sind angekommen!", schrieb das Unternehmen. Der Start gilt als wichtiger Schritt für Indien, das seinen Anteil an der weltweiten Raumfahrtwirtschaft ausbauen will. Bislang wurde die indische Raumfahrt weitgehend von der staatlichen Raumfahrtbehörde Isro geprägt. Ziel der Mission ist es, die Antriebs-, Avionik-, Telemetrie-, Lenk-, Navigations- und Steuerungssysteme der Rakete im Flug zu erproben und gleichzeitig Daten für künftige kommerzielle Starts zu sammeln, so das durchführende Unternehmen Skyroot. Skyroot wurde 2018 gegründet und gehört zu einer neuen Generation indischer Raumfahrt-Startups, die nach der Liberalisierung des Sektors Unterstützung von internationalen Investoren erhalten haben. Indien öffnete seinen Raumfahrtsektor im Jahr 2020 für private Investitionen und ermöglichte es Start-ups, Raketen und Satelliten zu bauen sowie Startdienstleistungen anzubieten – Tätigkeiten, die jahrzehntelang von der staatlichen Indian Space Research Organisation (ISRO) wahrgenommen wurden. Die Regierung strebt an, den Anteil Indiens an der weltweiten Raumfahrtwirtschaft bis 2033 von derzeit rund 8 Milliarden US-Dollar auf 44 Milliarden US-Dollar zu steigern; dabei setzt sie darauf, dass private Unternehmen dazu beitragen können, sich in einem Markt zu behaupten, der von Akteuren aus den USA, Europa und China dominiert wird. Der erfolgreiche Flug steht im Gegensatz zu den Schwierigkeiten des deutschen Raumfahrtunternehmens Isar Aerospace. Dessen zweiter Testflug der Spectrum-Rakete vom norwegischen Weltraumbahnhof Andöya wurde seit Januar mehrfach wegen technischer Probleme und ungünstiger Wetterbedingungen verschoben. Zuletzt sagte Isar Aerospace einen für Mitte Juni geplanten Start wegen Abweichungen in den Flüssigkeitssystemen ab. Bereits ein für April vorgesehener Versuch war wegen eines vermuteten Lecks gestrichen worden. Bei einem ersten Testflug im März 2025 war die Spectrum-Rakete erfolgreich abgehoben und nach rund 30 Sekunden planmäßig ins Meer gestürzt. Beim zweiten Flug sollten erstmals fünf Kleinsatelliten und ein Experiment befördert werden. Das in Ottobrunn bei München ansässige Isar Aerospace gehört zu mehreren europäischen Unternehmen, die Europa bei Raketenstarts unabhängiger von den USA und Russland machen wollen. Das weltweite Geschäft mit Trägerraketen wird bislang vor allem vom US-Unternehmen SpaceX des Milliardärs Elon Musk dominiert.