Datum18.07.2026 12:06
Quellewww.spiegel.de
TLDREin entlassener U-Bahn-Arbeiter warnt vor Asbestrisiken in der Londoner U-Bahn. Micky Steeds wurde gefeuert, nachdem er Bedenken bezüglich asbestbelastetem Staub in Lüftungs- und Aufzugschächten geäußert hatte. Ein Arbeitsgericht entschied zu seinen Gunsten und bestätigte seine Kündigung als unrechtmäßig. Steeds zufolge ist der Staub mit Asbest und anderen Schadstoffen kontaminiert. London Underground bestreitet die Gefahr, während Steeds die Öffentlichkeit und die Betreiber zur Vorsicht aufruft.
InhaltU-Bahn-Arbeiter Micky Steeds wurde von seinem Arbeitgeber entlassen, weil er Bedenken zu möglicherweise asbestlastigem Dreck äußerte, den er entfernen sollte. Ein Gericht gab ihm recht. Jetzt geht er an die Öffentlichkeit. Jahrelang entfernte er Staub aus Lüftungs- und Aufzugschächten in der Londoner U-Bahn, dann erfuhr er nach eigenen Angaben, dass der Dreck möglicherweise giftig ist. Als Michael Steeds sich dagegen wehrte, entließ ihn sein Arbeitgeber, zu Unrecht, wie ein Arbeitsgericht befand. Nun wendet sich Steeds durch ein Gespräch mit dem britischen "Guardian " an die Öffentlichkeit. "Jeder, der in diese Züge einsteigt, muss davon wissen. Die Menschen dort unten werden einer Gefahr ausgesetzt", so zitiert die Zeitung den Whistleblower. Dem Bericht zufolge war Steeds seit 2018 bei der Londoner U-Bahn angestellt. Seine Kollegen und er seien dafür zuständig gewesen, den Dreck aus den engen Kanälen unter den Bahnsteigen zu entfernen, der sich dort über Jahrzehnte angesammelt hatte. Manchmal sei der Staub so dicht gewesen, dass er seine Hände nicht habe sehen können, berichtet Steeds. Irgendwann habe er gehört, dass der Staub gefährliche Konzentrationen an Asbest sowie anderen Substanzen wie Chrom, Arsen, Silikaten und Eisenoxid enthalten könne, so berichtet der "Guardian". Steeds habe begonnen, seine Bedenken zu äußern. In den ersten 15 Monaten seiner Arbeit sei er nicht mal mit einer geeigneten Schutzmaske ausgestattet worden, hieß es den Angaben zufolge später vor dem Arbeitsgericht, das sich mit dem Fall befasste. 19 Monate lang habe er von Asbest befallene Kabel mit einer harten Staubsaugerbürste behandelt. Erst dann habe er eine Schulung zum Umgang mit Asbest bekommen, hieß es demnach im Laufe der Ermittlungen. Zudem sei der Sondermüll, den die Arbeiter sammelten, nicht sicher entsorgt worden, wirft Steeds seinem Ex-Arbeitgeber vor. Von den Verantwortlichen seines Arbeitgebers London Underground Limited seien seine Beschwerden zurückgewiesen worden. Sie hätten darauf bestanden, dass die Arbeit sicher sei und die Reinigungsmaßnahmen den Asbest nicht aufwirbelten. Das Gericht wies dies dem "Guardian"-Artikel zufolge durch Gutachten zurück. Die Beschwerden von Steeds seien als Whistleblowing zu werten und seien dadurch geschützt, urteilte das Gericht den Angaben zufolge im Mai. Steeds Proteste gegen seinen Arbeitgeber seien begründet, London Underground hingegen habe sie nicht als Whistleblowing behandelt und ihn unberechtigterweise entlassen. Steeds sagt im Artikel, er wolle die Menschen darauf aufmerksam machen, was sie einatmeten. "Es ist nicht nur Staub, es ist Sondermüll, und das wissen sie nicht. Ich persönlich fahre nicht mehr mit der U-Bahn." Der "Guardian" zitiert eine Stellungnahme des Nahverkehrbetreibers Transport of London, derzufolge man strenge Kontrollen zur Asbestkontrolle eingesetzt habe. Es sei sichergestellt, dass Kunden bei U-Bahn-Fahrten sowie Mitarbeiter bei der Arbeit im U-Bahn-Netz keinem Asbestrisiko ausgesetzt seien. In der Londoner U-Bahn lauert noch ein anderes Risiko: Kleine Mücken, die allzu gern Fahrgäste stechen. Lesen Sie hier , woher die "London Underground Mosquitos" kommen.